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22. - 25. September: Schwerpunkt Jazz und Pop

VON OTTMAR NAGEL - zuletzt aktualisiert: 20.09.2011

Viersen (RP). Allen Widerständen zum Trotz feiert das Jazzfestival Viersen in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum. Zum Geburtstag haben sich internationale Stars angekündigt – wie Curtis Stigers, Nils Landgren und Barbara Dennerlein. Newcomer versprechen überraschende Sessions auf Bühne 2 und im Festhallenkeller.

Curtis Stigers ist am Samstag Headliner des Jazzfestivals.  Foto: Savoy-Theater
Curtis Stigers ist am Samstag Headliner des Jazzfestivals. Foto: Savoy-Theater

Als im Sommer 1987 zum 10. Geburtstag des European Jazz Ensemble ein Konzert in der Festhalle unter Beteiligung des WDR stattfinden sollte, lud man der Einfachheit halber ein paar Gruppen aus der europäischen Jazzszene ein. Wenn schon mal alles aufgebaut ist. Drei schöne, entspannte Jazztage waren das damals – und die Geburtsstunden des Festivals.

Allen Widerständen zum Trotz feiert das Festival nun seinen 25. Geburtstag. Der Jazz, eine der wesentlichsten Musikentwicklungen des 20. Jahrhunderts, hat eine Heimstatt am Niederrhein gefunden. Das Festival mit seinen zahlreichen Übertragungen im Fernsehen gilt als kulturelles Aushängeschild der Kreisstadt, bringt zahlreiche Gäste auch aus dem Ausland an den Niederrhein. Die Aufmerksamkeit ist bei den vielen Größen der Jazzszene, die bereits in Viersen zu hören waren, garantiert.

Info

Tickets

Einzelticket Geburtstagskonzert Trombone Shorty, 22. September, 22 Euro;

Plus-Ticket Eröffnungskonzert Kreuzkirche, Barbara Dennerlein, 18 Euro,

Festivalticket 60 Euro, Tageskarte Freitag 36 Euro,

Tageskarte Samstag 45 Euro. Tageskarte Juniors Jazz Open (Sonntag) 7,50 Euro.

www.jazzfestival-viersen.de

Neuerungen der letzten Jahre haben die ursprünglichen Festivalformen erweitert. Dass stärker junge Menschen als Ausführende und Zuhörer in den Fokus der Organisatoren gerückt sind, kann man nur begrüßen. So kann man in diesem Jahr etwa das BundesJugend-jazzorchester (BuJazzO) auf der Festhallenbühne erleben.

Das Jubiläumsprogramm orientiert sich am bekannten Erfolgsschema: Neben renommierten Stars der internationalen Szene gibt es interessante Newcomer zu "entdecken". Auch Fusionsprojekte, die Jazz mit anderen Musikrichtungen verquicken, sind in diesem Jahr vertreten, wobei der Schwerpunkt 2011 mit sehr interessanten Künstlern auf Jazz und Pop liegt. Vielleicht ein Aspekt, der auch ein neues Publikum neben den eingefleischten Jazzfans in die Festhalle locken kann.

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Dass die Kulturabteilung mit einem Trombone-Shorty-Konzert in der "Kultur extra"-Reihe das Festival mit einem Auftakt am Donnerstagabend zum Jubiläum "ehrt", ist eine zusätzliche Einladung an das Viersener Publikum. So spannt sich der Festivalbogen von Donnerstag bis Sonntag, wo bei den "Juniors Jazz Open" Kinder, Jugendliche und Familien angesprochen werden.

Zum Programm: Seit nunmehr 35 Jahren bringt das European Jazz Ensemble seine musikalischen Ideen auf die internationalen Bühnen. Unzählige Tourneen, Begegnungen mit Musikern aus ganz anderen Kulturen, Kompositionen, die meist aus den Federn der beteiligten Musiker stammen, immer wieder neue Mitglieder, die den Kern der Band um dessen Motor Ali Haurand ergänzen, neu inspirieren und mit weiterentwickeln. Das EJE ist ein dynamischer Prozess, der auch einen Gegenentwurf zum amerikanischen Mainstream darstellte und mit Selbstbewusstsein eigene Kreativität den üblichen Marktmechanismen entgegensetzte, spannend und ambitioniert.

Als Oktett tritt das EJE diesmal in der Besetzung Alan Skidmore, Stan Sulzmann und Gerd Dudek (Saxophon), Matthias Schriefl (Trompete), Jiri Stivin (Flöte), Rob van den Broeck (Piano), Ali Haurand (Bass) und Clark Tracey (Drums) auf. Freitag, Bühne 1, 20 Uhr. Dort präsentiert sich ab 22 Uhr die deutsche Jazznachwuchselite im BuJazzO unter der Leitung von Maria Baptist.

