Viersen: Mord im Gymnasium
VON ANDREAS GRÖHBÜHL - zuletzt aktualisiert: 07.02.2009Viersen (RPO). Fünf Tage dauerten die Ermittlungen im Fall "Heavy-Metal-Mord". Jetzt präsentierten die Neuntklässler des Werner-Jaeger-Gymnasiums den Schuldigen. Die Suche war ihr ureigenes Projekt.
Lobberich Der Sänger der Heavy-Metal-Band "Crunch Berlin" ist am Montag auf einem Campingplatz tot aufgefunden worden. Ricardo de Wilder erlag schweren Kopfverletzungen. Es besteht der Verdacht, dass es sich um Mord handelt. Die Polizei rätselt noch. Doch die Neuntklässler des Werner-Jaeger-Gymnasiums haben sich auf die Spur des Täters begeben.
Aufgeteilt in Ermittler, Spurensicherung und Zeitungsredaktion untersuchen sie den Campingplatz in einem Klassenzimmer des Gymnasiums. Sie finden Blutspuren unter einem Fingernagel, Haare, einen Zigarettenstummel mit Speichelresten. Auf einer weggeworfenen blutverschmierten Wodka-Flasche – offensichtlich die Tatwaffe – erkennen die Ermittler einen Fingerabdruck. Die Schüler schicken die Spuren ins Labor. Unter dem Mikroskop bestimmen sie selbst die Blutgruppen – so wie sie es zuvor im Unterricht gelernt haben.
Die Idee zum Mord
Jedes Jahr setzt sich ein Lehrer-Team zusammen, um sich den Mordfall auszudenken. Monatelang sammeln die Pädagogen Haare und andere Spuren, die sie auslegen können. Bei den Ermittlungen greifen sie nicht ein.
Lügen und falsche Alibis
Nach und nach entspinnt sich ein Netz aus Verdächtigungen, Lügen und falschen Alibis. Doch die Gymnasiasten ermitteln unwiderlegbare Beweisen. Der genetische Fingerabdruck stimmt, der Täter verwickelt sich in Widersprüche. Und so fassen sie schließlich Lukas Rainer, den Freund von Christina Hammerschmidt, die den toten Bandleader gefunden hat. Sie hatte ein Verhältnis mit dem Rocker unterhalten – das konnte und wollte Lukas Rainer nicht auf sich sitzen lassen.
Die Schüler präsentierten den Täter, der am Ende "nur" wegen Totschlags und nicht wegen Mordes verurteilt wurde, in mehreren Bühnenauftritten der Öffentlichkeit. Denn so sah es das Programm der Projektwoche vor.
Zum fünften Mal mussten die neunten Klassen des Werner-Jaeger-Gymnasiums innerhalb einer Woche einen Mord-Fall lösen und dann künstlerisch umsetzen. Als Gericht-Show wie bei Barbara Salesch, als Talk-Show ("Nackte Fakten") und Theaterstück. Ganz nebenbei arbeiten sie als Team zusammen. René Rentzsch (9 b) hat gemerkt, dass das die Klasse zusammenschweißt. Die Klasse. Denn die Klassen arbeiten gegeneinander. Und seine 9 b hat gewonnen. "Das war die geilste Aktion, als wir als Erste den Täter gefunden haben", sagt er.
Der Sieg ist auch seinem Klassenkameraden Ümit Esen zu verdanken. Er war Spurensicherer. Das wollte er schon als Kind werden – in der Realität. "Aber jetzt will ich das nicht mehr", berichtet er. In Wirklichkeit liegt da schließlich ein echter Toter vor dem Zelt. Auch eine Lektion. Und in echt ist ein Mordfall kaum so spaßig.
Denn einen "Mordsspaß" hatten die Neuntklässler. Das bekamen auch die Lehrer zu spüren, die das Spektakel organisiert hatten. Ein kräftiger Applaus brandete durch die Werner-Jaeger-Halle zu ihren Ehren. Ohne Kapitalverbrechen ist so etwas beinahe undenkbar.
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