Viersen: Keine Kippe im Karneval: Brief nach Düsseldorf
VON ANDREAS REINERS - zuletzt aktualisiert: 11.02.2012Viersen (RP). DÜLKEN/BOISHEIM Karnevalisten in Dülken und Boisheim sind auf der Palme. Sie sprechen von "Bevormundung" und "Entmündigung". Was Ingeborg Gartz, Gisela Strafer und Marco Dillikrath so aufregt, sind die Pläne der nordrhein-westfälischen Landesregierung, ein absolutes Rauchverbot in Gaststätten und bei öffentlichen Veranstaltungen – auch im Karneval – durchzusetzen. "Es reicht!" schreiben die drei Karnevalisten in einem offenen Brief an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffen und die drei Kreis Viersener Landtagsabgeordneten Christian Weisbrich, Dr. Stefan Berger (beide CDU) und Dietmar Brockes (FDP). Die grüne Landtagsabgeordnete Martina Maaßen aus Dülken hat das Dülken-Boisheimer Trio nicht angeschrieben.
Das Maß ist voll
Worum es den drei Karnevalisten geht, hat die Rheinische Post in den vergangenen Tagen bereits berichtet: absolutes Rauchverbot bei Karnevalsveranstaltungen im Saal oder im Festzelt. Für Ingeborg Gartz, Präsidentin der Föderation Europäischer Narren, Gisela Strafer, Mitbegründerin der Kinderkarnevalsgesellschaft "Dölker Crazy Kids", und Marco Dillikrath, Präsent der Boisheimer Karnevalsgesellschaft "Ki-Ka-Kaia", ist das Maß der Bevormundung voll. Das bestehende System mit Nichtraucher- und Raucher-Gaststätten reiche völlig aus. Die Gastronomie sei dem Nichtraucherschutz gerecht geworden, in dem sie große Nichtraucherbereiche und mit hohen Investitionen Raucherbereiche eingerichtet habe. Für Ingeborg Gartz, Marco Dillikrath und Gisela Strafer "hervorragende Lösungen für die freie Entscheidung eines jeden Bürgers".
Bezogen auf Brauchtumsveranstaltungen sei Karneval ohne Nikotin ein "No Go". Künstler spielten vor halbleeren Sälen und bangten um ihre Existenz. Außerdem erkrankten viele Menschen, weil sie als rauchende Karnevalsfreunde mit der Zigarette in lausiger Kälte vor der Türe des Saales oder Zeltes stehen müssten. Massiv ist die Kritik an der rot-grünen Politik. Von "Diktatur" und "Gourvernantentum" ist die Rede. Die drei Briefschreiber haben das Gefühl, dass die aktuelle Diskussion ums absolute Rauchverbot von den wirklichen Problemen der Politik ablenken soll.
Unterstützung haben Ingeborg Gartz, Marco Dillikrath und Gisela Strafer bereits vom CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Stefan Berger erhalten. Der Schwalmtaler vertritt ebenfalls die Ansicht, dass das bestehende Nichtraucherschutzgesetz ausreichende Regelungen enthalte wie das Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen, Schulen oder anderen Bildungseinrichtungen. Man müsse sehr aufpassen, dass durch ein vollständiges Verbot nicht zahlreiche Existenzen von Wirten auch im Kreis Viersen gefährdet werden. "Das Vorhaben von NRW-Gesundheitsministerin Steffens ist leider kein Narrenstück, sondern ein handfester und unverhältnismäßiger Gängelungsversuch der persönlichen Entscheidungsfreiheit", so Berger,
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