Viersen: Probleme mit Denkmalschutz
VON FRANK SCHLIFFKE - zuletzt aktualisiert: 30.05.2008Viersen (RPO). Der Ortsbildschutz im Rahser erweist sich als Bremse für Modernisierung: Stadt verbietet der GWG an der Nauenstraße eine bessere Wärmedämmung der Häuser. Satzung soll überarbeitet werden, die Genossenschaft klagt.
„Wir werden das Verfahren formal über einen Bürgerantrag in Gang bringen“, sagt Heinz Fels, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft (GWG Stadt Viersen). Das Verfahren ist die „Modernisierung“ des Denkmalschutzes im Rahser. Weite Teile des Viertels sind seit 1999 durch eine Denkmalsatzung geschützt, die das Ortsbild erhalten soll. Nachdem die Stadt jetzt unter Berufung auf diese Satzung die Wärmedämmung an Häusern der GWG an der Nauenstraße untersagt hatte, war die Geduld der Genossenschaft am Ende.
Ein gutes Dutzend Hauseigentümer aus dem betroffenen Bereich war zu einer Versammlung gekommen, zu der die GWG eingeladen hatte. Fels: „Die Anwohner waren aufgebracht.“ Bei der Aufstellung der Denkmalsatzung, deren Absichten jeder befürworte, habe man nicht mit den inzwischen eingetretenen praktischen Auswirkungen gerechnet. Für „jeden Haustüranstrich und jedes neue Fenster“, sagte Fels, müssten die Hausbesitzer bei der Stadt vorsprechen. Dort seien sie „der Milde und Güte“ des Sachbearbeiters ausgeliefert.
GWG Stadt Viersen
108 Jahre Die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Stadt Viersen wurde 1900 gegründet. Sie hat mehr als 1000 Mitglieder und einen Bestand von 519 Wohnungen.
Rahser Die geschützten Häuser im Rahser stammen aus den 20-er und 30-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Das Volumen der anstehenden Modernisierungen allein an Häusern der GWG beziffert diese auf 1,5 Millionen Euro.
Die Leute seien wütend, fühlten sich „halbwegs enteignet“, sagte Fels. Bei der Versammlung waren drei Ratsmitglieder anwesend: Jochen Häntsch (SPD), in dessen Wahlkreis das betroffene Gebiet liegt. Häntsch sorgt sich zudem als Sozialpolitiker um die Struktur des Wohngebietes. Fels: „Ohne Modernisierung vertreiben wir den Mittelstand als Mieter.“ Komplettiert wurde die Runde der Lokalpolitiker von Alfons Görgemanns (SPD) als Anwohner und Günter Neumann (CDU), der dem GWG-Vorstand angehört.
Die Politiker seien mit den versammelten Eigentümern einig gewesen, dass die starken Beschränkungen bei der Aufstellung der Satzung nicht gewollt waren. Das Rahser sei eine lebendige Siedlung. Fels: „Verhindert werden sollten Dächer aus Teerpappe und verklinkerte Fassaden, aber nicht behutsame Modernisierung.“ Die Satzung müsse entsprechend korrigiert werden. Während die Politiker in ihren Fraktionen dafür werben, solle die Genossenschaft über einen Bürgerantrag für den formalen Hintergrund sorgen.
Unabhängig davon wird die GWG ihre Klage vor dem Verwaltungsgericht gegen das Verbot der Modernisierung an der Nauenstraße weiter verfolgen. Fels: „Besonders verärgert sind wir, weil die Verwaltung sich für die Ablehnung fast zwei Jahre Zeit gelassen hat, in der gesamten Zeit aber kein einziges persönliches Gespräch stattgefunden hat.“ Die GWG hatte beantragt, ihre Häuser in diesem Bereich – wie zuvor etwa an der Alsenstraße – mit einer zehn Zentimeter dicken Wärmedämmung zu versehen.
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