Viersen: Halle hat absolute Priorität
VON FRANK SCHLIFFKE - zuletzt aktualisiert: 06.10.2008Viersen (RPO). Bahnhof Viersen: Investor Hans Wilhelm Janissen-Brass erwartet bis zum Jahresende eine beheizte, zugfreie Halle mit „Aufenthaltsqualität“ für die Nutzer. Über dem Kiosk könnte ein Platz fürs Grammophonmuseum entstehen.
Hans-Wilhelm Janissen-Brass öffnet die Hände etwa auf die Größe eines mittleren Hundes. Der Viersener Unternehmer hat schon viele verfallene Altbauten und ihr Umfeld gesehen. Aber das: „Solche Ratten sind hier rumgelaufen“, sagt er und zeigt in den Bereich hinter der früheren Bahnhofsgaststätte. Die Schuttberge sind inzwischen abgefahren, bieten keine Heimstatt mehr für die unerwünschten Untermieter.
Wenige Meter, auf der anderen Seite der einstigen Wartesäle erster und zweiter Klasse, in der Bahnhofshalle, hellt sich der Blick des Bahnhofsinvestors deutlich auf. „Die Halle hat absolute Priorität, hier muss alles bis zum Jahresende fertig sein.“ Auf dem Boden liegen Bahnen aus Apfelsaftkartons. Sie schützen den frisch verlegten Granitboden, der noch versiegelt werden muss. Steinmetz Werner Mülders hat die Gestaltung des Bodens geplant und überwacht die Verlegung; „Wir haben hier die vorhandene Architektur beim Muster aufgenommen.“
Viersener Bahnhof
Privat Der Bahnhof bis zum Beginn des Bahnsteigtunnels steht in privatem Eigentum. Allein die Halle hat eine Grundfläche von 400 Quadratmetern. Hinzu kommt die ehemalige Bahnhofsgaststätte mit Außenbereichen und Toilettenanlage.
Toiletten Die Toiletten, eines der meist diskutierten Themen rund um den Bahnhof, sind fast fertig. Janissen-Brass sucht nun nach einem Betreiber, denn „ohne Aufsicht ist da nach einer Woche alles kaputt“.
Der Granitbelag wurde aus Blöcken auf Maß gefertigt. „Wir nutzen das gleiche Material wie die Bahn im Tunnel“, sagt Janissen-Brass. Allerdings sei der Boden in der Halle „anders bearbeitet“, deutlich hochwertiger. „5000 Menschen laufen hier am Tag durch“, sagt der Investor. Und die sollen am Ende eine Bahnhofshalle „mit Aufenthaltsqualität“ finden: „Der Viersener Bahnhof ähnelt in vielem dem Aachener Hauptbahnhof. Nur dass es da in der Halle zieht und immer kalt ist.“
Neue Türen, auch zum Bahnsteigtunnel, eine neue Lichtgestaltung und Heizstrahler werden dafür sorgen, dass der Bahnhof kein Ort mehr ist, den man so schnell wie möglich verlässt. Nachts wird die Halle abgeschlossen, „sobald der letzte Zug durch ist“. Eine Hot-Dog-Bude und ein neues Bistro im Eingangsbereich werden bald einziehen. Bäckerei und Kiosk kommen „prima miteinander aus“. „Der Bäcker versorgt nicht nur Reisende, sondern auch die Menschen in den Wohnvierteln um den Bahnhof.“
Über dem Kiosk ist momentan noch die „Landschaft aus Schwarzwald-Dächern“ zu sehen. Er sagt es zwar nicht, aber beim Betrachter bleibt kein Zweifel, dass Janissen-Brass über die Giebelansammlung in der Halle ähnlich denkt wie über die Ratten hinterm Haus: „Das kommt weg.“
250 Quadratmeter Platz sind es über dem Laden. Auch dafür hat er schon eine Idee. „Ich will diese Fläche nicht einfach ungenutzt lassen.“ Das Grammophonmuseum von Volkmar Hess könnte dort seinen Platz finden, nachdem die Unterbringung im Alten Waisenhaus in Dülken scheiterte. Janissen-Brass: „Das ist ein Trauerspiel, wie die Stadt mit diesem Highlight umgeht.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



