Kreis Viersen: Notfallversorgung gefährdet?
VON ANDREAS REINERS - zuletzt aktualisiert: 07.02.2009Kreis Viersen (RPO). Eine neue Gebührenordnung macht auch den Ärzten im Kreis Viersen zu schaffen. Speziell für die Notfallversorgung wurden die Honorare drastisch gekürzt. Deshalb könnte der Service der Notdienstpraxen reduziert werden.
Seit Anfang des Jahres gelten neue Arzthonorare. Die sorgen bei den niedergelassenen Vertragsärzten für Unmut, müssen sie doch teilweise erheblich Einbußen hinnehmen. Ein großes Problem sehen die Ärzte im Kreis Viersen in der Aufrechterhaltung der Notdienstversorgung. Schon unken sie, dass der Service der beiden Notdienstpraxen in Dülken und Lobberich aus Kostengründen eingeschränkt werden muss.
Fatale Auswirkungen
Im Bereich der Notdienstversorgung wurden die Honorare um 24 Prozent gekürzt. Welche fatalen Auswirkungen das im Kreis Viersen hat, wird nach vier Wochen immer deutlicher. Gestern schlug die Gesundheitsnetz Viersen AG (GNV) Alarm. "Die Ärzte bezahlen aus ihren Honoraren auch die Mitarbeiter und begleichen weitere Kosten. Jetzt gilt es zu überlegen, wie die Verluste die Versorgung beeinträchtigen und welche Lösungsmöglichkeiten wir haben", sagt Dr. Johann-Heinrich Arens vom Gesundheitsnetz Viersen.
Gesundheitsnetz
Ärzte-AG Die Gesundheitsnetz Viersen AG ist ein Zusammenschluss von mehr als 50 niederlassenen Ärzten überwiegend in der Kreisstadt und im Viersener Westkreis. Gegründet wurde das Gesundheitsnetz bereits im Jahr 2000.
Netzwerk Dem Netz als Kooperationspartner angeschlossen sind die regionalen Krankenhäuser Allgemeines Krankenhaus (AKH) Viersen und Städtische Kliniken Nettetal.Gemeinsam betreibt man die Notdienstpraxen in Dülken und Lobberich.
Als mögliche Konsequenz kündigte er an, langfristig die Präsenz der Mediziner zu verringern und die Öffnungszeiten einzuschränken sowie die Anzahl der diensthabenden Ärzte zu reduzieren. Die Folge seien längere Wartezeiten der Patienten. "Die Entscheidung, die Arzthonorare zu reduzieren, ist unsinnig. Das haben auch die Kassenärztlichen Vereinigungen, das Landes- und Bundesgesundheitsministerium sowie weitere Kostenträger längst erkannt. Doch sie schieben sich die Verantwortung gegenseitig zu, ohne dass es zu Lösungsansätzen kommt", klagt Arens.
Laut GNV rechnet ein Großteil der Praxen im Kreis Viersen mit Umsatzeinbußen zwischen zehn und 25 Prozent. "Dies ist für die meisten Praxen nicht zu kompensieren, da allein die Kosten für die Mitarbeiter rund 22 Prozent ausmachen", so Arens. Viele Ärzte werden um ihre Existenz kämpfen müssen. Besonders betroffen seien die versorgungsintensiven Praxen. Dazu gehören die Landärzte, die einen großen Anteil älterer Patienten haben, die regelmäßig besucht werden.
Sie erhalten seit diesem Jahr eine Quartalspauschale von rund 36 Euro, egal wie oft sie in den drei Monaten einen Patienten besuchen. Noch schlimmer sehe die Situation bei den Orthopäden, Urologen und Hautärzten aus. Hier liegen die Pauschalen pro Quartal bei deutlich unter 30 Euro, so das Gesundheitsnetz Viersen. "Die Orthopäden und Urologen haben bereits angekündigt, keine Kassenpatienten mehr zu behandeln, wenn sich dies nicht ändert."
Die GNV will nun mit der Politik ins Gespräch kommen, um ihre Befürchtungen mitzuteilen. Über den Landtagsabgeordneten Dr. Stefan Berger versucht man, Kontakt zum NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann zu bekommen. "Die Situation ist dramatisch. Sollten die Gespräche nichts bringen, werden öffentliche Proteste nötig", kündigte Arens an. FRAGE DES TAGES
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



