Viersen: Höher, schneller, weiter
VON PAUL OFFERMANNS - zuletzt aktualisiert: 29.07.2008Viersen (RPO). Jede Woche lädt der TV Lobberich zum Training für die Abnahme des Deutschen Sportabzeichens ein. Manche kommen regelmäßig, andere sind zum ersten Mal dabei. Die meisten wollen sich selbst etwas beweisen.
Lobberich Kurt Müller kommt ins Lobbericher Stadion. „Ich will jetzt das Sportabzeichen zum 35. Male hintereinander erfüllen“, sagt der 82-Jährige. „Für mich ist es eine Genugtuung, es jedes Jahr zu schaffen.“ Voraussetzung dafür ist, „dass ich gesund bleibe“. Jeden Morgen macht er zehn bis 15 Minuten Gym-nastik mit Dehn- und Streckübungen. „Vor und während des Krieges war ich ein guter Sportler. Ich habe unter dem Deutschen Meister Hans Raff beim VfL Oberhausen, heute Rot-Weiß, trainiert.“
Im Krieg hat er sich eine schwere Granatsplitterverletzung in der linken Hüfte mit Gelenkbeteiligung zugezogen. „Das Sportabzeichen schaffe ich wieder“, ist er von seiner Fitness überzeugt. Erster Beweis: Er springt aus dem Stand in die Sandgrube. „1,71 Meter weit“, sagt die Sportabzeichenabnehmerin Maja Funken. „1,40 Meter brauche ich nur, aber ich springe noch einmal“, meint Müller. Es bleibt bei 1,71 Meter. Sieben Meter stößt er mit der Drei-Kilogramm-Kugel. „6,50 Meter muss ich nur“, sagt Müller. Ein triumphierendes Lächeln liegt in seinem Gesicht.
Training fürs Abzeichen
Termine Auch während der Sommerferien wird beim TV Lobberich im Stadion auf der Stadionstraße jeden Donnerstag ab 18.30 Uhr für das Sportabzeichen trainiert.
Kontakt Wenn jemand zu diesem Zeitpunkt nicht kann, soll er sich telefonisch bei Maja Funken unter 02153 13628 melden: „Wir machen dann auch einen Sondertermin.“
Zwischenstand Bisher erfüllten in diesem Jahr fünf Sportler beim Sportabzeichtentreff des TV Lobberich die Bedingungen fürs Sportabzeichen.
Jung trifft Alt
Beim Laufen ergibt sich ein Kontrastprogramm. Kurt Müller flitzt die 50 Meter in 10,6 Sekunden. Vor ihm kommt der elfjährige Matthias Wienen nach 9,1 Sekunden über die Ziellinie. „Jetzt muss ich nur noch Schwimmen und Radfahren“, meint der Senior. Matthias Wienen freut sich derweil: „Ich habe alle Disziplinen für das Sportabzeichen zusammen.“ Der Junge musste die Bedingungen für Zwölfjährige erfüllen, erst im Dezember hat er Geburtstag.
Der Kaldenkirchener ist mit seiner Mutter nach Lobberich zur Abnahme gekommen. „Matthias hat Asthma. Für ihn ist es eine Selbstbestätigung“, erzählt sie. Die Abnehmer für das Sportabzeichen, Maja Funken und Hans Mönicks sowie ihre Assistentin „Kadi“ Karadjian, haben alle Hände voll zu tun. Sie messen und stoppen, tragen die geschafften Werte ihrer Kandidaten in Karten ein und beraten neue Absolventen. Den Sprint startet man nicht aus dem Startblock, sondern aus der Hocke heraus. „Die meisten kommen damit nicht klar“, sagt Maja Funken.
Johannes Hessen (44) macht zum ersten Mal in seinem Leben das Sportabzeichen: „Nach 30 Jahren mache ich überhaupt wieder Sport. Mal sehen, wie fit ich bin.“ Die Abiturientin Katharina Büschgens (19) ist ebenfalls Debütantin: „Für die Ausbildung bei der Polizei ist das Voraussetzung für die Bewerbung“, erklärt sie. Bis vor einem Jahr schwamm sie bei der DLRG-Ortsgruppe Dülken. Die Anforderungen im Schwimmen hat sie schon erfüllt: 200 Meter in 3:50 Minuten. Die 100 Meter Schwimmen in 1:29 ersetzen bei ihr zudem das Kugelstoßen. Jetzt geht es an die leichtathletischen Disziplinen. Nicola Hüller (42) ist Trainerin bei den Handballern des TV Lobberich. Seit drei Jahren müssen ihre Mädchen die Übungen fürs Sportabzeichen machen. Sie hat es schon fünfmal erworben: „Ich schaffe das, ist kein Problem. Ich trainiere regelmäßig“, sagt sie selbstbewusst. Andere müssen trainieren, bis sie es schaffen.
Zum vierten Mal beim Üben
Wie der 20-jährige Hendrik Dückers. Er ist schon zum vierten Male beim Übungsabend des TV Lobberich dabei. Bisher schaffte er die 3000 Meter in 12:58 Minuten sowie den Weitsprung mit 4,61 Metern. Drei Disziplinen fehlen ihm damit noch.
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