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Schwalmtal: Kampf um die Brennpunkte

VON BIRGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 03.12.2008

Schwalmtal (RPO). In manchen Ecken von Schwalmtal fühlen sich Anwohner häufig durch jugendliche Cliquen gestört. Während mit dem Bauwagen im Nottbäumchen die Lage entschärft wurde, sucht die Gemeinde nach weiteren Lösungen.

In der kalten Jahreszeit bietet der Bauwagen keinen gemütlichen Aufenthalt. Sonst aber hat er sich als Treffpunkt für die Jugendlichen bewährt. Laut Streetworker haben Nachbarn sich noch nicht beschwert.  Foto: RPO
In der kalten Jahreszeit bietet der Bauwagen keinen gemütlichen Aufenthalt. Sonst aber hat er sich als Treffpunkt für die Jugendlichen bewährt. Laut Streetworker haben Nachbarn sich noch nicht beschwert. Foto: RPO

Lange hatte das Wohngebiet Nottbäumchen in Waldniel als Brennpunkt gegolten, nun ist Ruhe eingekehrt. Das Langzeit-Projekt „Bauwagen“, mit dem der Jugend- und Sozialausschuss der Gemeinde Schwalmtal die Lage zu entschärfen suchte, ist geglückt. Das berichtete Streetworker Joachim Hambücher nun in der 18. Sitzung im Waldnieler Rathaus: „All unsere Befürchtungen, dass die Jugendlichen die Regeln nicht einhalten würden, haben sich nicht bewahrheitet“, sagte Hambücher. Kurz vor den Herbstferien war der Bauwagen im Nottbäumchen aufgestellt und in den Ferien lila gestrichen worden. Ein Jugendlicher hatte ein – erlaubtes – Graffito auf den Wagen gesprüht, an warmen Tagen hielten sich bis zu 15 Jugendliche dort auf. Zwei Jugendlichen sei die „Schlüsselgewalt“ übergeben worden, berichtete Hambücher.

Info

Streetwork

Umfragen unter Kinder und Jugendlichen für die Sozialraumanalyse ergaben, dass die meisten als Treffpunkt mit Freunden den „öffentlichen Raum“ angeben.

Dieser Zielgruppe soll die mobile Jugendarbeit (Streetwork) Angebote zur Freizeitgestaltung machen, Gruppenarbeit und Hilfe in Einzelfällen anbieten. Solche sozialpädagogischen Angebote sollen vor allem die Jugendlichen erreichen, die keine Einrichtungen wie Jugendheime mehr aufsuchen.

Anfänglich habe das zu Problemen geführt, „weil ihnen wohl nicht ganz klar war, dass dazu auch Verantwortung gehört: also aufpassen, dass im Wagen kein Alkohol getrunken und nicht geraucht wird und dass der Wagen aufgeräumt ist“, so Hambücher. Mittlerweile habe sich das aber eingespielt. Größter Erfolg des Projekts: Von den Anwohnern, die im Vorfeld zum Teil massiv gegen den Bauwagen-Plan gewettert hatten, gab es bislang keinerlei Beschwerden. „Abends ist am Bauwagen wie vereinbart um 22 Uhr Schluss, die Jugendlichen halten sich an die Abmachung“, sagte Hambücher. Der Bauwagen als Treffpunkt habe damit „zu einer erheblichen Entspannung im Nottbäumchen“ beigetragen. Nun soll eine Beleuchtung folgen, da der Wagen derzeit wegen Dunkelheit und Kälte von den Jugendlichen nicht aufgesucht wird.

Mit ähnlichen Projekten muss sich die Gemeinde in Zukunft wohl erneut auseinandersetzen. Denn wie die Sozialraumanalyse des Kreises ergab, gibt es in Schwalmtal einen vergleichsweise hohen Anteil von Familien und Alleinerziehenden mit drei oder mehr Kindern und damit viele Jugendliche, die ihre Freizeit nicht zu gestalten wissen. Zudem ist im Bereich der Jugendkriminalität der Anteil der gemeldeten Straftaten um 30 Prozent gestiegen, weil die Zahl der „Intensivtäter“, aber auch die Anzeige-Bereitschaft der Leute gestiegen ist. In beiden Fällen könne die offene Kinder- und Jugendarbeit die Problematik entschärfen, sagte Rainer Müller, der als Jugendpfleger des Kreises Viersen die Analyseergebnisse vorstellte. Er schlug vor, einige Angebote aus Jugendeinrichtungen auszulagern und an die „Brennpunkte“ zu bringen. Das evangelische Jugendheim Effa etwa soll mit einer halben Stelle mehr (bislang 1,5 Stellen) besetzt werden, dadurch könnten Angebote ins Nottbäumchen verlagert werden. Die Fraktionen wollen bis Jahresbeginn überlegen, welche Konsequenzen sie aus der Analyse ziehen müssen.

Quelle: RP

 
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