Schwalmtal: Schlossbrauerei versteigert
VON BIRGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 06.02.2010Schwalmtal (RPO). Die Schlossbrauerei, hatte Bürgermeister Reinhold Schulz in seiner Rede zum Neujahrsempfang angekündigt, sei ein Schandfleck, dem sich die Gemeinde Schwalmtal in diesem Jahr annehmen wolle. Dafür brauche man allerdings "einen langen Atem".
Den langen Atem braucht die Gemeinde auch weiterhin. Gestern morgen wurde das Flurstück 1370 in Waldniel, besser bekannt als Gelände der Schlossbrauerei, vor dem Viersener Amtsgericht zwangsversteigert. In Anwesenheit mehrerer Anwohner, die gekommen waren, um zu sehen, was mit der Industrieruine im Ort passiert, kämpften mehrere Bieter um Gelände und Gebäude. Den Verkehrswert des Flurstücks hatte das Gericht mit nur 18 000 Euro angegeben. Denn einem Gutachten zufolge liegt der Bodenwert zwar bei rund 332 000 Euro, die geschätzten Abbruchkosten belaufen sich aber auf rund 314 000 Euro. Das Gutachten ist anderthalb Jahre alt. Die Abrisskosten könnten also noch höher sein.
Politik gab grünes Licht
Für die Gemeinde Schwalmtal hatte sich Bernd Gather vom Fachbereich Planung und Verkehr unter die Bieter gemischt. Er gab auch das erste Gebot ab: 11 000 Euro. Danach schnellte die Summe in die Höhe, mit 36 000 und 41 000 Euro war die Gemeinde noch dabei, dann stieg Gather aus. "Wir hatten uns 50 000 Euro als Limit gesetzt", berichtete er später. Am späten Donnerstagnachmittag hatte die Politik dafür grünes Licht gegeben. Doch mehr Geld sollte nicht fließen. "In dieser Höhe wäre es nicht mehr vertretbar gewesen, Steuermittel einzusetzen", stellte Bürgermeister Reinhold Schulz im Gespräch mit der RP klar. Auch, wenn man gern "Herr des Verfahrens" geworden wäre.
Meistbietender sind mit 115 000 Euro nun die Fe.piacon GmbH und Karl-Wolfgang Schellenberger aus Mönchengladbach. Für die Gemeinde sei dieses Ergebnis ein Fortschritt, befindet Gather. "Nach der Zwangsversteigerung ist nicht nur das Grundbuch sauber, wir haben auch einen verhandlungsfähigen Ansprechpartner, mit dem wir eine Lösung finden wollen." Er gehe davon aus, "dass jetzt wieder Bewegung in das Thema Schlossbrauerei kommt". Die Ruine sei "ein beschämender Anblick am Ortseingang von Waldniel".
Für Bürgermeister Reinhold Schulz hat nun "oberste Priorität, dass dieser Schandfleck verschwindet". Er rechne zwar nicht damit, dass schon in diesem Jahr ein anderes Gebäude auf dem Gelände entstehen werde, "aber ich hoffe, dass es uns in diesem Jahr zumindest gelingt, die Weichen zu stellen." Wie das Gelände künftig genutzt werden soll, stehe noch nicht fest. "In der Ecke bietet sich eine Kooperation mit dem bestehenden Gewerbe oder eine Ergänzungsbebauung an", sagt Schulz. Er wolle nun alle Ansprechpartner an einen Tisch bringen, "damit es zügig vorangeht".
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