Viersen: Richter quittiert Amokdrohung
VON GABI LAUE - zuletzt aktualisiert: 17.08.2007Viersen (RPO). Panik verbreiteten zwei Viersener Schüler am 5. Mai per Internet: „Devil of Hell“ plane einen „unvergesslichen Vergeltungsschlag“. Der Viersener Jugendrichter verwarnte gestern beide: je 60 Stunden gemeinnützige Arbeit.
Die Ereignisse lassen den Schulleiter noch heute schaudern: „Das war ein Sonntag, den ich nicht nochmal erleben möchte!“ Polizeitrupps mit Hundeführern durchkämmten die Schule, denn in einem ICQ-Chat waren Mitschüler eindringlich gewarnt worden, am Montag die Schule zu betreten. „Alle hassen mich“, hieß es im Chat. „Sobald ich das Schwert der dunklen Seelen hab, ist das Ende nicht mehr fern.“ Der Angeschriebene informierte gleich die Polizei, bei der sich dann auch die Mutter eines 16-Jährigen meldete: Das sei nur ein „Spaß“ gewesen. Gegen den Urheber der Drohung, einen 16-jährigen Mönchengladbacher, und seinen Freund (17) aus Viersen wurde ein Strafverfahren eingeleitet.
Urheber musste Schule verlassen
Schule und Polizei hatten die wirren Drohungen ernst genommen – Sicherheit stand an erster Stelle. Der Schulleiter lobte gestern das professionelle Handeln der Polizei, das ihn ebenso beeindruckt wie beruhigt habe: „Die Zusammenarbeit mit der Polizei war excellent in seiner solchen Krisensituation.“ Die Schüler hätten einen ehemaligen Mitschüler „veräppeln“ wollen und seien geschockt gewesen, dass die gesamte Schule davon tangiert war. Trotz offizieller Entwarnung am Montagmorgen waren 66 Schüler nicht erschienen. Die Disziplinarkonferenz der Schule beschloss Konsequenzen, abgestimmt auf die unterschiedliche Tatbeteiligung: Der 16-Jährige musste die Schule verlassen, der 17-Jährige, der damals neben dem PC saß und nicht eingeschritten sei, erhielt die Androhung einer Entlassung, verknüpft mit pädagogischen Maßnahmen. Laut Schulleiter muss er einen Vortrag über Amokläufe halten und sich mit Schülern und ihren Ängsten auseinandersetzen.
Drohen im Netz
Blutbad Am 20. November 2006 war ein 18-Jähriger mit einem Kleinkalibergewehr und zwei Vorderladern in die Geschwister-Scholl-Schule im westfälischen Emsdetten eingedrungen, hatte wild um sich geschossen und fünf Menschen schwer verletzt. Seitdem gab es einige Trittbrettfahrer.
Falscher Alarm In einer Schule in Frankfurt wurden nach einer Drohung im Chat 530 Schüler nach Hause geschickt. Vier Schüler müssen wohl den Polizeieinsatz zahlen – Forderungen von mehreren zehntausend Euro. Rund 100 Polizisten arbeiteten zwei Tage lang, darunter Spezialisten z. B. für Computer und Erkennungsdienst.
Vor dem Jugendrichter in Viersen ging es gestern Mittag um „Störung des öffentlichen Friedens durch Ankündigung einer Straftat“ und falsche Verdächtigung. Der Chat habe suggeriert, ein Mord oder Totschlag stünde bevor. Und der 16-Jährige hatte sich für einen Mitschüler ausgegeben, der die Schule zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr besuchte. Dass dieser Junge aus der Gothic-Szene sich in Schwarz kleidete und zuweilen ein T-Shirt trug mit dem Aufdruck „Devil of Hell“, habe der 16-Jährige „bewusst ausgenutzt, um im Chat Panik zu verbreiten“, so die Anklage. Ein anderer Schüler mit dem gleichen Vornamen war ebenfalls fälschlich kurz in Verdacht geraten, er könne der Urheber gewesen sein.
Wegen gemeinschaftlicher Störung des öffentlichen Friedens sprach der Viersener Richter gestern eine Verwarnung nach dem Jugendgerichtsgesetz aus. Beide Schüler müssen nach Anweisung des Jugendamts je 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Die Kreispolizeibehörde will jetzt prüfen, ob sie ihren Einsatz in Rechnung stellt. Ein – rechtlich möglicher – Kostenfestsetzungsbescheid könnte in diesem Fall 4000 bis 5000 Euro umfassen.
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