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Viersen: Keine "Spange" für die Klinik

VON JOACHIM NIESSEN UND RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 10.02.2012

Viersen (RP). Die Stadt Mönchengladbach sieht keinen Bedarf für eine Entlastungsstraße am Franziskus-Krankenhaus. Damit wird sich der Verkehr seinen Weg auch verstärkt durch Viersen suchen. Vor allem Helenabrunn ist betroffen.

Während Viersens Verwaltung und die Politik noch von einer möglichen neuen Querverbindung zwischen Kaldenkirchener und Viersener Straße auf Mönchengladbacher Gebiet träumen, schafft die Nachbargemeinde längst Fakten: Ein klares Nein vom Landesbetrieb Straßenbau, Kammmolche und Steinkäuze als Hindernis, Altlasten im Boden, eine Schutzzone für die Wassergewinnung – es ist ein ganzer Strauß von Gründen, die aus Sicht der Verwaltung gegen den Bau einer Spange zum neuen Großklinikum an der Viersener Stadtgrenze sprechen. Aufgeführt werden diese in der kommenden Woche in einer Sitzung der Gladbacher Bezirksvertretung Nord. Und der gewichtigste Grund wird in der Vorlage eher am Rande erwähnt: Die Verkehrsplaner sind davon überzeugt, dass eine Entlastungsstraße gar nicht nötig ist, und zwar auch dann nicht, wenn das Klinikum vollends in Betrieb ist. So lautet denn die Empfehlung der Gladbacher Verwaltung an ihre Politiker, die zu entscheiden haben, nicht einmal in eine genauere Planung einzusteigen.

Info

Franziskushaus

Behandlungszentrum Bis 2015 soll auf dem Gelände des Mönchengladbacher Franziskushauses das komplette Krankenhaus zusammengezogen werden. Errichtet werden dort unter anderem ein Versorgungszentrum für Ärzte sowie ein neues Behandlungszentrum.

Mitarbeiter Die Investitionssumme soll 120 Millionen Euro betragen. Die Zahl der Betten steigt von 350 auf 850, die Zahl der Mitarbeiter von 400 auf insgesamt mehr als 1000.

Parkplätze Die Zahl der Parkplätze neben dem Klinikum an der Viersener Straße ist auf rund 400 angehoben worden.

Stellungnahme verabschiedet

Diese Situation scheint die Viersener Verwaltung zu ignorieren. Sie legte vor wenigen Tagen dem Ausschuss für Stadtentwicklung und -planung in der Kreisstadt eine Stellungnahme vor, die an die Verwaltungskollegen in Gladbach gesandt werden soll. Darin wird noch einmal auf die "Notwendigkeit einer Entlastung der Ortsdurchfahrt Helenabrunn" hingewiesen und erklärt, dass aus Viersener Sicht eine "Querspange zwischen Kaldenkirchener Straße und Viersener Straße" auf Mönchengladbacher Gebiet erforderlich sei. Ohne Gegenstimme verabschiedete die Viersener Politik diese Stellungnahme – deren Nutzen allerdings bezweifelt werden darf.

Denn die Verkehrsplaner in Mönchengladbach beschäftigen sich mit Blick auf das Groß-Klinikum mit anderen Problemen. Sie signalisieren Verständnis für die Bedenken ihrer Anwohner, die deutlich mehr Verkehr fürchten. Rund 12 000 Autos fahren derzeit täglich über die Viersener Straße in Mönchengladbach. Dadurch, dass in diesen Tagen das Kamillianer und später auch noch das Maria Hilf auf das Gelände des Franziskus-Krankenhauses ziehen, können es rund 3000 Fahrzeuge mehr werden, erläutert die Verwaltung. Bloß: Ausgelegt ist die Viersener Straße für bis zu 20 000 Autos.

Das ist der Hauptgrund, warum Gladbachs Fachleute von der Spange im Norden abraten. Doch es gibt noch weitere schwerwiegende Bedenken. So ist der Landesbetrieb Straßenbau gegen die neue Straße, weil sie sich nicht mit einem bereits beschlossenen Plan zum Ausbau der A 52 vereinbaren lasse. Aus Richtung Roermond kommend soll man künftig an der Abfahrt Mönchengladbach-Nord rechts ohne Ampel auf die Kaldenkirchener Straße Richtung Innenstadt abbiegen können.

Auch die Untere Landschaftsbehörde meldet erhebliche Bedenken an. Dort, wo gebaut werden müsste, gibt es Kammmolche und Steinkäuze, beide sind streng geschützte Arten. Außerdem werden Altlasten im Bereich der früheren Niederrheinkaserne vermutet. Und da die Straße durch die Schutzzone für die Wassergewinnungsanlage führen würde, wären strenge Auflagen zu beachten. FRAGE DES TAGES

Quelle: RP


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