Viersen: RP-Experte erläuterte, warum alles teurer wird
VON VIVIEN ADAMSKI - zuletzt aktualisiert: 09.11.2007Viersen (RPO). „Die Martinsgans ist um 30 Prozent teurer geworden“, entrüstet sich Thomas Neef mit einem Augenzwinkern. „Es steht zu befürchten, dass es dem Weihnachtsbraten ähnlich ergehen wird.“ Was beim allwöchentlichen Einkauf oder beim Besuch an der Zapfsäule wohl inzwischen jeder bemerkt hat, war dem KKV Viersen (Ortsverband im Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung) einen ganzen Themenabend wert. „Alles wird teurer – warum eigentlich und was können wir dagegen tun?“ hieß das Thema des Abends. Referent Jörn Lotze muss es wissen. Der studierte Betriebswirt arbeitet für die Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post und hat „schon viele Preissteigerungen journalistisch begleitet“.
Zu viel Geld im Umlauf
Zwar sei eine wirklich bedenkliche Inflation „wie die nach dem Zweiten Weltkrieg oder in den 1920-er Jahren nicht zu erwarten, unbestreitbar ist aber momentan zu viel Geld im Umlauf“. Dies sei ein Resultat der vergangenen Bemühungen, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Angesichts der Tatsache, dass der Ölpreis von 20 US-Dollar auf inzwischen 97 US-Dollar angestiegen ist und man sein Auto nun mit 1,40 Euro teurem Super-Benzin füttern muss (statt, wie 1999: 85 Cent), der Butterpreis um 45 Prozent gestiegen ist und die Strompreise um 50 Prozent zugelegt haben, ist die von er Bevölkerung „gefühlte Inflation“ immens. Dabei gebe es auch Preissenkungen, „zum Beispiel bei Farbfernsehern und Toilettenpapier“. Um eine faire Auseinandersetzung zu ermöglichen, erklärte Lotze, wie sich Strom- und Ölpreise zusammensetzen und verwies vor allem im Energiesektor auf mangelnden Wettbewerb. Bei den Lebensmitteln müsse man ein wenig „vorsichtig sein. Manche Erhöhungen sind tatsächlich faire Anpassungen“. Der Verbraucher könne sich der Preisspirale entziehen, indem er aktiv werde. „Der Konsument muss merken, dass er Marktteilnehmer ist.“ Außerdem könne man mit einfachen Tricks Strom und Sprit sparen und man sollte auch die Preise vergleichen.
Erwartungsgemäß schloss sich an den Vortrag eine emotionale Diskussion an. Es wurde die Bio-Welle kritisiert und die Möglichkeit der Sanierung älterer Häuser unter die Lupe genommen. Kommt das Drei-Liter-Auto oder wird es aktiv verhindert? „Es geht hier um den Alltag. Da kann jeder mitreden“, hieß es im Publikum.
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