Viersen: Heruntergeputzt
VON VOM ORDNUNGSTÜTER - zuletzt aktualisiert: 01.02.2008Viersen (RPO). Nettetals Bürgermeister Christian Wagner war erstmals froh, dass Möhnen das Rathaus stürmten. Drinnen trieben Putzgeschwader ihr Unwesen. Die Pommerschen Regimenter des neuen Beigeordneten verirrten sich.
Lotterich Tja, wenn man Novizen ran lässt. Da kann nichts Gutes bei herauskommen. Wieder einmal scheiterte gestern die wackere Stadtverwaltung mit dem Versuch, den Sturm der Möhnen endlich einmal vor den Toren des Rathauses aufzuhalten. Aber weder der tapfere Ersteinsatz der aus Kempen sturmgestählten Technischen Beigeordneten Susanne Fritzsche noch der zur Verstärkung vorzeitig eingeflogene Erste Beigeordnete Armin Schönfelder warfen Nettetals Bürgermeister Christian Wagner eine große Hilfe. Die prahlerisch angekündigten vorpommerschen Regimenter waren schon in Stralsund umgekehrt, und die Technische Beigeordnete schwankte zwischen Strategiekonferenzen im Inneren und ihrer Schlag Mitternacht beendeten Pflichtaufgabe, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Mit dieser Aufgabe kann man derzeit in Nettetal nur scheitern.
Rathaus-Zeitung
Schlagzeile In der gestrigen Ausgabe der Rathaus-Zeitung sorgte die Schlagzeile: „Christian Wagner hat nach unguten Erfahrungen den Auftrag erteilt, nach einer Beratungsfirma für Beratungsfirmen zu suchen“, für großes Interesse.
Politik Der Rat ist irritiert. Guter Rat sei teuer, hieß es. Geld habe die Stadt nicht.
Das sah auch der Bürgermeister ein, der sich der Wahl ausgesetzt sah, entweder weiterhin auf das bundesweit bekannteste Putzgeschwader zu setzen oder sich den Möhnen zu ergeben. Im eisigen Lobbericher Wind floh er schließlich hinaus auf die närrische Plattform der Drehleiter, um die Tollitäten Manfred IV. und Ingrid I. zu begrüßen. Unten forderte das Möhnenvolk, das sich seit Mittag schon zusammengerottet hatte, lautstark den Machtwechsel.
Den Defätismus trieb im Inneren des Rathauses unterdessen Personalratsvorsitzender Roland-Peter Brüster-Schmitz (den Namen hat er sich unlängst an der Narrenakademie patentieren lassen) auf die Spitze, indem er als Putzfrau getarnt durch die Flure wischte. Der Fachbereich für Öffentliche Sicherheit und Ordnung hatte kollektiv Shirts mit der Aufschrift ZAfaS (Zentrale Anlaufstelle für allen Sch...) übergestreift, die Frauen des Bürgerservices verkündeten „Hier wird alles gestrichen“, warfen sich aber mutig den Möhnen entgegen. Es half nichts. Um 17.11 Uhr brachen alle Dämme, mit musikalischer Häme von draußen begleitet durch Jürgen Inkmann und Dechant Uli Clancett. Man sah, wie sich ein paar heimatlose Hinsbecker Narren verstohlen durch eine Seitentür ins Rathaus drückten und um Saalasyl baten.
Erleichtert hatte Christian Wagner vorher festgestellt, dass – immerhin – wirklich keine Putzfrauen das Rathaus gestürmt hatten und ihre prominenteste und resoluteste Vertreterin, Achnes Kasulke aus Kaldenkirchen, in Köln die Ätherwellen schrubbte.
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