"City Grooves" sind Kompositionen der Bandleaderin, die sich auf den Rhythmus der Großstadt beziehen, die Atmosphären und Stimmungen ausdrücken sowie die ihre Wandelbarkeit zum Thema haben. Sicherlich ein Konzert, welches den Aspekt Abwechslungsreichtum in besonderer Weise ausdrückt. Das BuJazzO bietet den besten jungen deutschen Jazzmusikern die Gelegenheit, unter professionellen Bedingungen zu arbeiten.

Mit von der Partie ist zudem das Percussionensemble Splash, welches den talentierten Nachwuchs aus NRW vereint. Nicht zuletzt durch die Beteiligung mehrerer hervorragender Viersener Percussionisten ist dieses Ensemble am Niederrhein ein Qualitätsbegriff geworden. Beschließen wird den Freitag um Mitternacht der Mann mit der roten Posaune: Nils Landgren ist mit seiner Funk Unit und unterschiedlichen Projekten bereits Stammgast beim Viersener Festival.

Landgren hat sich in seiner Karriere zu einem der wichtigsten Musiker des europäischen Jazz entwickelt, er ist Professor in Hamburg, gehört zur Leitung der NDR-Big Band, ist künstlerischer Leiter des JazzFest Berlin. Doch sein wichtigster Arbeitsplatz ist immer noch die Bühne, wo er auch für die Öffnung des Jazz für populäre Strömungen eintritt. Er tauchte sogar die Abba-Songs in die große Jazzmaschine. Eigentlich klar, dass das Jubiläumsfestival auf diesen Künstler nicht verzichten durfte.

Neben den Konzerten auf der Festhallenbühne ist sicherlich der Auftritt von Barbara Dennerlein in der Kreuzkirche (nur mit Zusatzticket) um 19 und 21.15 Uhr von besonderem Interesse. Die Münchner Organistin wird Kirchen- und Hammondorgel spielen, begleitet wird sie von dem brasilianischen Gitarristen Fabiano Perreira. Dennerlein gehört zu den weltbesten Musikern auf der Hammond.

Ihre Aufnahmen erscheinen bei den größten Jazzlabels, ihre Musikalität gepaart mit stupender Technik begeistert. Sie ist nicht zum ersten Mal in Viersen, in der Kreuzkirche spielte sie bereits ein Konzert auf der Kirchenorgel zum Festivalauftakt, aber auch auf der Festhallenbühne war sie schon zu erleben.

Eine Überraschungssession gibt es am Freitag um 21.15 und 23.15 Uhr auf Bühne 2, wo Luis auftreten. Hinter dem Bandnamen verbirgt sich nicht nur die Sängerin Angela Luis, sondern auch Gitarrist Moritz Stahl, der schon mit Clueso, Stefanie Heinzmann, Joy Denalane, Fetsum und Cassandra Steen zusammenarbeitete, Sebastian Gahler (Piano), Nico Brandenburg (Bass), Marcus Möller (Drums) und Rachel Scharnberg (Backing vocals). Luis versprechen unbekümmerten Jazz mit Soulsound und poetischen Texten. Ohrwurmtauglich.

Bühne 3 befindet sich im Festhallenkeller. Dort erwartet die Besucher ein neues Wunderkind der Swinggitarre: Gismo Graf ist 18 Jahre jung und kommt mit seinem Trio (Joschi Graf, Gitarre und Gesang, und Joel Locher, Bass), einem von Django Reinhardt inspirierten Programm und seiner aktuellen CD "Absolutely Gipsy". Um 22.15 und um 0.45 Uhr gibt es zwei Konzerte mit dem Stuttgarter Gitarristen. Gismo Graf hat sich vor allem im süddeutschen Raum schon einen beachtlichen Status erworben, wo er auf Django-Reinhardt-Tributes live im BR mit Diknu Schneeberger zu sehen war.

Der Samstagabend präsentiert den Star des Festivals: Curtis Stigers (Bühne 1, 23.45 Uhr) hatte in den 90ern mit "I Wonder Why" einen Riesenhit, sicherlich wird dieser Song auch in Viersen zu hören sein. Der Sänger und Saxophonist hat seine Phase in der Popmusik genutzt um seinen Stil zu definieren – er transferiert Songs aus allen möglichen Richtungen wie Pop, Rock oder Rhythm'n'Blues in den Jazz.

