Kreis Viersen: Rhein hat reichlich Wasser
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 04.12.2008Kreis Viersen (RPO). Zwischen 2045 und 2080 muss der Fluss das Wasser für die geplanten Tagebau-Restseen Garzweiler, Hambach und Inden liefern. Der Klimawandel wird das nicht verhindern. Aber es wird heißer und feuchter am Niederrhein.
Wasserspiele
Sümpfungen Um die gigantischen Abbaugruben im Tagebau trocken zu halten, wird Grundwasser abgepumpt: „gesümpft“.
Wassergaben Um zu verhindern, dass der Grundwasserspiegel sinkt, wird Sümpfungswasser außerhalb des Tagebaugebiets in die Erde gepumpt. Im Jahr 2006 wurden 1,6 Mio m3 Wasser im Kreis infiltriert, vergangenes Jahr waren es noch 1,18 Mio m3.
Zwischen 2045 und 2080 werden drei Restlöcher des Braunkohletagebaus im Süden von Mönchengladbach in gewaltige Seen verwandelt. Der Rhein soll das erforderliche Wasser für die Tagebaue Garzweiler, Hambach und Inden liefern. Neu daran ist der See Inden. Er wird voraussichtlich 180 Meter tief sein und eine Wasseroberfläche von etwa 1100 Hektar haben.
Pipeline gebaut
Fachleute des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) hat jetzt untersucht, ob der Rhein demnächst überhaupt so viel Wasser liefern kann. „Die Diskussion um den Klimawandel hat die Frage aufgeworfen“, berichtete Rainer Röder vom Technischen Dezernat des Kreises jetzt dem Planungs-, Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags. Die Prognosen der Wissenschaftler will Röder nicht anzweifeln: „Es wird mehr als genug Wasser vorhanden sein.“
Röder berichtet dem Ausschuss in regelmäßigen Abständen über den Braunkohltagebau und seine Folgen. Wasserwirtschaftlich und ökologisch ist alles in Ordnung. Die gesteckten Ziele sind erreicht“, so Röder. Er konzentrierte sich diesmal auf das Thema Klimawandel und Wasser für die Restseen. Deren Quelle soll der weit entfernte Rhein sein. In Höhe von Dormagen soll später eine Pipeline gebaut werden, die über Abzweigungen bis zu den drei Riesenseen führen wird. Das seit einigen Jahren sauberer werdende Rheinwasser wird vor der Einleitung gefiltert und aufbereitet.
Die Fachleute wurden nun mit der Frage konfrontiert, ob der Rhein demnächst überhaupt ausreichend Wasser führt. Die Gletscher schmelzen ab und speisen den Fluss in den Alpen. Es spielt allerdings schon ab Karlsruhe so gut wie überhaupt keine Rolle mehr. Der Rhein speist sich im wesentlichen über Niederschlags- und Grundwasser. Das Gletschersterben spielt also keine Rolle in der Wasserführung.
Hat der Fluss aber das Potenzial, 380 Mio m3 Wasser im Jahr zu liefern – das das 30 bis 40 Jahre lang? Ja, sagen die Wissenschaftler. Am Pegel Köln fließen in jeder Sekunde zurzeit 960 m3 vorbei. Für die Wasserleitung in die Braunkohlelöcher wären 12 m3 pro Sekunde erforderlich, das sind etwa 1,2 Prozent der aktuellen Wasserführung. Also kann auch in dieser Hinsicht Entwarnung gegeben werden.
Problematischer allerdings dürfte sein, wie sich der Klimawandel in unseren Breiten auswirken wird. Röder berichtete, dass die Fachleute für den Niederrhein heißere, vielleicht auch trockenere Sommer, aber extrem regenreiche und zugleich milde Winterhalbjahre vorhersagen. „Die Flüsse führen demnächst viel mehr Wasser, und der Grundwasserspiegel wird deutlich ansteigen“, so Röder. Das dürfte allerdings stellenweise erhebliche Folgen haben.
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