Schwalmtal: Neue Chance für alte Sorten
VON WILTRUD WOLTERS - zuletzt aktualisiert: 20.04.2009Schwalmtal (RPO). Die neue Obstbaumwiese an der Waldnieler Nordtangente ist komplett bepflanzt. Alte Apfelsorten sind hier zu finden, aber auch Süßkirschen, Pflaumen und Mispeln. Erste Ernte ist frühestens in fünf Jahren.
Paul Derix hat bereits Zeit für einen kleinen Plausch mit Cordula Flohe. "Es ging wie am Fließband", sagt Derix und deutet auf die neue Obstwiese an der Waldnieler Nordtangente. Dort stehen schon Schöner von Elmpt, Freiherr von Berlepsch, Rheinischer Winterrambour, Schöner von Boskoop und einige andere, altbekannte Apfelsorten, dazu drei Süßkirschen, zwei Hauszwetschen und drei Mispeln. Nur ein einziges Pflanzloch ist noch frei. Diesen letzten Apfelbaum, einen Gravensteiner, darf Bürgermeister Reinhold Schulz pflanzen.
"Bäume bedeuten Lebensqualität", sagt Schulz. Mit Hilfe von Uwe und René Klinner hat er keine Probleme, den jungen Baum zu pflanzen, die Wurzeln mit Drahtgeflecht gegen Kaninchenverbiss zu schützen und den Apfelbaum gegen Sturm zu schützen. Die neue Obstwiese der Waldnieler ist fertig. Cordula Flohe, Uwe und René Klinner, Willi Kenkmann, Alexander Viethen, Martin Rademacher, Thomas Lenzen, die Eheleute Wenderoth und Dornseifer sowie Christa und Paul Derix haben die Patenschaft für die Wiese übernommen.
Goldene Regeln
Information Günter Wessels erläuterte den Paten der Obstwiese, wie man Bäume pflanzt und warum man sie wie platziert.
So geht's Die robustesten Sorten stehen am Rand. Apfelbäume werden nach Westen ausgerichtet. Pflaumenbäume kommen an die tiefste Stelle, wo sich das Wasser sammelt.
Die Aufgaben
Die Bäume müssen ausreichend gewässert werden. Die Wiese muss fünf Jahre lang zwei Mal jährlich gemäht und das Schnittgut abgetragen werden. Die Bäume benötigen schon im Herbst den ersten Erhaltungsschnitt und müssen gegen Wildverbiss geschützt werden.
Viel Arbeit, auf die sich die Paten freuen. "Es gibt jetzt schon Anfragen, was später einmal mit dem Obst passieren soll", sagt Paul Derix. Bis es etwas zu ernten gibt, wird es jedoch sicherlich noch fünf Jahre dauern. "Manche meinen, wir würden davon eh nichts abbekommen, weil andere schneller sind. Aber es gibt auch Vorschläge, das Obst an die Tafel oder an Grundschulen zu verteilen", sagt Derix. Das aber wolle man erst dann entscheiden, wenn es soweit ist.
Der Anstoß zu diesem Projekt kam von ihm. "Ich bin viel mit den Fahrrad in der Gemeinde unterwegs und habe mich gefragt, warum auf den rekultivierten Flächen überall Strauchwerk und keine Nutzpflanzen gepflanzt werden", erzählt er. Er füllte eine grüne Karte, an den Bürgermeister aus. Derix: "Mir ging es um zwei Fragen: Klappt das mit der Karte und ist das mit den Bäumen möglich?" Beides funktionierte. Zudem meldeten sich nach einem öffentlichen Aufruf die anderen freiwilligen Helfer.
Die Gemeinde suchte eine Fläche aus, schlug sie dem Kreis vor und besprach das Vorhaben mit dem NABU, unter dessen Obhut und Anleitung das Projekt läuft. Derix könnte sich gut vorstellen, auf weiteren Flächen Nutzpflanzen anzubauen. Schulz sieht den Bedarf im Moment nicht: "Wir haben die Aktion im Kaiserpark, wo man zu besonderen Anlässen Bäume pflanzen kann. Das wird aber derzeit wenig genutzt."
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