Viersen: Lebendige Kirche in Gefahr?
VON IRMGARD BLOMENKEMPER UND HELGA SEIFERT - zuletzt aktualisiert: 20.03.2008Viersen (RPO). Die Fusions-Pläne des Bistums Aachen haben für Aufregung in den Pfarren gesorgt. Viele Christen sind verunsichert. Regionaldekan Schweikert sieht in Zusammenschlüssen eine Überlebenschance für kleine Gemeinden.
Bedenken anhören
Gespräch Der Bischof hat zugesichert, jede Pfarrgemeinde anzuhören, die Bedenken gegen eine geplante Fusion vorbringen will.
Zeitplan Die entgültige Entscheidung, welche Gemeinden fusionieren, wird Ende Oktober fallen. Im Jahr 2010 sollen die Fusionen im Bistum Aachen abgeschlossen werden.
Viersen/Schwalmtal Gertrud Schinken, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates von Herz-Jesu in Dülken steht der angeordneten Fusion mit St. Cornelius skeptisch gegenüber: „Wir kommen wohl kaum daran vorbei. Von uns ist aber niemand sehr erfreut darüber.“ Die Konsequenzen für die betroffenen Gemeinden seien noch nicht absehbar, „wir haben jedoch die Befürchtung, dass alles kaputt gemacht wird“, sagt die Dülkenerin. Dennoch versucht sie ihre Mitstreiter im Ehrenamt aufzumuntern: „„Die Zusammenarbeit unserer Gruppen und Gremien hat immer gut funktioniert – hoffen wir, dass das noch lange so bleiben wird. Denn nur dann können wir unser Gemeindeleben lebendig halten.“
Regionaldekan Alexander Schweikert sieht die Notwendigkeit für strukturelle Veränderungen: „Nur so können wir Kirche für die Zukunft zu rüsten.“ Gerade in kleineren Gemeinden seien Maßnahmen nötig, „um das Überleben zu sichern“, so Schweikert. Es zeigt Verständnis für die Befürchtungen der aktiven Pfarrgemeindemitglieder: „Mit den Fusionen werden immense Prozesse in Gang gesetzt.“
Synergieeffekte erwartet
Markus Bruns, Pfarrer der Gemeinden St. Helena, St. Marien und auch der von der Fusion betroffenen Gemeinde St. Peter Bockert, erhofft sich von dem nun begonnenen Prozess Synergieeffekte. Er geht davon aus, dass viele Pfarren von einem Zusammenschluss profitieren werden. Als Beispiel nennt er das Engagement der Caritas: „Bei Kleiderstuben und der Seniorenarbeit macht dieser Schritt Sinn.“ Markus Bruns ist zuversichtlich, dass sich die anfängliche Verunsicherung legen wird, wenn erst einmal die Rahmenbedingungen geklärt sind.
Sein Amtsbruder Thorsten Aymanns, Pastor im Pfarrverband Schwalmtal, fragt sich, welche Kriterien das Bistum Aachen bei seinen Fusionsüberlegungen zugrunde legt: „Kirchengemeinden, die nah beieinander liegen, sollen fusionieren. Kleine, weitab gelegene Pfarren, bleiben dagegen außen vor. Das Metermaß auf der Landkarte als Argument ist mir zu dünn.“
Auch die Begründung „Priestermangel“ überzeugt Aymanns nicht. In Schwalmtal besteht seit vielen Jahren eine Gemeinschaft der Gemeinden, in der zwei Geistliche sechs Pfarren betreuen. Aymanns: „Natürlich ist auch mir bewusst, dass die Gemeinden administrativ weiter zusammengelegt werden müssen.“ Die jetzige Vorgehensweise hält er in Schwalmtal aber für wenig hilfreich: „In Lüttelforst jubelt die Pfarre St. Jakobus: Hurra, wir sind nicht von den Fusionsplänen betroffen. Und in St. Mariae Himmelfahrt, dass sich mit St. Michael zusammenschließen soll, fragen sich engagierte Christen: Was haben wir falsch gemacht? Das gefährdet eher die Gemeinschaftsbildung, als das es sie fördert.“
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