Viersen: Rankhilfen selbst geflochten
VON PHILIPP PETERS - zuletzt aktualisiert: 17.03.2009Viersen (RPO). Thomas Dittrich hat auf dem Naturschutzhof im Sassenfeld Kurse eingerichtet, in denen Teilnehmer das Flechten mit Weidenruten lernen. Diesmal geht es aber nicht um den klassischen Korb. Die Nachfrage ist so groß, dass zwei weitere Kurse bereits belegt sind.
Lobberich Überall auf dem Boden liegen abgeschnittene Stücke von Weidenruten verstreut. Die Mitte des Raumes dominiert ein großes Bündel intakter Weidenruten. An der Eingangstür steckt ein weiteres Bündel in einem Eimer. Auf dem Naturschutzhof im Sassenfeld wird nämlich geflochten, was die Ruten hergeben.
Zum Kursus "Gestalten mit Weidenruten" sind zehn Teilnehmer, überwiegend Frauen, gekommen. Alle hören gespannt Thomas Dittrich zu. Doch werden heute keine Körbe geflochten, vielmehr werden unter anderem Rankhilfen für den Garten hergestellt. "Wir hatten erwartet, dass einige Interessenten kommen würden. Aber dass so viele kommen, hat uns doch überrascht" berichtet Wiebke Esmann, die Leiterin der Einrichtung. Der Naturschutzhof wird zwei weitere Kurse ausrichten, jedoch sind die Teilnehmerlisten schon voll. "Wir können leider nicht mehr in diesem Jahr anbieten", erklärt Dittrich bedauernd.
Nützliches
Problem Es ist inzwischen schwierig, geeignete Weidenruten zu erhalten. Das Handwerk ist nahezu ausgestorben, es werden kaum noch Weidenstecklinge zum Flechten gesetzt.
Nützliches In den Kursen werden keine Körbe geflochten, sondern ausschließlich Zubehör für den Garten. Rankhilfen, Schutzbögen oder Netze und Vliese geflochten.
Juxen bei der Arbeit
Die kleine Pause nutzen die "Schülerinnen" weidlich aus. Ein paar Frauen juxen herum und machen Fotos für das eigene Album. "Schau bloß gewissenhaft", mahnt diejenige, die die andere porträtiert. Beide brechen in schallendes Gelächter aus. Doch bald flechten alle artig Schlaufen in die Weidenrute und fügen jeweils drei von ihnen nach der Größe gestaffelt zusammen. "Wenn Sie am Ende ein sechs Millimeter starkes Eisen einflechten, geht der Stab nicht so schnell kaputt", erklärt Dittrich. "Das können Sie aber auch verhindern, indem Sie das untere Ende schälen oder aber die Gebilde trocknen lässt." Zum Trocknen reicht es saus, das Flechtwerk für eine Woche in den Heizungskeller zu legen. Mit ein wenig Draht könne man auch die Form festlegen. "Sobald der Draht entfernt wird, bleibt das Geflochtene so stehen", verspricht der Fachmann.
Dann bittet Dittrich alle um einen Tisch. Er zeigt, wie ein Reusen-ähnliches Gebilde geflochten wird. Darin kann man beispielsweise Teelichter hineinstellen oder auch Rankhilfen verzieren. Gebannt folgen alle den Erklärungen, ehe sie sich sehr konzentriert an die Arbeit machen. Fast alle gelingt die Arbeit auf Anhieb, einige benötigen zwischendurch noch etwas Hilfe des Flechters. Aber alle Ergebnisse sind sehr gut gelungen.
Auf die Idee für den Kursus sind Dittrich und der Naturschutzhof gekommen, weil die Nachfrage so groß ist. Dittrich zeigte Flechtarbeiten zuletzt beim Erntedankfest. Anschließend konnte er sich vor Anfragen kaum retten. Viele fasziniert es, mit vergleichsweise geringem Aufwand sehenswerte Ergebnisse zu erarbeiten und Basiswissen im Weidenflechten zu erhalten.
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