Viersen: Mehr als ein Tag im Stadion
zuletzt aktualisiert: 24.06.2011Viersen (RP). Lars Bühler ist als Freiwilliger bei der Frauen-Weltmeisterschaft im Einsatz. Gemeinsam mit anderen ein Team zu bilden und etwas zu bewegen, das reizt den Viersener an dem Engagement.
Lars Bühler liebt Fußball und die Stimmung im Stadion. Bei großen Turnieren ganz nahe dabei zu sein, reizt den 41-Jährigen. Der Viersener ist bei der Frauen-Weltmeisterschaft als freiwilliger Helfer im Einsatz. Im Borussiapark in Mönchengladbach ist der Marketingkaufmann für die Akkreditierung von Journalisten und die Organisation von Pressekonferenzen zuständig.
Wer spielt besser Fußball – Frauen oder Männer?
Bühler: Das kann ich so nicht sagen. Das Spiel der Männer ist körperbetonter, bei den Frauen steht die Technik mehr im Vordergrund. In meiner Jugend habe ich selbst mal gekickt und die Vorgabe meines Trainers Flanke, Kopfball, Tor setzen sie wirklich lehrbuchmäßig um.
Freiwillige
Bewerber Rund 15.000 Freiwillige aus 137 Nationen haben sich für einen Einsatz bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft (26. Juni bis 17. Juli) gemeldet. Die Organisatoren hatten aber nur 4000 Stellen anzubieten. Die Quote ist damit sogar höher als bei der Männer-WM 2006.
Turnier Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen eröffnet die Weltmeisterschaften am Sonntag um 18 Uhr in Berlin das Turnier. Die DFB-Elf spielt zum Auftakt gegen Kanada.
Was wird bei der Frauen-WM anders sein?
Bühler: Die Stimmung ist anders. Die Schlachtgesänge mit den nicht immer zitierfähigen Parolen in Richtung Torwart, gibt es bei den Frauen nicht. Im vergangenen Jahr habe ich das Freundschaftsspiel gegen Kenia gesehen und war sehr angetan von der anderen Atmosphäre. Es war laut, die Begeisterung, die Emotionen und die Leidenschaft waren da, aber eben etwas geschmeidiger. Es ist ein anderes Erlebnis.
Wie nahe werde Sie selbst am Geschehen sein?
Bühler: Zum Glück genauso nahe wie bei der WM 2006 und der EM 2008. Da ich zum kleinen Kreis der Medienbetreuer gehöre, bin ich unmittelbar am Spielfeldrand für die Internetzugänge der Fotografen und die Pressetribüne zuständig. Im besten Fall sitze ich an der Auslinie hinter dem Tor und warte darauf, dass jemand meine Hilfe braucht. Wenn nicht, kann ich 90 Minuten lang das Spiel verfolgen.
Was reizt Sie an dieser Freiwilligentätigkeit?
Bühler: Das Erlebnis mit anderen, bis dahin unbekannten Leuten, auf Zuruf ein Team zu bilden und etwas zu bewegen. Die Stimmung einer solchen Großveranstaltung zieht mich immer wieder in ihren Bann. Darüber hinaus hat sich eine Freiwilligen-Kultur mit Rahmenprogrammen und einem Forum im Internet entwickelt. Darüber habe ich noch immer Kontakt zu Kollegen von 2006 und 2008. Durch dieses Netzwerk nehme ich mehr mit als einen Tag Stadionatmosphäre.
Welche Begegnungen erhoffen Sie sich diesmal?
Bühler: Erwartungen habe ich keine, ich nehme es so, wie es kommt. Zu Spielerinnen und Prominenz halten wir ohnehin Distanz. Wir sollen als Mitarbeiter der Fifa für einen reibungslosen Ablauf sorgen und nicht mit einem Trikot voller Unterschriften zurück kommen.
Welche Erlebnisse sind Ihnen von Ihren bisherigen Einsätzen im Gedächtnis geblieben?
Bühler: Da denke ich zum Beispiel an die Wasserschlacht in Basel, die mit einem Wolkenbruch endete. Anschließend musste über Nacht der ganze Rasen ausgetauscht werden. Es war ein Erlebnis, dass sich in so kurzer Zeit so viel bewegt hat. Die WM 2006 im eigenen Land war natürlich noch einmal eine Nummer größer. Da habe ich im Viertelfinale beim Elfmeterschießen mit Figo an der Außenlinie gestanden und war plötzlich mittendrin. Das bewegt mich, Urlaub zu nehmen, um dabei zu sein.
Ist der Einsatz mehr Arbeit oder mehr Vergnügen?
Bühler: Das hält sich die Waage. Es gibt mitunter viel zu tun, aber ich gewinne auch viele Eindrücke.
Wie sind Sie Freiwilliger geworden?
Bühler: Während des Confed-Cups 2005 habe ich davon gehört und mich auf dem Fifa-Portal beworben. Nach dem Erstkontakt folgte ein langes Auswahlverfahren und zweieinhalb Monate vor der WM bin ich ins Team berufen worden.
Was tun Sie, um immer wieder dabei zu sein?
Bühler: Für 2008 habe ich mich erneut beworben und mich auch diesmal wieder gemeldet. Die Tatsache, dass ich schon mal dabei war, hat das Verfahren aber nicht verkürzt. Es ist auch Glückssache.
Wie groß ist Ihre Vorfreude?
Bühler: Riesig. Ich kann es kaum abwarten, dass es jetzt los geht.
Was kommt nach der Frauen-WM?
Bühler: Die Vorbereitung auf die Herren-EM. Beruflich kümmere ich mich um den Verkauf von sportlichen Werbeartikeln. Mein nächstes ehrenamtliches Engagement habe ich noch nicht ins Auge gefasst, das wird aber kommen. Dafür ist es einfach zu schön.
Dominique Schroller stellte die Fragen.
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