Viersen: "Mein Engel ist menschlich"
VON BIRGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 24.12.2009Viersen (RPO). Hedwig Sieberichs ist derzeit auf den Karnevalsbühnen im Rheinland unterwegs. Als "Engel Hettwich" plaudert die Schwalmtalerin manch himmlisches Geheimnis aus. Wer hätte gedacht, dass Engel Diäten fürchten?
Bühnennachwuchs
Die Initiative "Künstler im Karneval Mönchengladbach e.V." hat sich der Förderung des Bühnennachwuchses verschrieben. Bei einem jährlichen Vorstellabend können Büttenredner, Musiker und Tanzgruppen ihr Können Veranstaltern zeigen, die ein närrisches Programm auf die Beine stellen wollen und Programmpunkte suchen. Auch Hedwig Sieberichs ist dabei. Der nächste Vorstellabend ist am 2. Oktober 2010.
Sie ist 44 Jahre alt, freie Handelsvertreterin und nicht auf den Mund gefallen: Hedwig Sieberichs, im Karneval als "Engel Hettwich" auf den Bühnen im Rheinland unterwegs. Ob Mönchengladbach, Düsseldorf oder Köln – wo gelacht wird, ist auch der "Jumbo unter den Engeln" nicht weit.
So nennt sich die Schwalmtalerin selbst – "ich bin ja ein bisschen kräftiger, und die Leute finden es toll, wenn man sich selbst auf die Schippe nimmt." Und das wiederum finde sie toll, "dass ich die Leute zum Lachen bringen kann."
Hedwig Sieberichs ist derzeit jedes Wochenende unterwegs, oft sind es an einem Freitag, einem Samstag mehrere Auftritte hintereinander, die sie absolviert. Die Session beginnt im September und dauert bis Karneval, dazu kommen Weihnachtsfeiern, "bei denen ein besinnlich-lustiges Programm gewünscht ist". Die Figur des Engels hat sie nach einer Hochzeit von Freunden vor ein paar Jahren entwickelt. Das sei dort so gut angekommen, dass sie fortan als Engel auch im Karneval auftrat.
Viel zu lachen im Alltag
Seit 2005 gibt es den "Engel Hettwich" nun, und für ihre Reden muss sich die Schwalmtalerin stets neue Geschichten ausdenken. Klassische Witze sind das nicht, sondern Geschichten, die der Alltag bringt.
"Mein Mann und ich lachen so gern, dass uns immer wieder auffällt, wie lustig viele Situationen einfach sind", sagt Sieberichs. An den kleinen, witzigen Begebenheiten wird dann zuhause gefeilt – und wenn ihr Ehemann Ralf lache, sagt die 44-Jährige, sei das immer das beste Zeichen, dass es auch mit dem Publikum klappe, "er ist meine erste Instanz".
Und so erzählt der "Engel Hettwich" den närrischen Zuschauern von einem himmlischen Diätplan, auf dem leider gar keine leckeren Dinge zu finden sind oder von kleinen Reibereien mit Petrus an der Himmelspforte. "Mein Engel ist sehr menschlich", findet Hedwig Sieberichs. In dem Himmel, in dem der "Engel Hettwich" zuhause sei, "geht es zu wie auf der Erde, das macht es so lustig". Mit ihren Geschichten aus dem Engel-Alltag hält sie dem Publikum den Spiegel vor – ohne an den Engel-Vorstellungen jedes einzelnen rühren zu wollen. "Meine Grenzen sind sehr eng gesteckt", sagt Sieberichs, "ich würde nie Witze über Dinge machen, die den Glauben oder andere Religionen berühren könnten."
Dass die Menschen über sie als Engel lachten, "hat wohl weniger mit der Type Engel zu tun als mit der Qualität der Rede". Zudem sei die Figur des Engels genau richtig, um Freude auf die Bühne zu bringen: "Der Engel ist immer positiv belegt, ist weiß und rein, er gibt Mut und Energie." Energie braucht sie im Karneval, und wenn der vorbei sei, wisse sie anfangs oft gar nicht, was sie tun solle. "Die Ruhe, die dann einkehrt, ist irgendwie komisch."
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