Viersen: Pierburg, Rokal und nun Frimo
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 20.09.2006Viersen (RPO). Die IG Metall sowie die Betriebsräte der Firmen Pierburg, Rokal und Frimo-Heidel rufen alle Bürger für Donnerstagabend zu einem Protestmarsch gegen massiven Arbeitsplatzabbau durch Lobberich auf.
Kettenreaktion
Pierburg 20 Millionen Euro sollen bei Kolbenschmidt-Pierburg eingespart werden. Gelingt das nicht, wird eines von vier Werken in Deutschland geschlossen.
Rokal Die Hansa-Metallwerke AG will 135 von 180 Arbeitsplätzen streichen, es tobt ein familiärer Machtkampf der Hauptaktionäre.
Frimo-Heidel 32 von 212 Arbeitsplätzen sollen weg, geplant sind weitere einschneidende Schritte.
Nettetal/Viersen Der in der Summe massive Arbeitsplatzabbau im Bereich Metall setzt sich fort. Nach Pierburg und Rokal in Lobberich will Frimo/Heidel in Boisheim betriebsbedingt 32 Kündigungen durchziehen. Doch Arbeiter und Angestellte nehmen das nicht mehr widerstandslos hin. Am morgigen Donnerstag formiert sich um 20.45 Uhr vor der Rokal Armaturen GmbH an der Robert-Kahrmann-Straße in Lobberich ein Protestzug, zu dem IG Metall und Belegschaften der Unternehmen aufrufen.
Eine Region wehrt sich
„Eine Region wehrt sich!“ stellte gestern Friedel Coenen von der IG Metall Mönchengladbach fest. Solidarität treibt die Menschen auf die Straße, viele streifen ihre bisherige Resignation ab. Wieder werden sich Handwerker anschließen, und wieder hoffen die Organisatoren, dass viele Bürger kommen. Seit gestern werden am Zugweg Wurfzettel und Kerzen an Haushalte verteilt. „Wir hoffen, dass sich möglichst viele Menschen anschließen. Was in den Betrieben geschieht, schlägt ungebremst auf Familien, Handel und Handwerk durch“, so Coenen.
Die Entlassungswelle kostet für ein Jahr 1,2 Millionen Euro Arbeitslosengeld. Die Zahl hat Coenen von der Arbeitsagentur. Dann werden den Kommunen hohe Zusatzkosten für Hartz IV aufgebürdet.
Die Belegschaft von Frimo-Heidel in Boisheim wirft der Unternehmensführung ein besonders ruppiges Vorgehen vor. Nach hohen Investitionen würden die daraus resultierenden schwächeren Jahreszahlen den Beschäftigten angelastet. 32 von 212 Mitarbeitern soll gekündigt, die 35- wird in eine 40-Stundenwoche umgewandelt, Überstundenzuschläge gestrichen werden. In Fülle vorhandene Arbeit werde extern und auf Leiharbeit verteilt. Besonders geschickt ist die Geschäftsführung wohl nicht vorgegangen. Der Betriebsrat drückte auch mit Hilfe des Arbeitsgerichts ein soziales Auswahlverfahren durch und machte der Geschäftsleitung einen Strich durch die Rechnung. Mitarbeiter, die sie los werden wollte, müsse sie weiter beschäftigen. Die Entlassungen im Oktober träfen ganz andere Mitarbeiter, von denen etliche womöglich beim örtlichen Konkurrenten Krauss-Maffei übernommen würden – das wäre ein verheerender Wissenstransfer.
Die Belegschaft rückt angesichts der angeblichen totalen Kompromisslosigkeit der Geschäftsleitung nun enger zusammen. Es gibt keine Tarifbindung, aber 70 Prozent der Mitarbeiter machen in ihren Arbeitsverträgen verbriefte tarifliche Rechte geltend. Beim Fackelzug werde die Belegschaft üben, ob sie zusammenhalten wird.
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