Brüggen: Mit 99 Jahren ausgedient
VON GABI LAUE - zuletzt aktualisiert: 29.07.2010Brüggen (RPO). 1911 drehten die Heidhausener die Petroleumlampen herunter – mit Überland-Stromkabeln und einer zwölf Meter hohen Umspann-Turmstation hatten die Segnungen der Technik Einzug gehalten. Nach 99 Jahren hat das Trafohaus ausgedient. Ein Bagger trug gestern das zwischen zwei Einfamilienhäusern an der Heidhausener Straße stehende Stationshaus Brocken für Brocken ab. RWE Rhein-Ruhr Netzservice hat es durch eine deutlich kleinere 10 000-Volt-Mittelspannungs-Kompaktstation ersetzt, um auch künftig eine optimale Stromversorgung in Heidhausen zu gewährleisten.
Detailgenaue Maßarbeit
Dr. Johannes Stürmer, Leiter des RWE-Regionalzentrums Neuss, bezifferte die Investitionskosten in die Netzoptimierung allein für die neue Kompaktstation auf rund 25 000 Euro, der Abriss kostet um die 15 000 Euro. Zusätzlich hatten RWE-Techniker rund 3000 Meter Freileitung demontiert und 4000 Meter Nieder- und Mittelspannungskabel verlegt. Dieses Projekt sei auch für erfahrene Kollegen eine besondere Aufgabe gewesen, erklärte Stürmer gestern – hier war detailgenaue Maßarbeit gefragt. "Uns war wichtig, dass die Bewohner der Heidhausener Straße von einem unverbauten Blick auf die Straße profitieren. Eine zukunftsweisende Stromversorgung ist durch das leistungsfähige Kabel-Ortsnetz sichergestellt." Kabelnetzte seien weitaus weniger störanfällig als Freileitungsnetze, so Stürmer weiter. Daher ist RWE derzeit dabei, in Brüggen alle Freileitungen zurückzubauen. Vor rund drei Jahren wurden in Heidhausen die Freileitungen von den Dächern geholt. Die letzte der früher typischen Zwischenstationen steht noch in Genholt. Auch ihre Tage sind gezählt.
Schon vor einigen Tagen hatten Techniker die elektrotechnischen Anlagenteile, die vor etwa 20 Jahren auf den neuesten Stand gebracht worden waren, demontiert. Hinter der blassgrünen Tür des verputzten Turmes verbargen sich Schalter und Transformator, über eine Leiter gelangte man zur Mittelspannungs-Schaltanlage in der oberen Etage. Bevor der Bagger seine Schaufelzähne ansetzte, waren das Dach und die ersten beiden Meter des entkernten Turms mit Hilfe einer Hubbühne von Hand abgetragen worden. Nur wenige Stunden dauerte es, bis das Gebäude in Staubwolken endgültig dem Boden gleich gemacht war. Als Zuschauer verfolgten auch Nachbar Jürgen Schäfer und Frank Spinnrath vom Liegenschaftsamt der Gemeinde Brüggen die spannenden Arbeiten.
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