Serie: Spaß mit Sport - selbst ausprobiert: Im Galopp durchs Gelände
VON DOMINIQUE SCHOLLER - zuletzt aktualisiert: 06.08.2010 - 11:42Serie: Spaß mit Sport - selbst ausprobiert (RPO). Ingrid Corsten bildet auf ihrer Anlage in Alst Freizeitreiter und -pferde aus. Ob im Westernstil oder der traditionellen englischen Reitweise – das Wohl des Tieres steht an erster Stelle.
"Cora" hat es eilig. Die schwarze Stute zieht am Zügel und möchte gerne einen Schritt schneller wieder Richtung Stall. Ich habe beide Hände voll damit zu tun, sie zu zügeln. Ungeduldig kaut Cora auf dem dünnen Gebiss der Westerntrense herum. Schaum hat ihre Maulwinkel inzwischen weiß gefärbt. Der kurze, kräftige Hals des Pferdes mit der dichten Mähne wippt vor mir auf und ab.
"Cora gut am Zügel halten. Es ist wichtig, dass die Pferde in ruhigem Tempo zurück zum Stall gehen und nicht einfach losstürmen", sagt Reitlehrerin Ingrid Corsten neben mir. Sie sitzt auf ihrem Wallach "Don Carlos" und behält mich genau im Auge. Die Hufe der Pferde klappern im gleichmäßigen Viertakt über den glatten Asphalt. "Die Westernreiter greifen eigentlich von oben in die Zügel, nehmen nur den Zeigefinger dazwischen und halten sie in einer Hand", korrigiert mich Corsten. Beherzt greife ich die Zügel mit der Linken und lasse die Rechte lässig baumeln.
Unterricht
Reiten Für die Ausbildung von kleinen und großen Reitern stehen 21 Pferde und Ponys zur Verfügung. Von den sieben Shettlandponys über fünf mittelgroße Reitponys bis zu den drei Warmblütern stehen ganz verschiedene Typen von Vierbeinern im Stall.
Fahren Die beiden schweren polnischen Warmblüter und die zwei Kaltblüter gehen nicht nur unter dem Sattel, sondern auch vor der Kutsche. Ingrid Corsten bietet nicht nur Ausfahrten, sondern auch Fahrunterricht an.
Auskünfte unter reitunfahrstall-corsten.de oder Tel. 02157 7505.
Das Pferd als Partner
"Das Westernreiten ist eine Gebrauchsreitweise. Die Cowboys brauchen sie für ihre Arbeit, die Zweckmäßigkeit steht daher im Vordergrund. Es muss alles so bequem wie möglich sein", erklärt Corsten. Die 46-Jährige bildet seit 20 Jahren Reiter und Pferde für den Freizeitbereich aus. Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht: Gemeinsam mit ihrem Mann bewirtschaftet sie die eigene Anlage mit 28 Pferden und bringt Kindern und Erwachsenen den richtigen Umgang mit dem vierbeinigen Partner Pferd bei. "Ganz gleich, ob jemand den Westernstil bevorzugt oder eine andere Reitweise, wichtig ist, dass er das Pferd im Maul nicht stört und ihm nicht in den Rücken plumpst."
Bequem sitze ich in dem ausladenden Westernsattel. Das Leder knarzt bei jedem Schritt von Cora und verströmt einen würzigen Geruch. Mit meinem Körper versuche ich, mich der Bewegung des Pferdes anzupassen, ohne zu verkrampfen. Locker hängen meine Beine in den breiten ledernen Steigbügelschlaufen. Meine Muskeln arbeiten jedoch ständig mit. Nur tragen lassen kann ich mich nicht: Mein Gleichgewichtssinn wird herausgefordert, als Cora auf einem Stoppelfeld in einen flotten Trab fällt. Mit gespitzten Ohren drängt Cora nach vorne und lässt den kleineren Don Carlos hinter sich.
"Reiten bewegt den ganzen Körper. Auch wenn es leicht aussieht, steckt viel Arbeit dahinter", sagt Corsten, als sie wieder zu mir aufgeschlossen hat. "Doch mit Passion zum Pferd, Geduld und Ausdauer kann es jeder lernen." Die Reitlehrerin achtet bei ihren Schülern sehr auf Sicherheit. Das fängt mit der richtigen Ausrüstung an. "Bei Anfängern reicht eine einfache Jeans, wichtiger sind feste Schuhe, Handschuhe und der splittersichere Helm." Den trägt Corsten selbst beim Ausritt durchs Gelände – auch wenn ein breitkrempiger Westernhut weitaus lässiger wirkt. Den hatte die Stallchefin noch auf dem Kopf, als sie Cora den Sattel auf den glänzend geputzten Rücken gelegt hat. Unwillig hat die Stute zunächst die Ohren angelegt. Noch zorniger wurde ihr Gesichtsausdruck, als Corsten den ledernen Bauchgurt mit einem Krawattenknoten festzog. "Das mag sie nicht so gerne." Für das Trensengebiss öffnete die Stute kurz darauf freiwillig das Maul und ließ sich das Metallstück ins Maul schieben. um in nächsten Moment darauf herumzukauen.
Damit vor allem Anfänger sich nicht am Zügel festhalten, versucht Corsten, sie für die Rolle des Pferdes zu sensibilisieren. "Sie sollen sich vorstellen, sie wären das Pferd und ich ziehe an dem Metallstück in ihrem Mund." Für Trockenübungen an Sattel und Zügel steht "Troja" mitten auf dem Hof. "Das liebste Pferd im Stall", sagt seine Besitzerin und tätschelt dem Holzbock das hohle Hinterteil. Troja bleibt wie immer regungslos stehen.
Ganz im Gegensatz zu Cora: Die zwölfjährige Stute strotzt vor Energie und kann es kaum erwarten, im Galopp Gas zu geben. Als es endlich soweit ist, fällt sie mit einem kleinen Buckler bereitwillig in einen bequemen Dreitakt. Sie hat inzwischen gemerkt, dass wir nach der kleinen Schleife auf dem Heimweg sind und hat es eilig.
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