Nettetal: Rosental wird zum Verlierer
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 21.02.2008 - 09:43Nettetal (RPO). Gutachter Schmidt-Illguth: Das neue Einkaufszentrum in Lobberich wird mehr Kaufkraft in Nettetal halten. Mit einer gezielten Sortimentsergänzung in den neuen Geschäften haben die eingesessenen Läden im Ortskern vielleicht eine reelle Überlebenschance.
Nettetal Ein gläubiger Mensch wird mit dem, was Einzelhandels-Gutachter Rainer Schmidt-Illguth im Planungsausschuss vortrug, wahrscheinlich sehr gerne aufgenommen haben. Ob allerdings die pauschale Feststellung, die positive Wirkung eines neuen Einkaufszentrums im Süden der Innenstadt werde andere negative Begleiterscheinungen deutlich überlagern, überall auf Zustimmung stößt, bleibt dahingestellt.
Denn dort entstehen 7800 m2 Gesamtfläche, allein 3700 m2 konzentriert der neue Lebensmittelmarkt „Kaufland“ auf sich. Dazu kommen 800 m2 für Konzessionäre. Im anderen Neubau werden Fachgeschäfte für Unterhaltungselektronik (1300 m2), junge Mode (200 m2), eine Drogerie (700 m2), ein Jeans-Laden (500 m2) und ein Schuhfachmarkt (750 m2) untergebracht. Unmittelbare Wirkung auf die Innenstadt werden die Bekleidungsgeschäfte haben, ansonsten wird „in keinem Sortimentsbereich die maximale Kaufkraftabschöpfung auch nur annähernd erreicht“, meint der Gutachter.
Großer Verlierer des neuen Projektes innerhalb Lobberichs wird der Norden des Stadtteils mit dem Real-Markt, dem Schuhmarkt und den Geschäften im Rosental sein. Allerdings wird sich das nach den Prognosen des Gutachters unterschiedlich, je nach Sortiment, auswirken. „Es ist nicht wahrscheinlich, dass vorhandene Verkaufsflächen sich dort auf Dauer halten werden“, sagt Schmidt-Illguth voraus. Das Nettetaler Umland wird ebenfalls Umsatzrückgänge hinnehmen müssen. Die Bürger sind stark nach Mönchengladbach ausgerichtet, dagegen spielt Viersen eine untergeordnete Rolle für Nettetaler Konsumenten. Gewonnen hat in den vergangenen Jahren die niederländische Nachbarschaft, allen voran Venlo. Von dort kommen umgekehrt mehr als 40 Prozent regelmäßig nach Deutschland, um Lebensmittel zu kaufen. Den Löwenanteil schöpft Kaldenkirchen mit 49 Prozent ab, aber auch in Lobberich (21 Prozent) gibt es nennenswerte Umsätze - die könnten sich mit Kaufland steigern.
„Kaufland stärkt das Zentrum Lobberichs“, behauptet der Gutachter. Es werde innerhalb der Innenstadt eine eher „geringe Umsatzverteilung“ geben. Der Discounter Plus wird auf jeden Fall Umsätze verlieren - und womöglich verschwinden, wenn der Tengelmann-Konzern hier nicht investiert.
Die Stadt muss zusehen, dass sie die innerstädtische Balance hält. Das gilt für Lobberich, aber auch im Verhältnis der Stadtteile. In Lobberich ist deshalb von ganz entscheidender Bedeutung, ob eine stabile Achse zu einem Markt am alten Rathaus gelingt, der möglichst viel Leben bekommen muss. Ein Ausbau allein reicht da nicht.
Ziele Sehr viel Zeit will sich die Nettetaler Politik mit der Planung nicht mehr lassen. Im März könnten ersten Entscheidungen fallen.
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