Viersen: Integration durch Sport
VON ANDREAS REINERS - zuletzt aktualisiert: 05.01.2008Viersen (RPO). Eine Arbeitsgruppe der Viersener SPD hat sich Gedanken gemacht, wie Kinder und Jugendliche aus Ausländerfamilien besser integriert werden können. Die SPD hofft auf die Mitarbeit der Sportvereine.
„Der Sport hat eine enorme Integrationskraft.“ Da sind sich die Viersener Sozialdemokraten sicher. Eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der Stadtratsfraktion hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit der Frage befasst, wie Kinder und Jugendliche aus Ausländerfamilien besser in die Gesellschaft integriert werden können. Die SPD-Politiker haben festgestellt, dass grundsätzlich der Organisationsgrad der Viersener Bevölkerung in Sportvereinen viel zu gering ist. „Städte vergleichbarer Größenordnung sind da viel weiter“, sagen Jörg Dickmanns und Michael Lambertz im RP-Gespräch. Die SPD-Arbeitsgruppe hat statistische Daten aus den vergangenen Jahren gesichtet und ermittelt, dass die Stadt Viersen im Vergleich zu zehn gleich großen Kommunen in Nordrhein-Westfalen „deutlich an letzter Stelle“ liegt.
Im Sportverein
Die SPD-Arbeitsgruppe hat anhand von Daten aus dem Jahr 2004 festgestellt, dass nur 20,7 Prozent der Viersener in einem Sportverein sind. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 28,6 Prozent. Bezogen auf die Mädchen und Frauen sind die Viersenerinnen deutlich weniger im Verein sportlich aktiv als der Bundesdurchschnitt.
Denkanstöße geben
Dies sei umso erstaunlicher, als „die Voraussetzungen für ein zufriedenstellendes Vereinssportangebot in unserer Stadt gegeben“ seien. Es gibt genug Sportstätten (Plätze und Hallen), insgesamt 57 Vereine, die ein breites Spektrum an populären Sportdisziplinen anbieten und einen erfolgreich arbeitenden Stadtsportverband. „Die Vereine leisten unbestritten hervorragende Arbeit“, so Dickmanns und Lambertz. Kritisieren wollen sie die Vereine nicht. „Wir wollen nur Denkanstöße geben, wie die Arbeit noch verbessert werden kann.“
Denn angesichts des demografischen Wandels verlieren die Vereine auf Dauer an Mitgliedern. Schon heute könnten auch die großen Vereine nicht mehr in allen Bereichen Mannschaften anbieten. So habe der 1. FC Viersen beispielsweise keine Frauenfußball-Mannschaft, haben die SPD-Politiker bei ihrer Analyse festgestellt.
Vor allem Mädchen und junge Frauen sind viel weniger in Sportvereinen organisiert. Der Anteil von Mädchen aus Migrantenfamilien sei besonders niedrig. Hier müssten die Viersener Vereine ihre Mannschaftssportangebote deutlich erhöhen, meint die SPD-Arbeitsgruppe.
Die Politiker wissen, dass sie den Vereinen nicht ihre Konzeptionen vorschreiben können. Doch sie möchten die Verantwortlichen in den Vereinen und im Stadtsportverband für die Problematik sensibilisieren. „Wenn wir es schaffen, dass mehr Kinder und Jugendliche, insbesondere Mädchen, aus Migrantenfamilien in die Vereine gehen und dort Sport treiben, dann haben wir viel erreicht“, so Dickmanns und Lambertz. Davon würden alle Seiten profitieren.
Die SPD will in den nächsten Monaten unter dem Motto „Die integrative Kraft des Sports“ den Dialog zwischen den Sportvereinen und den Migranten-Organisationen ankurbeln. Den Sozialdemokraten ist klar, dass eine Verbesserung nicht von heute auf morgen zu erreichen ist. Vor allem türkisch-stämmige Familien dürften nicht leicht davon zu überzeugen sein, dass auch Mädchen im Sportverein gut aufgehoben sind. KOMMENTAR
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