Viersen: Laienschauspiel begeistert auf Naturbühne
VON INGRID FLOCKEN - zuletzt aktualisiert: 04.07.2011Viersen (RP). Es begann mit einem Experiment und endete mit Standing Ovations von mehr als 200 begeisterten Zuschauern im Viersener Lyzeumsgarten.
Fünf Mitglieder der Volksbühne Viersen hatten in einem Fortbildungsseminar des Amateurtheaterverbandes NRW gemeinsam mit Mitgliedern von "Minestrone" aus Wülfrath und "Unterfeldmäuse" aus Erkrath Shakespeare's karnevalistisches "Twelfth Night" mit dem Untertitel "Was Ihr wollt" für eine 100-Minuten-Aufführung erarbeitet. Regisseur im Seminar und auch in Viersen war Ulrich Schwarz, der die Theatergruppe "Spielbrett" in Dresden leitet. Ausgerechnet Sandra Stötzel, die Referentin des Workshops, konnte sich nicht mehr über den Applaus freuen. Sie war erkrankt und hatte mit viel Energie gerade noch ihren Doppeleinsatz als Viola und Sebastian über die Bühne gebracht.
Wer die Volksbühne kennt, kannte die Akteure auf der kleinen Naturbühne kaum wieder: Michael Eichstädt spielte überragend den Sir Toby – betrunken lallend und doch absolut verständlich brachte er Shakespeare's Texte rüber. Frank Leetz begeisterte als singender Narr Feste ebenso wie Jan Viergutz als Ritter. Auch die beiden Damen – Gräfin Olivia und ihre Zofe Maria – wurden von Gaby Klonisch und Katrin Schiffers so überzeugend dargestellt, dass keiner der Zuschauer Profis vermisste. Denn eins war klar: Hier spielten lupenreine Amateure, die einen "richtigen" Beruf haben.
Doch alle zehn, die sich in diesem Ensemble zusammengefunden hatten, arbeiten seit vier Jahren an ihrem Können. Alle haben ihre Texte gelernt und setzten sie in ihrem Spiel und ihrer Mimik gekonnt um. Und sie mussten ohne Souffleur auskommen, denn: "Der Regisseur hätte uns ungespitzt in den Boden geschlagen, wenn wir nach einem Souffleur verlangt hätten", erläutert Barbara Sahl-Viergutz, künstlerische Leiterin der Viersener Volksbühne. So hat auch die Volksbühne seit einiger Zeit keine Souffleuse mehr: Alle Akteure nehmen sich ein Beispiel an ihren Kollegen und lernen ihre Texte hieb- und stichfest.
Gute Akustik
Der Platz zwischen Festhalle, Caritas-Haus und Kutscherhaus wird wohl auch künftig Ort für kleinere Open-Air-Veranstaltungen sein. Denn das kleine Rund, in dem maximal 250 Besucher auf Bänken und Stühlen Platz finden, hält die Töne fest: Die Schauspieler benutzten kein Mikrofon und waren trotzdem gut zu verstehen. Den Platz auch hinter den Bänken in den eigentlichen Garten hinein nutzten sie für spektakuläre Zu- und Abgänge von der Bühne. Glück hatten alle auch mit dem Wetter: Es wurde zwar kühl, aber es blieb trocken, so dass alle bis zum Schluss das Spiel genießen konnten. Weitere Aufführungen in mehreren Städten Nordrhein-Westfalens sind geplant beziehungsweise bereits ausverkauft.
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