Kreis Viersen: Menschenleben auf dem Spiel
VON GABI LAUE - zuletzt aktualisiert: 27.09.2006Kreis Viersen (RPO). Für eine zweite Rettungswache in Niederkrüchten oder Brüggen plädieren zahlreiche Bürger aus dem westlichsten Zipfel des Kreises. Vor allem Elmpter sorgen sich um lange Anfahrtszeiten im Notfall.
Notfallrettung
Die Kreise und kreisfreien Städte sind als Träger des Rettungsdienstes verpflichtet, die bedarfsgerechte und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Leistungen der Notfallrettung einschließlich der notärztlichen Versorgung im Rettungsdienst und des Krankentransports sicherzustellen. Beide Aufgabenbereiche bilden eine medizinisch-organisatorische Einheit der Gesundheitsvorsorge und Gefahrenabwehr. Im Bedarfsplan muss der Kreis Zahl und Standort der Rettungswachen sowie die Zahl nötiger Krankenwagen und Notarzt-Einsatzfahrzeuge festelegen.
Der heiße Draht zum Thema Einsatzzeiten im Rettungsdienst glühte gestern. Vor allem Elmpter und ältere Menschen fühlen sich höchst unbehaglich bei der Sorge, dass sie im Notfall nicht schnell genug Hilfe bekommen. Der Niederkrüchtener Hans Schmitz (67) drückte es drastisch aus: „Der Kreis maßt sich an, Herr über Leben und Tod zu spielen. Geld darf hier keine Rolle spielen. Alle Bürger müssten die gleichen Chancen haben. Es kann doch nicht sein, dass ich im Akutfall früher sterben muss, weil ich im Westkreis wohne.“
Auch Manfred Winkens (70) aus Venekoten plädierte für eine zweite Wache: „Ich habe selbst einen Infarkt gehabt und weiß, wie wichtig schnelle Hilfe ist.“ Ebenso würden es die Elmpterinnen Marion Lüttge (40) und Rosemarie Scholz (83) begrüßen, wenn es in der Gemeinde eine zweite Rettungswache gäbe. Wenn ein Wagen in Schwalmtal im Einsatz ist, dauere die Fahrt beispielsweise von Viersen zu lange, fürchtet Hermann-Josef Toberer (62) aus Niederkrüchten. Ein zentraler stationierter Notarztwagen sei bei Akut- und Unfällen vonnöten, meinen Helene Jäger (43) und ihre Nachbarin aus Elmpt. Eine Bewohnerin des Kamerickshofes in Brüggen findet es sehr wichtig, dass der Notdienst schneller als bisher eintrifft. „Menschenleben sind so wichtig, dass man nicht aufs Geld schauen sollte“, sagte Hermine Reynen (65) aus Oberkrüchten. „Da sollte man den Kreis in die Verantwortung für die Bürger nehmen.“
Klaus Malcherczyk (38) aus Elmpt fragt sich, „ob man Mensch zweiter Klasse ist“. Er habe – als betrieblicher Ersthelfer vorbereitet – einmal einen im Garten zusammengebrochenen Nachbarn 20 Minuten reanimiert, bis der Notarzt kam. Vom Rendezvous-System (Notarzt fährt zuerst los, Rettungswagen folgt) hält er nicht viel. „Seit das Krankenhaus Schwalmtal zu ist, ist der Patient auch länger ins Krankenhaus unterwegs.“ Ein Genholter hält Bracht für einen geeigneten Standort. Iris Grieger (45) aus Brüggen fragte: „Wenn ein Rettungsfahrzeug-Standort im Feuerwehrgerätehaus Brüggen möglich ist, warum macht man es dann nicht?“ Im Notfall werde jede Sekunde zur Stunde. „Wenn bekannt ist, dass gesetzliche Vorgaben nicht erfüllt werden, sollte man schnellstmöglich Abhilfe schaffen.“ Gisela Kremer (66), die kürzlich von Starnberg nach Boscherhausen zog, war gar nicht bewusst, „dass wir hier so außerhalb liegen“. Vor dem Umzug hatte sie eine Lungenembolie. „Die Rettung war Gott sei Dank innerhalb von Minuten da. Aber hier sind die Leute verraten und verkauft.“ Johann Elberding (72) aus Elmpt hat schon öfter einen Notarzt gebraucht. „Die Zeit wird lang“, hat er erfahren und wünscht sich einen zweiten Standort in Birth. Die CDU Brüggen begrüßt, dass der Kreisausschuss den Kauf eines Notarzt-Einsatzfahrzeuges (NEF) beschlossen hat, so Guido Schmidt. Wenn aber das allein nicht reiche, eine adäquate Versorgung des Westkreises zu gewährleisten, „muss umgehend über eine Filiallösung für Brüggen und Niederkrüchten entschieden werden“.
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