Schwalmtal: Mehr Licht in der Kirche
VON BIRGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 25.09.2010Schwalmtal (RPO). Die evangelische Kirche in Brüggen wurde 1955 gebaut. Die Decke war dunkel, die Lampen alt – zum Schluss konnten die Besucher kaum noch das Gesangbuch erkennen. Nach der Renovierung strahlt der Raum hell und freundlich.
Die gewölbte, zweigeteilte Decke scheint über dem hohen Kirchenraum zu schweben. Leuchtstoffröhren an den Seiten beleuchten die abgehängte Decke von hinten, Lichtspots sorgen dafür, dass der Raum hell und freundlich wirkt. Über dem Taufbecken hat eine moderne Hängeleuchte die alten Glaskugeln ersetzt. Statt der braunen Falttür, die einst den Kirchenraum zum Anbau hin auch optisch begrenzte, öffnet eine Glastür nun das Sichtfeld.
In nur vier Wochen ist die evangelische Kirche in Brüggen, 1955 erbaut, komplett renoviert worden. Bis heute wird dort gearbeitet, morgen die Wiedereröffnung gefeiert. Stolz ist Pfarrer Bernd Mackscheidt auf das ausgeklügelte Lichtkonzept, das der Brüggener Willy Reisen von der Firma Improtec im Weihersfeld entwickelte. "So vielseitig wie die evangelische Kirche ist auch das Lichtkonzept, das sich den unterschiedlichen Stimmungen anpasst", erklärt Reisen. Ein Lichtkonzpet müsse "den verschiedenen Situationen Rechnung tragen, die sich aus Nutzung und Architektur ergeben." So lassen sich alle Leuchten einzeln schalten – je nach Anlass erstrahlt der ganze Raum in hellem Licht oder wird nur teilweise beleuchtet. Für Meditationen oder Weihnachtsstimmung können etwa nur die Wandstrahler heimelige Wärme simulieren, bei Taufen sorgt ein Spot über dem Taufbecken dafür, dass eben dieser Augenblick der Taufe auch optisch ins Zentrum gerückt wird.
Feier am Sonntag
Begleitet vom Flötenensemble "Flautissimo" und dem Kirchenchor wird in der frisch renovierten Kirche am morgigen Sonntag gefeiert: Los geht es mit einem Gottesdienst um 10.30 Uhr, danach ist Gelegenheit zum Gucken, Fragen, Essen und Trinken. Gleichzeitig feiert die ev. Gemeinde das fünfjährige Bestehen des Eine-Welt-Ladens, der ebenfalls am Alter Postweg untergebracht ist.
Filme und Bilder sehen
Die alte hölzerne Decke, die den Raum nach oben hin begrenzte, wurde abgerissen, die Orgelempore weiß gestrichen. Unter der abgehängten Decke verlaufen jetzt Kabelkanäle, so dass Gottesdienstbesucher auch keine Kabel mehr sehen. Dafür baute die evangelische Gemeinde gleich die neueste Technik ein: Vom Beamer bis zum W-Lan ist alles vorhanden, über dem Altar kann eine Leinwand heruntergelassen werden, auf die zum Beispiel meditative Bilder projiziert werden können, "vielleicht aber auch Turniere der nächsten Fußball-WM", schlägt Mackscheidt schmunzelnd vor.
Ein weiterer Hingucker werden die neuen Fenster sein, die die Brüggener Künstlerin Dr. Antje Hambitzer entwarf. Christliche Motive wie das Kreuz, der Fisch, der Regenbogen und die Flammen des Heiligen Geistes hat sie dafür in weich fließenden Bögen sehr reduziert gestaltet. Diese fließenden Bögen wiederholen sich auch in den künstlerisch gestalteten Glastüren zum Anbau hin, so dass ein harmonisches Zusammenspiel entsteht. Zwei der alten Fenster, die unter anderem das Siegel der evangelischen Gemeinde tragen, werden an der Rückwand des Raumes aufgehängt – eine Erinnerung an die alte Kirche ebenso wie die Kanzel, die aus dem 17. Jahrhundert stammt. Bei aller Moderne des Raumes sind diese Antiquitäten besondere Hingucker – wie in einem mit Liebe und Geschmack eingerichteten Wohnzimmer. Von diesen Stücken werde sich die Gemeinde auch nicht trennen, auch das Alte habe seine Berechtigung, sagt Mackscheidt. Das Wichtigste: "Kirche ist Zuhause. Und zu Hause soll es schön sein."
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