1959: Hortensien zur Konfirmation
VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 09.07.20091959 (RPO). Klaus Hantel war 15, als er konfirmiert wurde – und sich zum ersten Mal als Erwachsener fühlte. "Damals wurde man mit 21 Jahren volljährig", sagt der Hinsbecker. Am Tag seiner Konfirmation durfte er aber sein erstes Dunkelbier trinken. "Das fand ich wunderbar."
Dabei war wenige Jahre zuvor gar nicht klar, ob Hantel das Jahr 1959 überhaupt erleben würde. Wegen einer Knochen-Tuberkulose lag er sechs Jahre im Krankenhaus in Süchteln. Wegen einer Lungen-Tuberkulose wurde er in Freiburg operiert. Die Ärzte entfernten ihm den rechten Lungenflügel. "Hätten sie das nicht getan, hätte ich mit neun Jahren wohl nur noch fünf Jahre zu leben gehabt."
Doch er biss sich durch. In der Grundschule musste er aufgrund seiner zahlreichen Fehlstunden die vierte Klasse wiederholen. "Das war eine große Erleichterung, weil ich merkte, dass ich mit den anderen in Lesen, Rechnen und Schreiben, Singen und Beten nicht mithalten konnte."
Seinen Konfirmationsunterricht bekam er noch in Lobberich an der Elisabethstraße, die Konfirmation am 22. März feierte er als einer der Ersten in der damals neuen Kirche an der Steegerstraße. "Zwei Wochen zuvor mussten wir eine Prüfung über die zehn Gebote sowie die Bibel bestehen", sagt er.
Rund um seine Konfirmation durch Pastor Schmidt, der ihm den Spruch "Einer ist euer Meister, Christus" aus dem Matthäus-Evangelium mit auf den Weg gab, fühlte er sich pudelwohl. "Die gesamte Feier mit den Gottesdiensten und dem Besuch vieler Verwandter war etwas Besonderes", sagt er. Zwei Tage vor der Feier kamen seine Tanten aus Duisburg und bekochten die Familie. "Es gab reichlich Fleisch und Gemüse, wir haben richtig zugeschlagen." Nur die Hortensien, die es von den Nachbarn als Geschenk gab und mit denen die gesamte Wohnung voll stand, hätte er lieber eingetauscht. "Ganz ehrlich: Über Süßigkeiten hätte ich mich damals mehr gefreut als über Blumen."
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