Viersen: Mannhaft in den Untergang
VON DÄ TÜTER - zuletzt aktualisiert: 20.02.2009Viersen (RPO). Mehr als 250 liebreizende Frauen stürmten am Donnerstag das Rathaus. Insider vermuten darin eine Meuterei des Ersten Beigeordneten. Bürgermeister Christian Wagner scheiterte wie alle Vorgänger mit der Verteidigung.
Seit Tagen schon grübelte Nettetals erster Bürger darüber, wie er endlich den Sturm der Alten Weiber auf das Rathaus stoppen könnte. Gegen das zunächst ins Auge gefasste Ausdrehverbot für die Feuerwehr und deren mobile Leiter legte die Technische Dezernentin Susanne Fritzsche im Verwaltungsvorstand ihr Veto ein. Der Vorschlag ihres Kollegen Armin Schönfelder, den demografischen Wandel abzuwarten, bald komme keine Möhne mehr die Leiter hoch, weil es keinen Platz für einen Rollator gebe, verwarf Wagner auch.
Die Idee
"Ich hab's", rief er plötzlich in die Runde, und seine Augen blitzten. "Ich werde Prinz. Und ihr seid Bauer und Jungfrau." Gedankenschnell gefolgt war ihm die Technische Beigeordnete, die sofort rief: "Ich bin der Bauer." Das sei ihr zuzutrauen angesichts der täglichen Plackerei mit ihren Pferden, meinte Wagner anerkennend. Nur Schönfelder reagierte störrisch. Er werde weder eine Strumpfhosen-Rolle annehmen noch Frauenkleider überstreifen. Wagner ließ das nicht gelten und gab dazu seinen Erlass 432 989 für 2009 heraus.
Ideenreich
Orden Margret Schmitz, die das Vorzimmer von Christian Wagner hütet, schuf die Orden aus Abflusssieben und Kupferrohr-Ecken. Der Prinz ist bekanntlich Installateur.
Sparsam Nur zehn Orden wurden verliehen: an das Prinzenpaar, die Kinderprinzenpaare und die Gesellschaften aus Leuth und Kaldenkirchen.
Aus dem Plan wurde gestern nichts. Um 14.1 Uhr war Schönfelder nirgends zu finden. Er sei verduftet, nach Berlin, um der Bundeskanzlerin eine Petition dagegen zu übergeben, dass er Frauenkleider überstreifen solle, wollten die einen wissen. Andere glaubten erfahren zu haben, dass er sich im "Tuddel" an der Theke verschanzt habe, um in subversiver Weise die Verteidigung des Rathauses zu verhindern.
Unterdessen fuhr Wagner sein schwerstes Geschütz auf, um die eigenen Truppen hinter sich zu bringen. "Ich rede diesmal nur ganz kurz, dafür lasse ich den Kurzen reden", rief er in alle Büros. Zum Beweis veröffentlichte er das Manuskript vorab in der Rathaus-Zeitung, in der bereits spekuliert worden war, Wagner sei gar nicht da. Er wolle sich persönlich sein neuestes Handy bei der Mobilfunk-Messe in Barcelona abholen.
Vielleicht hätte es ihn gewarnt. Denn um 17.30 Uhr tauchte eine bedrohliche Menge von dunkel gekleideten Frauen am Rathaus auf, die die Cafeteria im Handstreich nahmen. Zeugen glaubten, hinter einer Maske das schadenfrohe Gesicht des Dezernenten für Frauenfragen gesehen zu haben. Der Bürgermeister wagte es nicht, eine längere Rede zu halten, dafür gab es eine Grußbotschaft vom kleinen Willi aus Tempels Traffic Town, der Stadt der Minikreisel, während Stadtbedienstete über den Sinnspruch "Nettetal isst mehr" brüteten. An anderer Stelle verbreitete sich die Nachricht, dass nach den Straßenlampen und Kanaldeckeln nun die Bordsteinkanten an die Stadtwerke verkauft werden. Die müsse lediglich das Problem der Lagerung noch klären.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



