Viersen: Panne beim Integrationsfest
VON JOACHIM NIESSEN - zuletzt aktualisiert: 15.11.2011Viersen (RP). Eine peinliche Doppelbelegung gab's beim diesjährigen Viersener Integrationsfest auf dem Platz am Stadthaus. Die Verwaltung vergab die Fläche für den selben Tag an die ausländischen Vereine und die Marktbeschicker.
Eigentlich ist Mehmet Kirsac, Vorsitzender des Viersener Integrationsrats, eher ein Mann der leisen Töne. Doch in der jüngsten Sitzung des Ausländergremiums machte er seinem Unmut Luft: "Was beim Integrationsfest vor dem Viersener Stadthaus geschehen ist, das darf einfach nicht passieren. Wir haben bereits im April bei der Verwaltung den Antrag gestellt, dass wir an dieser Stelle feiern wollen. Ende April haben wir mit der Planung begonnen. Und am Tag des Festes stellen wir fest, dass auf dem Platz plötzlich die Viersener Marktbeschicker stehen."
"Auch wir sind Viersen!"
In der Tat war die Arbeit beeindruckend, die sich zahlreiche Vereine und der Integrationsrat für dieses besondere Ereignis im Oktober gemacht haben. Unter dem Motto "Auch wir sind Viersen!" luden die Veranstalter zu einem internationalen Fest von 11 bis 17 Uhr auf den Platz am Stadthaus, ins dortige Foyer sowie in die benachbarte Albert-Vigoleis-Thelen-Stadtbibliothek ein. Information und Unterhaltung sollten im Mittelpunkt stehen, türkische und albanische Tänze waren geplant, Russlanddeutsche wollten die Besucher mit ihrer Volksmusik begeistern. Und auch Viersener Kindertageseinrichtungen und Schulen hatten sich angemeldet, um zum Gelingen des Festes beizutragen.
50 Nationalitäten
Kreisstadt Derzeit wohnen Menschen aus mehr als 50 Nationen in der Kreisstadt Viersen.
Integrationsatlas Auf der städtischen Internetseite www.viersen.de gibt es den Integrationsatlas in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch und Türkisch.
Aktivitäten Zuwanderer können sich über Einrichtungen und Aktivitäten der Stadt informieren und Kontakte zu hier lebenden Migranten knüpfen.
Das böse Erwachen kam am Morgen der Veranstaltung: Auf dem Platz hatte sich plötzlich der Wochenmarkt ausgebreitet, der eigentlich rund einen Kilometer entfernt im Schatten der Festhalle auf dem Hermann-Hülser-Platz stattfindet. Doch den hatte die Verwaltung an diesem Tag an die Viersener Schausteller vergeben, die dort zur Herbstkirmes einluden. Pikant: Ohne in die eigenen Unterlagen zu schauen, verschoben die Rathausmitarbeiter den samstäglichen Wochenmarkt kurzerhand vors Stadthaus.
"Das ist gründlich danebengegangen", räumte jetzt Wolfgang Güdden, Leiter des Sozialbereichs, in der Sitzung des Integrationsrats stellvertretend für seine zuständigen Verwaltungskollegen ein.
"Ich bedaure das vor allem mit Blick auf die ausländischen Vereine, die sich so eine Mühe gegeben haben." Zwar fiel das Integrationsfest an diesem Tag nicht komplett in Wasser, doch viele Aktionen wurden an den Rand des Wochenmarkts geschoben.
Integrationsratsvorsitzender Kirsac: "Einige Gruppen sind gleich zu Beginn stinksauer abgezogen." Man habe das Fest schließlich "irgendwie durchgezogen". Mit einem Blick nach vorn versuchte FDP-Ratsherr und Integrationsratsmitglied Karl Anton Peters, die Wogen zu glätten: "Ich war bei der Veranstaltung und hatte den Eindruck, dass sich der Markt und das Fest eigentlich gut ergänzen und südländisches Flair vermitteln. Vielleicht sollte man den Fauxpas nutzen und das nächste Fest, dann allerdings geplant, in ähnlicher Form durchführen. Von diesem Aufeinandertreffen könnten gleich mehrere Bevölkerungsgruppen profitieren."
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