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Viersen: Kippe im Karneval

VON LAURA SCHAMEITAT - zuletzt aktualisiert: 09.02.2012

Viersen (RP). Brauchtumsveranstaltungen sind vom Rauchverbot ausgenommen. Ob und wie die Karnevalsvereine im Kreis Viersen diese Sonderregelung nutzen, bleibt ihnen überlassen.

Bei Karnevalssitzungen – außer bei Kindersitzungen – ist das Rauchen grundsätzlich nicht verboten. Viele Gesellschaften bitten ihre Gäste aber darum, außerhalb der Säle zu rauchen.  Foto:  KN
Bei Karnevalssitzungen – außer bei Kindersitzungen – ist das Rauchen grundsätzlich nicht verboten. Viele Gesellschaften bitten ihre Gäste aber darum, außerhalb der Säle zu rauchen. Foto: KN

Kreis Viersen Zur Geselligkeit auf Karnevalssitzungen gehört für viele Narren neben dem Bierchen auch eine Zigarette. Dass das trotz des strikten Rauchverbots noch möglich ist, verdanken die Karnevalsvereine einer Ausnahmeregelung im Nichtraucherschutzgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen.

"Rauchverbote gelten nicht bei im Allgemeinen regelmäßig wiederkehrenden, zeitlich begrenzten Veranstaltungen, soweit es sich um im Brauchtum verankerte regional typische Feste handelt", besagt der Text. Der Karneval ist darin inbegriffen. Ob die Vereine von dieser Regelung Gebrauch machen, bleibt ihnen selbst überlassen.

Keine Aschenbecher

"Auf Kindersitzungen darf natürlich auch wegen des Jugendschutzgesetzes nicht geraucht werden", sagt Frank Schiffers, Präsident des Festausschusses Viersener Karneval, der als Dachverband elf Viersener Karnevalsvereine vertritt. "Bei den Erwachsenensitzungen ist es aber erlaubt", fügt er hinzu. Er macht jedoch darauf aufmerksam, dass Raucher versuchen sollten zum Wohle der Nichtraucher weitestgehend auf das Rauchen in geschlossenen Sälen zu verzichten. "Das sage ich als Präsident bei den Sitzungen auch wiederholt durch", berichtet er.

Info

Strengere Gesetze?

Die Landesregierung will sich noch im ersten Quartal dieses Jahres mit einer Novellierung des Nichtraucherschutzgesetzes befassen. Laut dem Gesetzesentwurf von SPD und Grünen sollen Ausnahmeregelungen für Brauchtum und so genannte Raucherclubs wegfallen.

Ein Inkrafttreten des Gesetzes ist bei entsprechendem Beschluss frühestens im September 2012 zu erwarten.

Das Bußgeld bei Verstößen soll dann von 1000 auf 2500 Euro angehoben werden.

"Es wird aber generell schon weniger geraucht als noch vor fünf bis zehn Jahren", meinen Norbert Geraats, Sitzungspräsident der Kaldenkirchener Karnevalsgesellschaft (KG) "Alles det met" und Stefan Biermanns, Vorsitzender der KG Hehler aus Schwalmtal. "Alles det met" stellt bei seinen Sitzungen mittlerweile keine Aschenbecher mehr auf die Tische, sie gibt es nur noch auf Nachfrage an der Theke. "Viele Leute fragen aber gar nicht danach, sondern gehen automatisch nach draußen, um zu rauchen", sagt Geraats. Ihm ist es wichtig, dass die Tänzer auf der Bühne gute Luft haben.

"Das ist schließlich Sport", meint er. In Brüggen bei den Sitzungen der Brachter Wasserratten hat man auch versucht, die Gäste durch fehlende Aschenbecher auf den Tischen zum Rausgehen zu bewegen. "Das gab aber totales Chaos. Die ständige Rennerei hat gestört", so Präsident Bastian Füsers. Deshalb gibt es nun wieder Aschenbecher. In Waldniel hat die KG Hehler laut Stefan Biermanns "einige Tausend Euro" in eine Abzugsanlage im Pfaarsaal Waldnieler Heide investiert. "Seitdem haben wir trotz des Rauchens wirklich gute Luft im Saal", so Biermanns. Zudem gibt es vor dem Sitzungssaal ein Zelt, in dem geraucht werden soll. "Das nehmen aber nur wenige Leute an", sagt er.

Für die Raucher setzt sich Heinz Classen, Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Brauchtums Karneval in Niederkrüchten, ein. Bei den Sitzungen von "Maak Möt" darf im Saal geraucht werden. "Draußen holen sich die Leute doch eine Erkältung", so Classen. Außerdem störe ihn die "ewige Rennerei", wenn das Rauchen nur draußen erlaubt sei. "Wo es ein Rauchverbot gibt, ist keine Stimmung im Saal."

Quelle: RP


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