Viersen: Mit Fortuna zu jedem Auswärtsspiel
VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 05.11.2008Viersen (RPO). Das Exil ist nicht weit entfernt. Etwa 70 Kilometer sind es von Jörg Schäfers Heimat Hilden bis nach Nettetal, wo der 44-Jährige mit seiner Frau Conny (44) wohnt. Da sie ein Jobangebot aus Lobberich hatte, zogen sie 2007 her.
„Ein bisschen war ich hier der Außerirdische“, sagt Schäfer, der sich in seiner Nachbarschaft zwar wohl fühlt. Aber um ihn herum gab es mehr Fans des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach, als ihm lieb war. Seitdem er mit sechs Jahren zum ersten Mal im Stadion Flinger Broich war, ist Schäfer Anhänger von Fortuna Düsseldorf. Im Juni gründete er den Fanclub Niederrheinfortunen.
„Als ich eines Tages durch Nettetal fuhr, dachte ich, dass es mehr Fortuna-Fans geben muss“, sagt Schäfer. „In einem Internet-Forum habe ich gefragt, ob hier nicht mehr leben.“ Die Resonanz war groß. 28 kamen zur Gründungsversammlung, 44 Mitglieder hat der Verein, hundert Sympathisanten haben sich im Forum angemeldet. „Das ging ruckzuck“, sagt er.
Im eigenen Bus durch die Republik
Spätestens alle zwei Wochen bekommt Schäfer bei Auswärtsfahrten zu spüren, dass es eine Menge Fortuna-Fans am Niederrhein gibt. Der Fanclub organisiert eigene Bustouren, um die Spiele zu sehen. Da die Busmiete jedoch nicht gerade günstig ist, muss das Fahrzeug voll besetzt sein, damit sich die Buchung lohnt. Bis zwei Wochen vorher muss das Busunternehmen wissen, ob die Tour klar geht. „Bislang haben wir alle Auswärtsfahrten von Emden bis nach Sandhausen, von Aue bis nach Stuttgart mitgemacht“, sagt Schäfer.
Bei der Fahrt nach Aue flog einer der Passagiere raus, weil er im Bus wiederholt rechtsradikale Parolen gesungen hat. „Wir nehmen nur Fans mit, die sich benehmen“, sagt Schäfer. Zum Spitzenspiel vergangenen Sonntag bei Union Berlin (0:1) ging es mit dem Flugzeug. „Da war es zu unsicher, ob wir genügend Leute für den Bus finden.“ Anders sieht das beim Spiel in Dresden am 15. November aus. „Der Bus steht“, sagt er. Morgens um halb vier geht’s in Viersen los. 35 kostet die Fahrt für Mitglieder des Fanclubs, 40 für alle anderen. „Gekühlte Getränke für einen Euro haben wir durchgehend an Bord“, sagt Schäfer.
Doch nicht nur deswegen ist die Stimmung im Bus hervorragend. Fortuna ist mit vier Siegen das zweitbeste Auswärtsteam der Liga. „Ich denke, dass wir aufsteigen“, sagt Schäfer, dessen Verein seit neun Jahren nicht mehr in der Zweiten Liga gespielt hat.
Kontakt zum Fanclub gibt es unter Telefon 0178 61 43 197 oder im Internet unter www.niederrhein-fortunen95.npage.de
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