Viersen: Inklusion nicht zu kurz denken
VON NATASCHA BECKER - zuletzt aktualisiert: 23.02.2012Viersen (RP). Gemeinsamer Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern ist für die Erich-Kästner-Grundschule in Boisheim nichts Neues. Seit fünf Jahren kooperiert die Schule mit der Gereonschule, der Förderschule des Kreises Viersen.
"Dass unsere Räume damals zu klein wurden und im Gegenzug Räume in der Grundschule in Boisheim zur Verfügung standen, ist für beide Schulen eine Win-Win-Situation geworden", sagt Ingetraut Schmidt-Trost, Leiterin der Gereonschule. Birgit Stieger-Becker, Leiterin der Erich-Kästner-Grundschule, stimmt dem zu. Im nun fünften Jahr hat die Förderschule des Kreises Viersen mit dem Förderschwerpunkt Sprache eine Nebenstelle mit vier Klassen in der Boisheimer Grundschule.
Räumliche Gründe
Was damals aus räumlichen Gründen zusammengelegt wurde, entwickelte sich zu einer immer engeren Kooperation, deren derzeitiges Ergebnis der gemeinsame Unterricht mit Beginn des Schuljahres 2011/12 ist. "Wir haben von Anfang an auf verschiedenen Ebenen kooperiert", erinnert sich Stieger-Becker. Es fing mit gemeinsamen Einschulungsfeiern an. Es folgten Feiern zu St. Martin, Sportfeste, Weihnachtsfeiern und Projektwochen, bei denen die Kinder klassen- und schulübergreifend an den Projekten arbeiteten. Es kam zu ersten Austauschen im Unterricht, bei denen etwa sprachlich schwächere Schüler der Grundschule durch die Gereonschule Unterstützung erfuhren, aber auch mathematisch begabte Schüler der Gereonschule den Matheunterricht der Grundschule besuchten. "Bei uns steht dabei immer das Wohl des Kindes im Vordergrund. Es soll die Förderung erhalten, die es benötigt", betont Schmidt-Trost.
Die Schulen
Die Erich-Kästner-Grundschule arbeitet jahrgangsübergreifend. 80 Grundschüler, betreut von fünf Lehrerinnen, einer Sonderpädagogin und zwei Lehramtsanwärterinnen, besuchen sie.
Die Gereonschule mit Hauptsitz an der Gereonstraße in Viersen betreibt in Boisheim und Anrath je eine Nebenstelle. Insgesamt 30 Lehrer arbeiten in der Förderschule, die von 253 Kindern besucht wird. Neun Lehrerinnen betreuen in Boisheim 43 Kinder der Gereonschule.
Das Ganze fand mit Beginn des Schuljahres 2011/12 einen hochoffiziellen Rahmen: An der Grundschule startete der gemeinsame Unterricht. Neun Kinder – drei mit Sprachbehinderung, eins mit einer verzögerten emotional-sozialen Entwicklung und fünf mit einer Lernbehinderung – nehmen seit dem vergangenen Jahr am Regelunterricht der Grundschule teil. Entsprechend ihres sonderpädagogischen Förderbedarfes werden sie von Lehrern der Gereonschule unterstützt. Dies erfolgt in Doppelbesetzung im Unterricht, in Kleingruppen oder Einzelförderung.
"Uns ist es wichtig, die Kinder beider Schulen optimal zu fördern. Dabei arbeiten alle im Kollegium eng zusammen. Wir vereinen die Fachlichkeit beider Schulen", sagt Stieger-Becker. So gibt es jeden Montagmittag eine gemeinsame Arbeitszeit von den Lehrerinnen beider Schulformen, bei der sie sich austauschen und weitere Vorgehensweisen besprechen. Zudem schalteten die Schulen mit dem aktuellen Schuljahr die Stundenpläne in den Hauptfächern parallel. So ist es für ein Kind einfacher möglich zu wechseln, wenn entsprechender Förderbedarf erkennbar ist.
"Inklusion bedeutet nicht einfach, dass ein Kind mit Förderbedarf im Regelunterricht sitzt, sondern dass es dabei auch die Förderung erhält, die es benötigt. Inklusion darf nicht zu kurz gedacht werden", betont Schmidt-Trost.
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