Viersen: Mission „saubere Stadt“
VON MARC CATTELAENS - zuletzt aktualisiert: 31.07.2008Viersen (RPO). Wo sie sind, herrscht Ordnung: Murat Sinc und Michèl Musebrink sorgen im Auftrag des Nettetaler Ordnungsamts dafür, dass sich die Bürger sicher und wohl in ihrer Stadt fühlen können. Die RP begleitete die beiden auf ihrer Tour.
lobberich Sie sind bereits im Dienst, wenn sie noch gar nicht im Dienst sind. Es ist Freitagnachmitag, 17 Uhr. Murat Sinc und Michèl Musebrink stehen vor dem Nettetaler Ordnungsamt und bereiten sich auf ihre tägliche Tour vor. Ein junger Mann fährt mit seinem Auto auf den Parkplatz im Innenhof – und stellt seinen Wagen so unglücklich ab, dass er gleich zwei Parkplätze belegt. „Entschuldigung. Würde es ihnen etwas ausmachen, ihr Auto so zu parken, dass noch ein zweiter Wagen neben ihnen Platz hat?“, wendet sich Musebrink höflich an den verdutzten Autofahrer. Der lässt sich nicht lang bitten und stellt seinen Wagen um. Schon ist sie erfüllt, die erste Mission des Tages.
Seit Anfang Mai sind Sinc und Musebrink im städtischen Ordnungs- und Sicherheitsdienst tätig. Sie sollen in erster Linie Präsenz zeigen, den Bürgern das Gefühl von Sicherheit geben. Der erste Gang führt meist in den Ingenhovenpark. „Oft sitzen hier Jugendliche auf den Banklehnen. Die bitten wir dann, sich richtig hinzusetzen, damit die Sitzfläche nicht schmutzig wird“, sagt Sinc. Prompt treffen die beiden auf ein paar Jugendliche. Die sitzen auf dem Rasen, grüßen freundlich. „Das sind liebe Jungs. Die verhalten sich korrekt“, sagt Musebrink, der seine „Pappenheimer“ inzwischen schon genau kennt.
Pfefferspray am Gürtel
Eigensicherung Zu ihrer Verteidigung führen Murat Sinc und Michèl Musebrink Pfefferspray mit sich. Bis jetzt mussten sie es jedoch noch nicht gebrauchen.
Brenzlig Zu der bisher dramatischsten Situation kam es, als die beiden die Personalien eines jungen Mannes kontrollieren wollten. Plötzlich rannte dieser weg. Als Musebrink ihn einholte, fand er den Grund für die plötzliche Flucht: Ein Päckchen mit 15 Gramm Marihuana. Sinc und Musebrink übergaben den Mann der Polizei.
Was wäre bei einem Verstoß passiert? „Dann verfassen wir einen Bericht, nehmen die Personalien auf und erläutern den Sachverhalt. Ein Kollege im Ordnungsamt entscheidet, ob ein Bußgeld verfügt wird“, erläutert Sinc. Wenn ein Übeltäter ganz uneinsichtig ist, sprechen die Ordnungsdienst-Mitarbeiter einen Platzverweis aus.
Weiter geht’s zum Windmühlenbruch. Am Ufer des Sees sitzen ein paar Jugendliche beisammen. Als sich Sinc und Musebrink nähern, ruft einer aus der Clique: „Das Ordnungsamt kommt.“ Zu verbergen haben aber auch diese Jungs nichts.
Dann schaut es plötzlich so aus, als sei das Einschreiten der beiden doch noch gefragt. Auf einer Wiese neben einem Spielplatz entdecken Sinc und Musebrink zwei Mädels, die eine Wasserpfeife rauchen – wenige Meter neben den spielenden Kindern. „Guten Tag. Ordnungsamt Nettetal“, stellt sich Sinc den beiden vor. „Sind sie schon 18?“ Ja, die beiden sind volljährig. Keine Chance für den Ordnungsdienst, einzugreifen. „Ab 18 Jahren darf man in der Öffentlichkeit rauchen. Auch Wasserpfeife“, erklärt Sinc. Einige Eltern, deren Kinder auf dem Spielplatz sind, haben das Geschehen beobachtet. „Das ist gut. Die Eltern sollen sehen, dass die Stadt für Ordnung sorgt“, sagt Musebrink.
Die beiden steigen wieder in ihren Dienstwagen, einen Smart. 60 bis 100 Kilometer legen Sinc und Musebrink während einer Acht-Stunden-Schicht mit dem Auto zurück, zusätzlich fünf bis zehn Kilometer zu Fuß. Die Fahrt führt zum Kaldenkirchener Marktplatz, einem der „Problempunkte“. Die beiden treffen auf eine Gruppe von etwa 15 Jugendlichen. Sinc und Musebrink wollen den Überraschungsmoment nutzen und springen aus ihrem Auto. Doch wieder kommen die Ordnungsdienst-Mitarbeiter zum falschen Zeitpunkt. Keiner der Jugendlichen raucht oder trinkt Alkohol. „Das kennen wir von denen sonst anders: Ein bereits Volljähriger versorgt die unter 18-Jährigen mit Alkohol und Zigaretten“, berichtet Musebrink. Dann entlarvt sich einer aus der Gruppe doch noch selbst: „Wenn es gleich dunkel ist und ihr weg seid, rauche ich erstmal einen Joint!“
Sinc und Musebrink sind alarmiert. Kurze Zeit später werden sie wieder bei der Clique auftauchen. „Wenn es sein muss, fühlen wir denen auch mehrmals an einem Abend auf den Zahn“, sagt Musebrink. Denn eines ist für die beiden das Allerschlimmste: Drogen. „Die Jugendlichen machen sich damit ihr ganzes Leben kaputt – und sind Jüngeren ein schlechtes Vorbild.“
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