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Kreis Viersen: NRW-Stiftung war ahnungslos

VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 06.02.2010

Kreis Viersen (RPO). Stiftungspräsident Jochen Borchert macht verbotene "massive Zufütterungen" dafür verantwortlich, dass der Damwildbestand im Brachter Wald ausuferte. Als Präsident des Jagdverbandes greift er Rolf Adolphs an.

Stiftungspräsident Jochen Borchert (3.v.r., oben) informierte gestern, unterstützt von Vertretern der Stiftung und der Forstverwaltung.  Foto: RPO
Stiftungspräsident Jochen Borchert (3.v.r., oben) informierte gestern, unterstützt von Vertretern der Stiftung und der Forstverwaltung. Foto: RPO

Erst im Jahr 2007 will die NRW-Stiftung erstmals erfahren haben, dass der Damwildbestand im Naturschutzgebiet (NSG) Brachter Wald überhand genommen hatte. Dies erklärte gestern der Präsident der Stiftung, Bundesminister a.D. Jochen Borchert, vor der Presse in Bracht. Nicht bekannt sei der Stiftung, dass Jagdpächter bereits vorher beantragt hatten, die Abschussquote zu erhöhen. Jagdpächter hatten gegenüber der RP berichtet, ihre Anträge hätten der Kreis beziehungsweise der Jagdbeirat Kreis Viersen nicht akzeptiert.

Die Stiftung erwarb 1998 den weitaus größten Teil des ehemaligen Britischen Militärdepots von der Wirtschaftsförderung im Kreis Viersen (WFG). Die behielt einen kleineren Teil, Jagdpächter dieser Reviere wurde WFG-Geschäftsführer Rolf Adolphs. Die Stiftung verpachtete zwei Reviere, eins betreibt die Forstverwaltung als Eigenjagd. Das Gelände wurde Naturschutzgebiet mit dem Ziel, die von Nährstoffarmut geprägte Vegetation zu fördern. Der darüber gelegte Landschaftsplan schreibt vor, dass maximal 72 Stück Damwild im Gebiet leben dürfen. Wegen des Damwilds blieb der Militärzaun erhalten. Die Landesregierung hat das Gelände jüngst zum Jagdgatter erklärt.

Info

Nicht mehr dabei

Naturschutz Bis 2008 bildeten die NRW-Stiftung, WFG Kreis Viersen, Kreisverwaltung, Bezirksregierung, Forstbehörde, Biologische Station und Jäger eine "Projektsteuerungsgruppe" für das Gebiet. Die WFG hat den damals auslaufenden Kooperationsvertrag bis heute nicht fortgesetzt und gehört der Gruppe nicht mehr an.

Noch 750 Damtiere?

Als im vergangenen Winter Damwild im NSG verhungerte und durch Zählung festgestellt wurde, dass dort mehr als 1000 Stück lebten, wurde festgelegt, dass 620 Tiere bis Ende Januar 2010 abzuschießen seien. "Wir werden jetzt erneut zählen. Ich rechne damit, dass erneut so viele Tiere für den Abschuss bestimmt werden", erklärte Borchert. Hanns-Karl Ganser, Leiter des Regionalforstamtes Niederrhein, schätzt, dass aktuell noch etwa 750 Damtiere im NSG leben. Ihre Reproduktionsrate wird mit 30 bis 35 Prozent angenommen. Er sei bestrebt, die im Landschaftsplan festgelegte Zahl innerhalb von drei Jahren zu erreichen.

Dass der Bestand aus den Fugen geriet, blieb der Stiftung angeblich lange verborgen. "Es wurde massiv zugefüttert, aber nicht in unseren Revieren", versicherte Borchert. Das Wachstum der Herde sei möglicherweise nicht aufgefallen, weil an anderer Stelle "massiv zugefüttert" wurde. 2007/08 war festgestellt worden, dass den Tieren das reguläre Nahrungsangebot nicht mehr reichte: Sie fraßen die Natur weg, die sie schützen sollten. Dass auch das Forstamt Mönchengladbach einen höheren Bestand anstrebte, war Borchert gestern neu.

Der frühere Bundeslandwirtschaftsminister in der Regierung Kohl wirft WFG-Jagdpächter Adolphs vor, er habe mit verbotener Wildfütterung Gefahren heraufbeschworen: "Man muss alles tun, die Wildschweinpopulation zu reduzieren, um Schweinepest zu verhindern. Sie kann im Veredlungsgebiet NRW einen volkswirtschaftlichen Schaden von zwei bis drei Milliarden Euro auslösen." FRAGE DES TAGES

Mehr unter www.rp-online.de/viersen

Quelle: RP

 
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