Kreis Viersen: Sie fangen die geschockte Seele auf
zuletzt aktualisiert: 20.08.2009Kreis Viersen (RPO). Das schreckliche Leid der Familien, die traumatischen Erlebnisse der Nachbarn – ersten Halt haben nach den Schüssen in Amern fünf Notfallseelsorger gegeben. Der Dülkener Gemeindereferent Andreas Bodenbenner koordiniert auf katholischer Seite diese Hilfe im Kreis Viersen. Heute Abend erwartet er rund 40 Menschen zur Nachbetreuung.
Traumaprävention und Nachsorge
In den dramatischen Stunden am Dienstag waren zusätzlich vier Betreuer vom Team Niederrhein der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) Krefeld in Amern im Einsatz. Durchlittene Angst und entsetzliche Bilder bleiben fürs Leben. Ein Zwölfjähriger harrte nach den Todesschüssen im Nachbarhaus aus, bis ihn eine Spezialeinheit in Sicherheit brachte. Eine Nachbarin kümmerte sich um den angeschossenen Schwerverletzten. Solche Schilderungen auszuhalten, haben die PSNV-Ehrenamtler gelernt. Sie kümmern sich sowohl um Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst als auch um Opfer von Unfällen und Gewalttaten. Das PSNV-Team Niederrhein leistet Traumaprävention und Nachsorge.
Die Erste Hilfe der Seelsorger war so gut organisiert, dass der Amerner Pastor Dr. Wilhelm Kursawa, der an der Absperrung der Polizei in Bereitschaft stand, nicht benötigt wurde. Kursawa sprach dafür gestern morgen mit Anwohnern, denen er versicherte, auch er dürfe jederzeit angerufen werden.
Der evangelische Pfarrer Harald Ulland betonte, es bedürfe nicht unbedingt einer Katastrophe, Beistand anzunehmen: "Geistliche sind im Grunde immer ansprechbar. Die Scheu, zum Pfarrer zu gehen, versuchen wir abzubauen." Ulland leitete an jenem Schreckenstag gerade einen Katechumenen-Elternabend. Im Anschluss betete die Runde für die Opfer der Wahnsinnstat. An der evangelischen Kirche am Kockskamp, nicht weit vom Tatort entfernt, läuteten bereits gegen 22 Uhr die Glocken. In Born gilt heute um 8 Uhr die Totenglocke dem erschossenen Michael Rosenkranz. Pfarrer Timotheus Eller hatte schon im Dienstags-Gottesdienst für alle Opfer gebetet.
Das Gesprächsangebot der Kirchen könnte auch Eltern helfen, das Geschehene mit Kindern zu bewältigen. So hat jetzt die dreifache Mutter Manuela Bolenz, die in der Nähe des Tathauses wohnt, Angst um ihre Kinder: "Die beiden Großen, acht und sechs Jahre alt, haben ja alles mitbekommen, das Blaulicht und die Rettungswagen gesehen. Ich weiß nicht, wie ich ihnen das erklären soll."
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