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Kreis Viersen: Kirche muss Fehler eingestehen

VON CHRISTIAN HEIDRICH - zuletzt aktualisiert: 25.03.2010

Kreis Viersen (RPO). Nach Bekanntwerden von Missbrauchsfällen in den eigenen Reihen muss die Kirche vor allem den Opfern helfen. Das sagt der Dekan der Region Kempen-Viersen, Johannes Quadflieg. Zugleich müsse sie die Prävention ausbauen.

Info

Zum Brief des Papstes

Unverständnis Der Dekan versteht nicht die Kritik am Brief des Papstes an die irische Kirche zum Thema sexueller Missbrauch. Den Vorwurf, der Brief erwähne mit keinem Wort die Geschehnisse in Deutschland, kann Quadflieg nicht nachvollziehen. Der Papst sage, dass das Problem des Missbrauchs "weder spezifisch für Irland noch für die Kirche" sei.

Bedeutung Das Hirtenwort gehe alle Gläubigen an, sagt Quadflieg. Er begrüßt, dass der Papst Fehler innerhalb der Kirche einräumt.

Der Dekan der Region Kempen-Viersen im Bistum Aachen und Pfarrer von Grefrath, Johannes Quadflieg, fordert eine rasche Aufklärung vom Missbrauchsvergehen in der Kirche und von Fehlern, die die Kirche im Umgang mit diesen Vorkommnissen gemacht habe. "Wir können diese Dinge nicht auf die lange Bank schieben. Fehler und Vergehen müssen wir aufklären und aufdecken." Das sei die Kirche in erster Linie den Opfern schuldig. Aber auch im eigenen Interesse müsse sie so handeln, damit in kritischer Distanz zur Kirche Stehende ihr nicht vollends den Rücken kehrten, meint der 49-Jährige.

Der Dekan äußerte sich, nachdem in der katholischen Kirche in Deutschland aber auch in anderen Ländern Missbrauchsfälle bekannt geworden waren, die zum Teil Jahrzehnte zurückliegen. In diesem Zusammenhang entbrannte in Deutschland auch eine Debatte darüber, wie die katholische Kirche mit Missbrauch und entsprechenden Verdachtsfällen umzugehen habe.

Der Aachener Bischof und seine Mitarbeiter geben nach Quadfliegs Angaben Missbrauchsfälle weiter an den Missbrauchsbeauftragten des Bistums, den Krefelder Oberstudienrat Dr. Hans-Willi Winden. Der arbeite mit der Staatsanwaltschaft zusammen, um dann eventuell auch weitere Schritte zu veranlassen. Das hätten Bischof und die im Gebiet des Bistums Aachen ansässigen Staatsanwaltschaften abgesprochen. Über Missbrauchsfälle dürfe nicht das Deckmäntelchen der Vergangenheit gebreitet werden. "Das hätten wir auch schon vor 20 Jahren nicht und dürfen", sagt der Dekan.

Neben der Aufarbeitung von Missbrauchs- oder Verdachtsfällen müsse sich die Kirche aber auch in der Prävention engagieren. Dass Pädophilie in allen Bereichen der Gesellschaft vorkomme, dürfe keine Entschuldigung sein, müsse die Kirche aber zum Beispiel bei der Ausbildung von Priestern genauer hinschauen lassen. Und sie müsse auch in allen Feldern, in denen sie tätig sei, für das Thema sensibilisieren, vor allem in der Jugendarbeit.

Quadflieg, der noch bis Monatsende Diözesankurat der Deutschen Pfadfinderschaft St.Georg (DPSG) auf Bistumsebene ist, schließt nicht aus, das Eltern, die in den Ferien ihre Kinder in Ferienfreizeiten von Fereinen, Verbänden und Kirchen schicken, nun sensibilisiert seien. Mit den in der Jugendseelsorge Verantwortlichen in der Region habe er bereits das Thema besprochen. Quadflieg sieht bei aller Tragik des Themas Missbrauch auch die Chance, dass alle gesellschaftlichen Gruppen – auch die Kirche – noch sensibler mit diesem Thema umgehen und so auch Missbrauch aufdecken oder verhindern helfen, der nicht im kirchlichen Umfeld geschehen sei oder geschehen könne.

Quelle: RP

 
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