Schwalmtal: Retter ist sein Beruf
VON HELGA SEIFERT - zuletzt aktualisiert: 24.12.2008Schwalmtal (RPO). Manchmal entscheiden Minuten über Leben und Tod. In solchen Situationen muss Günter Bongartz kühlen Kopf bewahren. Der 55-Jährige ist seit 32 Jahren Rettungsassistent in Schwalmtal.
Lasse feiert bald seinen zweiten Geburtstag: ein putzmunterer Junge, der sich gut entwickelt. Vor 18 Monaten sah es nicht danach aus. Damals hatte Lasse ganz plötzlich gekrampft und nach Luft gejapst. Das Kleinkind drohte zu ersticken. Günter Bongartz erinnert sich noch gut an den Rettungseinsatz: „Wenn Kinder betroffen sind, geht bei jedem Rettungsassistenten der Pulsschlag schneller. Dann tritt man das Gaspedal noch ein bisschen mehr durch als normal.“ Den Brief und das Foto von Lasse, mit dem seine Eltern sich später für die schnelle und professionelle Hilfe bedankten, hat der Leiter der Rettungswache Schwalmtal aufbewahrt. „Solche Zeilen motivieren“, sagt er, und dabei spielt ein Lächeln um seinen Mund.
Rettungswache
Aufteilung Ende 2007 wurde die 1976 eingerichtete Rettungswache Schwalmtal aufgeteilt in die Wache Waldniel und die Wache Niederkrüchten, die provisorisch im Feuerwehrgerätehaus in Elmpt stationiert ist. Vor wenigen Tagen war Richtfest für einen Neubau an der B 221 in Heyen.
Personal In der Rettungswache Schwalmtal arbeiten 15 Hauptamtliche, drei Jahrespraktikanten und ein Pool von 22 Aushilfskräften rund um die Uhr im Zwölf--Stunden-Schichtdienst.
Günter Bongartz’ Beruf ist es seit 32 Jahren, Leben zu retten. An fast 30 000 Einsätzen war er beteiligt. Einige hundert Menschen im Einzugsgebiet der Rettungswache Schwalmtal wären ohne seinen Einsatz und den der Kollegen verstorben. So wie ein älterer Mann aus Niederkrüchten, dessen Atmung während eines Krankentransportes plötzlich aussetzte. Bongartz: „Mit einer derartig dramatischen Entwicklung war überhaupt nicht zu rechnen.“ Glück für den Patienten: Der Lehr-Rettungssanitäter bemerkte die Veränderung sofort: Ein Thoraxschlag des Notarztes holte den Mann ins Leben zurück.
Notsituationen sofort zu erfassen und das Richtige zu tun, lernen Rettungsassistenten in der qualifizierten Ausbildung. Beides im Ernstfall anzuwenden, stellt die Retter vor immer neue Herausforderungen. „Du musst in Sekunden klären, was das Beste für den Patienten ist“, sagt Bongartz. Da könne selbst die Wahl des Krankenhauses über Leben und Tod entscheiden. Im Gedächtnis geblieben ist dem 55-Jährigen ein Einsatz, bei dem unkonventionelle Methoden ein Menschenleben retteten: „Ein kleines Mädchen hatte einen Kirschstein verschluckt und drohte zu ersticken. Wir haben die Kleine kopfüber an den Füßen gepackt und ihr kräftig auf den Rücken geschlagen.“ Die Tortur half: Das Kind spuckte den Stein aus und atmete wieder.
Nicht immer gewinnen die Retter den Wettlauf mit dem Tod. Solche Einsätze gehen auch Profis wie Günter Bongartz nahe. „Ganz schlimm ist es, wenn Kinder sterben“, sagt der Vater zweier Jungen. Nach Einsätzen wie auf der Gokartbahn am Raderberg, wo ein Zehnjähriger tödlich verunglückte, helfen Nachgespräche mit den Notärzten, das Erlebte zu verarbeiten. „Ganz wichtig ist auch eine Partnerin, die zuhören kann“, erklärt Bongartz. Ehefrau Dorothea zeigt in solchen Situationen viel Einfühlungsvermögen.
Die Fähigkeit, auf Menschen einzugehen, hält der Chef der Rettungswache Schwalmtal heute für ebenso wichtig wie profunde Kenntnisse im Rettungswesen. „Unsere Fahrzeuge sind mit den modernsten Geräten ausgestattet. Aber oft bewirken Worte mehr als jede Bein- oder Armschiene.“
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