Viersen: "Schickt öch joht"
VON EBERHARD LANGE - zuletzt aktualisiert: 11.03.2009Viersen (RPO). Matthias Kamps und Willi Wolters warfen zum letzten Mal gemeinsam "dä Reem op die Orjel". In der Aula der Lobbericher Hauptschule vergnügten sich einmal mehr 150 Besucher über "Mundart und Musik".
Lobberich 50 Jahre lang hat Matthias Kamps gerne auf der Bühne gestanden. Mit dem Schalk im Nacken und der Liebe zum Platt hat er hunderte Mal die Menschen amüsiert, in seinen Bann gezogen und oft begeistert. In der Aula der Hauptschule stand er jetzt mit seinem langjährigen Partner Willi Wolters (Akkorden) zum letzten Mal auf den Brettern, die vielen die Welt bedeuten. "Schickt öch joht!", rief Kamps den Zuhörern zum Abschied zu.
Wehmut zum Abschied
Betroffenheit und Wehmut mischte sich unter die zahlreichen Besucher, die Aula war mit etwa 150 Zuhörern wieder einmal bestens gefüllt. "Os Erbe, dat is os Muttersproch. Os Plott, dat kömmt van Herze, damit kanns do alles sägge", gab Kamps quasi als Mahnung, die besondere Färbung der eigenen Muttersprache nicht zu vernachlässigen, mit auf den Weg.
Mundart hat Stärken
Famos Mundart lässt sich zwar übersetzen, verliert aber dann allen Charme, meint Kamps. Wie etwa übersetzt man: "Deä mot jet aan de Vott habbe?"
Besucher Gastgeber war wieder die Hauptschule Lobberich, die Sparkasse Krefeld sponserte wieder die Veranstaltung. Die überwiegend Gäste kamen aus allen Stadtteilen.
"Nach einem Schlaganfall muss ich mit allem Schlimmen rechnen. Ich muss kürzer treten", erklärte Kamps. Auf der Bühne des Kolpinghauses begann er einst mit Büttenrede und Zwiegespräch. Er war bei vielen Gesellschaften, Veranstaltungen und Familienfesten als Redner gern gehört. In seinen Dank an die Sparkasse und die Hauptschule, die die Veranstaltung ermöglichten, band er besonders Willi Wolters ein, der die Mundartnachmittags mit Musik verschönerte.
Zum Abschluss boten beide einen Querschnitt aus den elf vorangegangenen Jahresveranstaltungen. Zunächst hieß es wie immer: "Willi schmieht deä Reem op die Orjel". Man sang sich warm und hatte danach einiges über typisch Nettetaler Sticheleien zu lachen. "Wenn ich nach Breyell fahre und dat Navi einstell, dann mahnt spätestens im Onnert die Stimme: Sie haben sich verfahren. Sofort wenden." Kamps sinnierte darüber, ob die Friedenstaube männlich oder weiblich sei. "Dat is en Männke, denn en Frau kann neet sue lang de Schnabel halde."
Die Jugend sei unzureichend aufgeklärt, vermutet Kamps. "Os Eldersch sauten immer: Schickt öch (Benehmt euch). On wenn et passiert wor, dann hate wör nejen Monde Tiied, dröver noa tu denke, wat mit dat ,Schickt Üch" jement woar." Er freute sich unbändig über das Lob seiner Frau als er ein Riesenpuzzle in acht Monaten bewältigte. "Doa sting drop vör 5 bis 8 joar." Als Statist hätte er auch gerne Karriere gemacht: "Dat send Lü, die römmschtond on nix duen. Dat kann ich och hi-el joht!"
Kamps und Wolters haben zunächst in der Textilindustrie gearbeitet. Als sich deren Niedergang abzeichnete, fanden sie neue Arbeit: Kamps wurde Werklehrer bei Geistigbehinderten, Wolters ging zur Polizei. Seine Liebe zur Musik hat er stets als Hobby gepflegt. Mit heimischen Liedern und französischer Musette lockerte er das Textprogramm seines Freundes auf.
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