Viersen: ISGs sind das Sahnehäubchen
VON MANFRED MEIS - zuletzt aktualisiert: 17.10.2008Viersen (RPO). Für die Entwicklung der Lobbericher Innenstadt soll ein neues Gesetz angewendet werden, das auf viel Privatinitiative setzt. Bei einem Informationsabend des Werberinges gab es kaum Fragen.
LOBBERICH Zwar hatte Norbert Backes keine Glocke parat, als er verkündete: „Die Zukunft Lobberichs ist eingeläutet!“ Er darf aber davon ausgehen, dass alle „die Zukunft Lobberichs in Nettetal“ sichern wollen. Denn es gab keinen Widerspruch dazu, künftig die Innenstadt mithilfe von Immobilien-Standort-Gemeinschaften (ISG) nachhaltig zu verbessern, obwohl es dabei auch um das Geld aus der Privatschatulle geht. Spontan bekundeten 21 Immobilienbesitzer ihr Interesse an weiterer Mitarbeit.
Die Idee, auch den Grundstückseigentümer an der Gestaltung seines Stadtquartiers zu beteiligen, stammt aus den USA, erläuterte IHK-Geschäftsführer Dr. Leif-Erik Wollenweber. Sie ist vor allem in Deutschlands Norden bisher auf sehr fruchtbaren Boden gefallen. Dies legte er am Beispiel des Neuen Walls in Hamburg dar (ähnlich der Kö in Düsseldorf). Er zeigte Funktionen von ISGs auf, die Baustellen managen, Marketing organisieren, auf Sauberkeit und Sicherheit achten und somit „das Sahnehäubchen sind, das die Stadt besonders attraktiv macht“. Aus der Sicht des Einzelhandels- und Dienstleistungsverbandes Krefeld-Kempen-Viersen bestätigte dies dessen Geschäftsführer Joel Smolibowski: „ISGs sind überlebenswichtig für den Einzelhandel in kleinen Städten gegenüber den Filialisten.“
ISGs realisieren
Quartiere In Kleingruppen sollen sich Grundstückseigentümer und Mieter treffen für: alter Markt/untere Markstraße, Hochstraße, Von-Bocholtz-Straße, Breyeller Straße.
Organisation Das Gesetz lässt große Freiheiten. Bei Vereinen können auch Mieter Mitglied werden und Beiträge zahlen.
Information Einzelheiten über ISGs hält die IHK im Internet (www.krefeld.ihk.de) bereit unter der Nr. 489 bei der Dokumentensuche (Startseite oben rechts).
Was in Lobberich nach dem Weggang von VW-Hölter und der Umsiedlung der Longlife-Färberei im Süden der Innenstadt geschehen soll, erläuterte die Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche. Mit dem SB-Warenhaus Kaufland und verschiedenen Fachmärkten (Unterhaltungselektronik, Schuhe, Drogerie) entstünden Geschäfte, „die die Kunden in die Innenstadt saugen“. Das erwartet auch Bürgermeister Christian Wagner, der sich über das außerordentlich große Interesse (180 Besucher) freute: „Sie wollen Verantwortung zum Wohl der Gemeinschaft übernehmen.“ Er wertete dies als „Aufbruchsignal, mit privatem Engagement dem Anteil der Stadt noch etwas hinzuzufügen“, und appellierte im Sinne des gleichzeitig laufenden Fußballländerspiels: „Treiben Sie den Ball, der ins Spielfeld geworfen wurde, weiter nach vorne“. Mit günstigen Krediten will dabei die Volksbank Nettetal-Brüggen helfen, wie Vorstand Horst Brunen versicherte.
Dass „aus vorsichtigem Interesse die Lust am Mitmachen und die Begeisterung für das neue Lobberich“ erwachse, hoffte Christian Weisbrich. Der Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVV) sieht eine „historische Chance für Lobberich, die Herzrhythmusstörungen der Innenstadt durch hochwertigen Einzelhandel, Gastronomie und Wohnen“ zu beheben. Als Initialzündung betrachtet er die Umgestaltung des alten Marktes zu einer „gemütlichen Feierlokalität“, bei der sich auch der VVV finanziell in die Pflicht nimmt.
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