Eine faszinierende Mixtur in perfekten Arrangements, für die Stigers im vergangenen Jahr als bester internationaler Jazzsänger mit dem erstmals vergebenen "Echo Jazz" ausgezeichnet wurde. Neben seinen Bandprojekten ist Stigers auch als Filmmusiker und -produzent gefragt.

Seine Entscheidung, sich wieder mehr dem Jazz zuzuwenden, resultierte nicht zuletzt aus den Erfahrungen mit dem Popbusiness. Über die Musik begannen andere zu bestimmen. Der 44-jährige Stigers ist neben seinen beeindruckenden musikalischen Fähigkeiten auch ein sehr guter Entertainer, sehr cool auf der Bühne.

Auch die Berliner Sängerin Lisa Bassenge, die mit ihrem Quintett auf Bühne 2 (Samstag, 21.15 und 23.15 Uhr) zu hören ist , mischt Jazz- und Popelemente, bei ihr klingt es naturgemäß aber ganz anders. Sprachlich mit einer dicken Portion Berliner Sound an Judith Holofernes erinnernd, meistens deutsche Texte auf der neuen CD "Nur Fort, ist Lisa Bassenge mit ihrer bestens eingespielten Band in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus der Medien geraten.

Eigene Songs hat sie im Programm, aber auch Adaptionen von bekannten deutschen Songs – von "Element of Crime" über Udo Lindenberg bis hin zur Knef – , gar Vertonungen von Eichendorff-Texten. Lisa Bassenge ist eine tolle Sängerin, wandelbar, intensiv und tiefgründig.

Tipp. Zu den "Institutionen" des Viersener Jazz Festivals gehört ohne Zweifel die WDR-Big Band. Natürlich ist der mitschneidende WDR an guten Auftritten seines Eliteensembles sehr interessiert. Und in Viersen zeigte das Ensemble immer eine tolle Performance. In diesem Jahr ist mit Eddie Daniels einer der größten Klarinettisten der Gaststar, der neben dem Jazz auch in der Klassik einen hervorragenden Ruf genießt. Der mehrfache Grammy-Preisträger wird mit der Big Band eine 25-minütige Suite uraufführen – Geschenk an das Festival zum Jubiläum.

Außerdem stehen einige Jazzstandards auf dem Programm, arrangiert von Michael Abene, dem Leiter der Big Band – ein toller Auftakt um 20 Uhr auf Bühne 1 für den Festivalsamstag. Dort spielt um 22.15 Uhr Lutz Häfner Group feat. Adam Rogers. Saxophonist Häfner, Jahrgang 1972, arbeitete schon mit den Großen der Jazzszene zusammen, darunter Peter Herbolzheimer, Ack van Royen und Till Brönner, und mit Künstlern wie Xavier Naidoo oder den Heavytones. Den gebürtige Nürnberger begleiten Rainer Böhm (Piano), Christian Diener (Bass), Jochen Rückert (Drums) und der New Yorker Gitarrist Adam Rogers. Modern Jazz, sehr emotional.

Intensives Spiel kann man vom "Senkrechtstarter unter der deutschen Jazzpianisten" ( DLF ) erwarten, wobei das nicht synonym mit "viele Töne in möglichst kurzer Zeit" zu verstehen ist. Denn Pablo Held, Jahrgang 1986, Absolvent der Musikhochschule Köln, zeigte schon auf seinem Debütalbum von 2008 "Forest of Oblivion" eine erstaunliche musikalische Reife, die dazu führte, dass er bereits mit der WDR-Big Band, aber auch mit Solisten wie Manfred Schoof oder Paul Heller gearbeitet hat. Im intimen Rahmen von Bühne 2 ist Pablo Held mit seinem Trio – Roland Landfermann (Bass) und Jonas Burgwinkel (Drums) am Samstag um 19 und 20.15 Uhr zu erleben.

Auf Bühne 3 spielt um 22.15 und 0.30 Tobias Weidingers T-Funk mit Bandleader und Trompeter Weidinger, bekannt vom Vienna Art Orchestra und neuerdings der Carla Bley Big Band. Daneben war er immer wieder an Popprojekten beteiligt: Fanta4, Sarah Connor, Joy Denalane, The Supremes und The Temptations sowie TV Bands. Auf seinem aktuellen Album "T-Funk" spielt er eine groovende Mischung aus Jazz, Funk und R&B Rhythmen, welche mitunter überraschend aufgebrochen wird. Auch für Nicht-Jazzexperten sicherlich ein lohnenswerter Hinhörer.

Quelle: RP/rl


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