Viersen: Himmlisches Dülken
VON HANS RHEINKÄMPER - zuletzt aktualisiert: 19.12.2008Viersen (RPO). Zum ersten Mal in 25 Jahren ist ein einzelner Ort Schwerpunktthema in der Landschaftsverbands-Zeitschrift „Denkmalpflege im Rheinland“. Landeskonservator Professor Dr. Udo Mainzer nennt Dülken „einen Schatz“.
Dülken Für Professor Dr. Udo Mainzer war diese Pressekonferenz eine dreifache Premiere. Zum ersten Mal in drei Jahrzehnten erlebe er eine solche Veranstaltung in einem Trauzimmer, sagte der Landeskonservator in Dülken. Auch könne er sich nicht erinnern, jemals einem Bürgermeister in dessen Aussagen zur Denkmalpflege so uneingeschränkt zustimmen zu können wie Günter Thönnessen.
Und schließlich sei es das erste Mal in der Geschichte der „Denkmalpflege im Rheinland“, dass eine Kommune den Schwerpunkt der Heftes bilde. Die „Denkmalpflege im Rheinland“ ist eine Zeitschrift des Landschaftsverbandes, kurz LVR. Herausgegeben wird sie vom LVR-Amt für Denkmalpflege. Mainzer ist Leiter dieses Amtes. Vier Mal im Jahr erscheint das Heft und widmet sich den Themen rund um Denkmale und deren Erhalt. Das vierte Heft des 25. Jahrgangs behandelt nun in vier seiner acht Aufsätze Dülken.
LVR
Marke Die Abkürzung „LVR“ steht für Landschaftsverband Rheinland und wird seit Oktober als so genannte „Dachmarke“ verwendet. So heißt die Orthopädie in Süchteln „LVR-Klinik Orthopädie Süchteln“.
Denkmalschutz Das Rheinische Amt für Denkmalpflege wurde im Zuge der Dachmarken-Einführung zum LVR-Amt für Denkmalpflege. Sein Sitz ist die Abtei Brauweiler bei Köln. Es ist für 100 000 Denkmale im Rheinland zuständig.
Mainzer sagte, der weitgehende Erhalt der Bauten aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg sei im Rheinland eine absolute Ausnahme: „Sie haben in Dülken einen Schatz.“ Dr. Marco Kieser vom LVR, der sich als Inventarisator darum kümmert, dass dieser Schatz dokumentiert wird, ergänzte, dass es „furchtbar wenig neuere Literatur zu Dülken“ gebe. Das Heft, das für vier Euro im Buchhandel angeboten wird, biete nur einen Einstieg. Kieser ist mit einem einführenden Text vertreten. Er lobte die Bemühungen der Stadt, durch einen Denkmalpflegeplan gemeinsam mit den Bürgern für den Erhalt des Ortsbildes zu arbeiten. Solche Pläne gebe es bislang nur in drei Städten im Rheinland. Dr.-Ing. Stephan Strauß vom Krefelder Büro „Historische Bauwerke“ aus Krefeld stellt diesen Denkmalpflegeplan vor. Von René Franken stammt der Aufsatz über die Pfarrkirche St. Cornelius. Siglind Schmirl schließlich widmet sich dem Leben und Werk des Dülkener Architekten Albert Rangette (1873 – 1954).
Viersens Baudezernent Gerd Zenses, der von „Rothenburg an der Nette“ sprach, erinnerte daran, dass die „Offensive für den Ortsteil Dülken“ schon seit einiger Zeit im Gange sei. Der Denkmalpflegeplan sei Teil des Gesamtkonzepts. Mit einer neuartigen Eigentümer-Standort-Gemeinschaft wolle die Stadt sich mit Dülken sogar an einem bundesweiten Pilotprojekt beteiligen. Mainzer verwies auf die zwölf Türme der historischen Dülkener Stadtbefestigung.
Diese Zahl sei aus militärischen Gründen gewiss nicht erforderlich gewesen. Vielmehr solle sie an die zwölf Türme des himmlischen Jerusalem der Apokalypse erinnern. An solchen Vorbildern wie dem der Stadt aus Gold und Edelsteinen habe sich die einstige Stadtplanung in Dülken orientiert.
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