Viersen: Kein Platz für Migrantenkinder
VON JOACHIM NIESSEN - zuletzt aktualisiert: 05.12.2007Viersen (RPO). Schlechte Bildungschancen für ausländischen Nachwuchs; Klassen, die angeblich nach Deutschen und Ausländern geteilt werden; unzureichende finanzielle Unterstützung: Der Viersener Ausländerbeirat hat Probleme.
Es sind existenzielle Themen, mit denen sich der Viersener Ausländerbeirat derzeit beschäftigt. Noch die geringste Sorge: Dem Gremium geht das Geld aus. 5000 Euro stellt die Stadt Viersen jährlich zur Verfügung. Das reicht für dessen (soziale) Arbeit nicht. Eine Konsequenz: Der Beirat hat für sein Büro an der Gladbacher Straße Telefon und Internet gekündigt: „Wir sparen dadurch jährlich rund 600 Euro. Die Summe brauchten wir für eine Kindergruppe“, beschreibt Vorsitzender Onur Sahinbas die Situation.
Telefon abgemeldet
Dabei könnte das Telefon im Büro in den kommenden Monaten dringend benötigt werden. „Derzeit planen wir, eine Hausaufgaben- und Schülerhilfe für Migrantenkinder einzurichten“, so Sahinbas. Das Ziel dieses Pilotprojekts: Rund ein Dutzend Grundschul-Mädchen und -Jungen aus sozial schwachen Familien sollen täglich einige Stunden betreut werden. „Bildung, Bildung, Bildung ist für deutsche aber auch für ausländische Kinder wichtig“, ergänzt Sahinbas. „Ich sehe, das es hier für die Migrantenkinder nicht optimal läuft. Deshalb wollen wir was tun.“
Der Ausländerbeirat
Sprechstunden Der Ausländerbeirat ist in der Gladbacher Straße 7, 41747 Viersen zu erreichen. Die Sprechstunden sind immer mittwochs, von 16 bis 18 Uhr, außer in den Schulferien.
Jahresetat Der Ausländerbeirat hat eine Erhöhung seines Jahresetats von 5000 auf 10 000 Euro beantragt.
1600 Euro für sechs Monate lässt sich der Beirat diese Maßnahme kosten. Parallel haben sich Vertreter des Ausländerbeirats mit Grundschullehrern getroffen, um Tipps zu bekommen. Pikant: Räume für die Hausaufgabenhilfe wollte keine der gefragten Schulen nachmittags zur Verfügung stellen. Es sei alles belegt, hieß es lapidar. Deshalb ist geplant, die Betreuung jetzt im Büro des Ausländerbeirats durchzuführen.
Für das Gremium ist wichtig, auf diesem Weg den Qualitätsstandard der Kinder zu erhöhen. „Zweidrittel der Migrantenkinder gehen nach der vierten Klasse auf die Hauptschule. Damit wird das Integrationsziel nicht erreicht“, sagt der Vorsitzende. Nach Meinung eines Beiratsmitglieds haben Ausländerkinder an manchen Grundschulen schon von Beginn an nur reduzierte Chancen, jemals eine Realschule oder ein Gymnasium zu besuchen. So soll es nach Auskunft des Beirats an der Grundschule Hamm eine fast rein deutsche Klasse und eine zweite mit hauptsächlich Ausländerkindern und einem Behinderten geben. Das bestritt Rektor Heinz Fabian gestern auf RP-Anfrage energisch: „Bei uns sind alle Klassen mit deutschen und ausländischen Kindern gemischt. In der 2 gibt es eine Klasse mit 16 Schülern, von denen acht deutscher und acht ausländischer Herkunft sind. Behinderte haben wir dort nicht.“
Fassungslos über die Situation beim Ausländerbeirat zeigte sich gestern CDU-Ratsherr Fritz Meies: „Es ist unmöglich, dass der Beirat kein Telefon mehr besitzt. Hier muss sofort für Abhilfe gesorgt werden. Außerdem kann es nicht sein, dass sich die Kinder zur Hausaufgabenhilfe in einem Büroraum treffen. Ich garantiere, dass dies nicht der Fall sein wird, darum werde ich mich kümmern.“ KOMMENTAR
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



