Viersen: Schützen gegen die Gema
VON PAUL OFFERMANNS - zuletzt aktualisiert: 08.05.2009Viersen (RPO). Der Bund der historischen deutschen Schützenbruderschaften protestiert gegen die Tarife der Gema, die für die Musiknutzung bei Schützenfesten kassiert. Auch örtliche Vereine wehren sich.
N'krüchten/Schwalmtal/Brüggen Die St.-Agatha-Schützenbruderschaft eröffnet die Saison der Schützenfeste am morgigen Freitag in Oberkrüchten. "Zu unseren Zeltveranstaltungen ist der Eintritt frei. Dadurch werden die Gema-Gebühren geringer", sagt Leo Hönig, 1. Brudermeister. Für Musik und Darbietungen müsse der Verein dennoch bezahlen. Die Bruderschaften müssen bei jedem Schützenfest die Größe des Zeltes in Quadratmeter, Musik und Darbietung sowie die Höhe des Eintrittsgeldes der Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) melden. Dann rechnet die Gema ab. Für viele Vereine finanziell nur schwer zu stemmen. Und auch wenn die Gema-Gebühren nun durch den freien Eintritt in Oberkrüchten geringer ausfielen, wolle man dennoch etwas ändern. Hönig: "Wir beteiligen uns trotzdem am Protest der Bundes der historischen deutschen Schützenbruderschaften bei Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, die Tarife neu zu regeln."
Kirmes Oberkrüchten
Heute Chart Party 19 Uhr (4 )
Samstag Antreten am Zelt, Errichten des Königsmaien 16 Uhr, Zug durch den Ort, Festball 20 Uhr
Sonntag Festgottesdienst 9.30 Uhr, dann Umzug mit Großem Zapfenstreich (Kirchstraße); Zug durch den Ort 16 Uhr.
Montag Hochamt für die Bruderschaft 9.30 Uhr, dann Umzug; Königsparade Meinfelderstraße, Königsball 20 Uhr
Dienstag Umzug 11 Uhr, Klompenball 12.30 Uhr, Vogelschuss 16 Uhr
Festzelt Burgstraße Oberkrüchten
Ermäßigung für Härtefälle
Die St.-Pankratius-Schützenbruderschaft Amern St. Anton bekam schon Post von Zypries. In dem Schreiben wurde die Bruderschaft auf die rechtlichen Grundlagen des Urheberrechtswahrnehmungsgesetzes hingewiesen. Gleichzeitig wies das Ministerium auch auf die so genannte Härtefallregelung hin: Danach kann die tarifliche Vergütung ermäßigt werden, wenn der Veranstalter nachweist, dass seine Bruttoeinnahmen aus der Veranstaltung im groben Missverhältnis zur Höhe der Pauschalvergütungssätze für die Musiknutzung stehen.
Die St.-Antonius-Schützenbruderschaft Born errang vor Gericht einen finanziellen Vergleich. Sie hatte zu einer Veranstaltung an einem Freitag vor zwei Jahren das Eintrittsgeld der Vorkasse bei der Gema angegeben, aber nicht das, was sie an der Abendkasse forderte. Der Gema-Kontrolleur kam dann am Freitagabend und verdoppelte zur Strafe die Gebühr, "was die Gema darf", sagt 1. Brudermeister Thomas Wolf. "Wir konnten aber vor Gericht glaubhaft machen, dass wir das nicht absichtlich gemacht hatten." Er verriet: Bei einem Schützenfest dieser Größenordnung müssten die Borner Schützen 2000 Euro an die Gema abdrücken.
Bei Schützenfesten wie jetzt in Vogelsrath und auf der Renneperstraße in Schwalmtal wird das Zelt geteilt, wenn die Besucher nicht das ganze Zelt füllen. "Da gibt es dann die Vereinbarung, dass die Wand bei Bedarf wegfällt und die Gema entsprechend informiert wird", erklärt Bezirksbundesmeister Franz Rosenberger, dessen Verband Initiator gegen die Praktiken der Gema ist. "Die Gema sollte sich flexibler zeigen und den Bruderschaften günstigere Tarife einräumen", fordert Rosenberger.
In einem Schreiben an Uwe Schummer MdB forderte Geschäftsführer Friedel Estermann von den Amerner Pankratiusschützen eine deutliche Reduzierung der Vergütungssätze, eine geringere Aufteilung der Größe der Veranstaltungsräume und engere Abstände zwischen den Preisgruppen für Eintrittsgelder, möglichst in Ein-Euro-Schritten. Doch in dieser Schützenfestsaison wird sich an den Gebühren wohl nichts ändern.
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