Viersen: Sofi hilft Sozi
zuletzt aktualisiert: 28.07.2007Viersen (RPO). Mein Vetter Drickes in Leutherheide erwägt den Einstieg in die Politik. Drickes ist ein Vereinsmensch. Er war Vorsitzender der Lötscher Philatelistenvereinigung „Die Freistempler“, der Männerselbsthilfegruppe Schmaxbruch „Frauenaus“ e.V., Beisitzer im Oberonnerter Trompeten- und Fanfarenkorps „Das Lungenbläschen“ und Reserve-Elferrat der Karnevalsgesellschaft „Spaßorden für Freu(n)de“ (SofF e.V.) Baerlo. Außerdem ist er Geschäftsführer im sozialistischen Kegelklub „Linker Bauer – Rechte Rinne“.
Ich habe, gelinde gesagt, zu Drickes ein distanziertes Verhältnis. Er streitet nämlich ständig, egal um was. Das hat ihm viele Vorstandsposten gebracht und genommen. Jetzt hat Drickes ein Auge auf die Nettetaler SPD geworfen. Den Laden müsse man mal auf Vordermann bringen. Das ist ein ehrenwertes Vorhaben für eine Vereinigung, die unlängst die Erfindung des Flachbildschirmes deswegen gefeiert hat, weil endlich etwas unter ihrem Niveau auf den Markt kam. Gut, wenn man Müller-Witz heißt und den selbst produzierten Abrieb der sozialdemokratischen Benutzeroberfläche zum integralen Bestandteil der politischen Hohlraumversiegelung macht, dann ist selbst ein Flachbildschirm eine höchst problematische Konkurrenzerhebung über dem eigenen Horizont.
Drickes hat einen Plan, wie er der fast entleibten SPD neues Leben einhauchen könnte. Schmerzen in Rücken und Knien – nur darum geht’s, denn für Kopfschmerzen müsste Hirn vorhanden sein – bekämpft Frau Prof. Sofi Tachalov in Venlo, wie uns der NetteVerlag (auch so ein Laden, bei dem die Großbuchstabentaste mitten im Wort klemmt) in seiner „Heilerzeitung.de“ aus dem Falltorfeld vermittelt. Sofi, die dem Vernehmen nach demnächst im früheren Notariat Veith am Stern (Anm. von Dures: Nomen est omen) in Lobberich das Füllhorn ihrer Wohltaten gegen saftiges Entgelt ausschütten wird, könnte der SPD in einem Kurzseminar helfen gegen „Taubheit, Sprechstörungen und Sehschwäche“.
Mein Vetter Drickes hat sich schon kundig gemacht und das preisgünstige all inclusive-Angebot vorgemerkt: Eine Woche Heil-Event bei Sofi in Venlo, dem „demütigen Medium eines transzendenten Phänomens“ für 2000 pro Sozi-Nase. (Frage der Redaktion: In welchem Coffeeshop gibt es das Gras?). Dazu kommt die vielfach bewährte kollektive Übernachtung in der ABN-AMRO-Filiale am Kaldenkirchener Markt ( Volksmund: bei „Thelen-Eäsel“) für 25 pro Nacht im Vierbettzimmer, allerdings ohne Verpflegung. Denn „der Mensch und Mediziner Frau Prof. Sofi ist überzeugter Kosmopolit und da zu Hause, wo sie am meisten benötigt wird“. Dort verteilt sie „tolerantes Verständnis, ehrliches Mitgefühl und aufrichtige Liebe“. Vor der Nettetaler SPD liegt ein sehr weiter Weg in unbekannte Gefilde.
Der Schaager Kreis hat sich übrigens auch schon bei Sofi angemeldet zur Behandlung seiner Phantomschmerzen. Den Kreis hat Ortsvorsteher Günter Syben mit seinem CDU-Kommunalwahlverein 2009 „Wir für Schaag“ amputiert. DerKreis-Vorsitzende Heinz Huber hat daraufhin gegenüber Günter Syben erklärt: „Wenn Blicke töten könnten, hätte ich nur noch Augen für dich.“ Ob jedoch Bürgermeister Christian Wagner und seine Familie das Wir-Gefühl noch auskosten werden, ist dabei die Frage. Auch er soll sich mit Abwanderungsgedanken befassen – allerdings nur aus Schaag. Der gewachsenen Familie wird’s zu eng.
Bis zum nächsten Mal.
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