Viersen: "Mit der Brechstange"
VON IRMGARD BLOMENKEMPER - zuletzt aktualisiert: 10.03.2008Viersen (RPO). Mit Unverständnis und Empörung haben Katholiken am Wochenende auf die Ankündigung des Bischofs reagiert, Pfarrgemeinden zu fusionieren. Das Katholikenrat kritisiert, dass Laiengremien vorher nicht einbezogen wurden.
Recht des Bischofs
Nach kanonischem Recht ist es die Sache des Bischofs, Gemeinden zu fusionieren. Dort heißt es: „Pfarreien zu errichten, aufzuheben oder sie zu verändern, ist allein Sache des Diözesanbischofs, der keine Pfarreien errichten oder aufheben oder nennenswert verändern darf, ohne den Priesterrat gehört zu haben.“ Erst wenn der zustimmt, dürfen zwei oder mehr Gemeinden zu einer neuen Pfarre fusioniert werden.
Viersen/SCHWALMTAL „Für uns kam das Ganze völlig überraschend“, sagte am Samstag einen Kirchenvorstandsmitglied von St. Clemens Süchteln. Die Gemeinde soll mit der Nachbarpfarre St. Franziskus Süchteln-Vorst fusionieren, so geht es aus dem Plan des Bistums hervor. „Während man in Viersen schon lange davon spricht, kommen die Pläne für unsere Gemeinden sehr plötzlich.“ Man sei verwundert, dies „aus der Zeitung erfahren zu müssen“, so der Süchtelner, der lieber ungenannt bleiben möchte. Wie überhaupt die meisten der von der RP befragten Katholiken nicht offiziell in Erscheinung treten wollten.
Auch in Süchteln-Vorst betrachten Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand die Pläne mit großer Skepsis: „Wir haben das Gefühl, dass wir als kleinere Gemeinde irgendwann nicht mehr attraktiv sein werden“, so ein Mitglied des Pfarrgemeinderats. Ebenfalls fusioniert werden sollen die Dülkener Gemeinden, St. Cornelius mit St. Ulrich und der Herz-Jesu-Kirche – alle zugehörig zur GdG St. Benedikt.
In Viersen sollen sich die Pfarren St. Remigius, St. Joseph und St Notburga (Rahser) zusammenschließen – auch hier war das Thema bereits im Gespräch: Eine freiwillige Fusion von St. Remigius und St. Joseph wollten Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand von St. Joseph aber bislang nicht.
„Mit der Brechstange“ – „übers Knie gebrochen,“ so lauten diverse Stimmen aus Schwalmtal. Dort sollen unter anderem die beiden Amerner Pfarren St. Georg und St. Anton zusammengelegt werden. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, meinte Ulrich Theven. „Jetzt aber kommt der Rundumschlag aus Aachen.“ Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates kann die Entscheidung des Bischofs nicht nachvollziehen.
Auch der Katholikenrat der Region Kempen-Viersen als Laienvertretung ist empört. Die Bistumsleitung wollte wohl nicht länger auf „freiwillige“ Schritte der Gemeinden warten. Die beiden Vorsitzenden Conny Seiter-Moerschen und Altfrid Spinrath erinnerten daran, dass der Bischof in der Vergangenheit immer wieder betont habe, „solche Fusionen sollten auf freiwilliger Basis stattfinden“. Nun aber mache er „Nägel mit Köpfen.“
Der Katholikenrat monierte eine fehlende „angemessene Beteiligung an den Entscheidungsprozessen“. Darüber waren die meisten Laien entsetzt. Das Gremium erwartet von der Bistumsleitung einen anderen Umgang, das machten viele Stimmen deutlich. Zuletzt brachte es eine Süchtelner Christin auf den Punkt: Sich miteinander auf den Weg machen, das sei wichtig – getreu dem Motto: „Schöne Worte sind zuwenig!“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



