Viersen: Malou bringt Lebensfreude
VON BIRGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 06.12.2008Viersen (RPO). Eine französische Bulldogge besucht einmal wöchentlich das Seniorenzentrum Haus Greefsgarten in Viersen. Viele alte Menschen warten sehnsüchtig auf die sanfte Hundedame, die ihnen aus der Hand frisst.
Sie hat Arthrose und hört nicht mehr gut. Malou plagt manches Zipperlein. Der französischen Bulldogge geht es so wie den Menschen, die sie im Seniorenzentrum Haus Greefsgarten an der Ringstraße in Viersen „betreut“: Sie ist eine alte Hundedame, elf Jahre hat Malou schon auf dem Buckel. Doch die Hündin hat noch eine Aufgabe: Einmal in der Woche besucht Malou gemeinsam mit Frauchen Madeleine Bartz die alten Menschen im Seniorenzentrum. Läuft im Foyer von Sitzgruppe zu Sitzgruppe, bis runzelig gewordene Hände herabsinken auf das kurze Fell und die Hündin streicheln. Manchmal nimmt eine alte Dame die Hündin auf den Schoß. Und auch das lässt sich Malou ohne Murren gefallen.
Tiere im Altenheim
Weiterbildung Der Kölner Diözesan-Caritasverband und das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) begannen schon vor Jahren mit einer berufsbegleitenden Weiterbildung für Betreuer und Pfleger zum fachgerechten Einsatz von Tieren in der Altenhilfe.
Therapie Die positive Wirkung von Tieren auf Körper und Psyche der Menschen ist medizinisch nachweisbar. Tiergestützte Therapie wird in vielen Bereichen mit Erfolg praktiziert.
Erinnerungen wecken
Irene Huppertz wartet sehnsüchtig auf die wöchentlichen Besuche von Malou. Stets hat die 87-Jährige ein Leckerchen für die kleine Besucherin parat – Schokolade und Kekse hat der Arzt der alten Hündin nämlich verboten. Huppertz lebt seit drei Jahren im Seniorenzentrum, auf einem Bord in ihrem Zimmer stehen nicht nur Fotos der Familie, sondern auch Hundebilder. „Ich bin mit Hunden groß geworden“, erzählt die alte Dame. „Wir hatten immer Hunde.“ Der letzte, Schäferhund Arras, starb vor knapp 20 Jahren. „Obwohl das so lange her ist, denke ich noch sehr oft an Arras“, sagt Huppertz. „Ich habe Hunde sehr gern.“ Wenn Malou nicht komme, beobachte sie vom Balkon aus die Gassi-Gänger im Park. „Hier kommen viele Hunde vorbei, vor allem Golden Retriever“, sagt die 87-Jährige und fügt wehmütig hinzu: „Und auch ein langhaariger Schäferhund – so wie unser Arras.“ Malou weckt bei ihren Besuchen im Seniorenzentrum Erinnerungen – und das hilft vor allem dementen Bewohnern, wie Andrea Wilms bestätigt, Leiterin im Bereich soziale Betreuung im Haus Greefsgarten. „Man sieht sehr deutlich, welch positive Wirkung Malou auf dementiell veränderte Bewohner hat“, sagt Wilms. „Sie werden aufmerksamer, lächeln und streicheln den Hund. Manche sagen sogar den Namen – darunter einige, die sonst nicht mehr viel mitbekommen.“ Es sei „unglaublich, wie die Leute auf den Hund reagieren“, sagt Wilms. Können die Bewohner selbst nicht mehr mitteilen, dass sie Malous Besuche wünschen, können auch die Angehörigen das den Betreuerinnen mitteilen.
Frauchen Madeleine Bartz, die in der sozialen Betreuung tätig ist und Malou einmal in der Woche mit zur Arbeit nimmt, bemerkt auch bei der Hundedame Veränderungen: „Trotz ihres Alters und ihrer Arthrose tobt Malou draußen wild herum, spielt mit Tennisbällen und rennt über die Wiese“, erzählt die 59-Jährige. „Aber sobald sie Haus Greefsgarten betritt, wird sie zu einer richtigen ,Schlaftablette’ – ganz langsam und vorsichtig.“
Natürlich werde die Hündin regelmäßig ärztlich untersucht, sei geimpft und fit. Und so durfte Malou einmal auch ins Bett: Da lag eine Bewohnerin, die die Hündin regelmäßig besucht hatte, im Sterben. „Malou lag zwei Stunden ganz ruhig neben ihr, den Kopf auf der Hand der alten Frau“, sagt Bartz. „Das war ein ganz schöner, friedlicher Abschied.“
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