Viersen: "Löhcenter" – Chance vertan?
VON ANDREAS REINERS - zuletzt aktualisiert: 27.03.2008Viersen (RPO). Von schön und praktisch bis entsetzlich reichten gestern die Meinungen der RP-Leserinnen und -Leser zum neuen Einkaufszentrum in Viersen. Die Mehrzahl meint: Eine Attraktion ist das „Löhcenter“ nicht.
Selten hat die RP-Leserinnen und -Leser in jüngster Zeit ein Thema beim „Heißen Draht“ so motiviert, sich zu melden, wie die Frage „Gefällt das neue ,Löhcenter’ in Viersen?“ Mehr als 60 Anrufe, Faxe und E-Mails gingen gestern in der Redaktion ein. Deshalb bittet die Redaktion um Verständnis dafür, dass nicht alle Stellungnahmen veröffentlicht werden können. Fazit: Die Mehrzahl der Leser, die sich gemeldet haben, sind enttäuscht. „Eine Attraktion für Viersen ist das neue Einkaufszentrum nicht“, meinte der Viersener Bernd Gauert (62) stellvertretend für viele.
„Löhcenter“
Betreiber Eigentümer des „Löhcenters“ ist Redevco, eine europaweit im Bereich Gewerbeimmobilien tätige Gesellschaft.
Mieter Unter den Mietern: Apotheker Reitz, Deichmann, DM, Essanelle, Kaiser’s, Kamps, Kodi, NKD, Plus und Vodafone.
Während beim architektonischen Zuschnitt des Gebäudes die Meinungen sehr weit auseinander gingen – von „wunderschöner Bau“ bis „grober Klotz“oder „seelenloser Kasten“ – zeigten sich die meisten RP-Leser vor allem vom Geschäftsbesatz enttäuscht. „Diese Geschäfte gibt es doch schon fast alle in Viersen“, sagte beispielsweise Klaus Borghoff (68) aus Dülken. Vom Branchenmix enttäuscht zeigten sich auch Klaus Steuckart oder Patrick van Helden (29), beide aus Viersen.
Was vielen fehlt ist ein gemütliches Café mit bequemen Sitzmöbeln. Die Hocker im Café Kamps gefallen insbesondere älteren Kunden wie Willy Kremer (74) aus Süchteln oder Maria Oedinger (72) aus Viersen nicht. „Schöne Geschäfte“, die Haushaltswaren oder Textilien anbieten, vermissen unter anderem Inge Eggen (72) aus Viersen oder Gabi Engels (28) aus Süchteln. Einen Elektromarkt wünscht sich unter anderem Manfred Trellenkamp (65) aus Viersen.
Sigrid Kuchinke (46) aus Süchteln, fürchtet, dass „für diesen Klotz ,Löhcenter’“ andere Leerstände – vor allem in der Viersener Südstadt – geschaffen werden. Angelika Röllen (60) aus Viersen ist ebenfalls enttäuscht. „Da wäre es besser gewesen, den Rathausmarkt weiter aufzuwerten“, meinte sie. Roland van Zoggel (56) aus Niederkrüchten meint, dass Viersen „eine Chance vertan“ habe. Für höhere Ansprüche gebe es im „Löhcenter“ nichts zu kaufen. Da biete der neue Retail-Parc in Roermond viel mehr. Mit diesem Angebot verkomme Viersen weiter zu einer „Billig-Billig-Stadt“, so die Viersenerin Renate Fuchs (61). Sie trauert – wie andere Leser – dem früheren Kaufhaus Horten nach: „Dort gab es alles, was das Herz begehrt.“
Kritik kam auch an der neuen Verkehrsführung auf: Heinz Donkels (77) findet die „miserabel“. Wie er bemängeln Patrick van Helden aus Viersen oder Jürgen Schröder (39) aus Süchteln die gefährliche Situation im Eingangsbereich. Dort fehlten Ampeln und Zebrastreifen, so die Meinung.
Martina Schaible (39) aus Waldniel war ebenfalls mit ihrer Familie im „Löhcenter“ und enttäuscht. Zum Kaffeetrinken seien sie in den gemütlicheren, weil nicht ganz so grellen Rathausmarkt gegangen.
„Wunderbar“ bewertete Hermann-Josef Kempkes (69) aus Viersen den Neubau. Die Vielfalt der Geschäfte fehle allerdings.
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