Viersen: Stadt fällt 42 Pappeln
VON JOACHIM NIESSEN - zuletzt aktualisiert: 15.02.2012Viersen (RP). Während der BUND und die Grünen noch um den Erhalt der 42 Pappeln an der Clörather Mühle kämpfen und die Bezirksregierung eingeschaltet haben, schafft die Verwaltung Fakten: Sie ließ gestern die ersten Bäume fällen.
Es war ein Kampf mit ungleichen Waffen: Während für die Viersener Grünen und den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) das letzte Wort über die Zukunft der 42 Pappeln an der Clörather Mühle noch nicht gesprochen war, ließ die Verwaltung gestern die Motorsägen anwerfen: Die etwa 50-jährige Baumreihe wird gefällt. Dabei soll es nach RP-Informationen zu Protesten von Anwohnern gekommen sein. Die Polizei musste die Situation klären.
In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bauen, Umwelt- und Klimaschutz hatte eine breite politische Mehrheit dafür gestimmt, die Hybridpappelreihe entfernen zu lassen. Ein entscheidendes Argument der Verwaltung: Nach Aussage von Stadtförster Rainer Kammann bestehe inzwischen "akuter Handlungsbedarf", die Verkehrssicherheit der Bäume sei nicht mehr gegeben.
2600 Euro
Naturschutzgebiet Wie die Viersener Stadtverwaltung erklärte, handelt es sich bei den betroffenen Pappeln um eine etwa 50-jährige Baumreihe im Naturschutzgebiet Saalbruch.
Stadtkasse Nach Aussage des Fachamtes kostet das Fällen der Bäume die Stadtkasse rund 2600 Euro.
SDie Grünen hatten Kammann bereits in der Sitzung "Trickserei" vorgeworfen. Ihrer Meinung nach sei die plötzliche Frage nach der "Verkehrssicherheit" nur das Ergebnis eines fehlerhaft vorgelegten Forstwirtschaftsplans. So sei in dem aktuell gültigen Papier vom November 2011 der kritische Zustand der Bäume an der Clörather Mühle und die daraus resultierenden Konsequenzen nicht ausreichend dokumentiert worden. "Jetzt sollen plötzlich unter dem Vorwand der gefährdeten Verkehrssicherheit Fakten geschaffen werden", so Maria Dittrich von den Grünen in der Sitzung.
Zum Wochenanfang wandte sich Almut Grytzmann-Meister, Vorsitzende des BUND in Viersen, in einem Schreiben noch einmal an Bürgermeister Günter Thönnessen. Ihr Vorwurf: "Diese Maßnahme ist nicht rechtsgültig. Nach Auskunft eines von mir befragten Verwaltungsjuristen verstößt eine solche Fällung unter anderem gegen das Landesforstgesetz." Auch sei im Forstwirtschaftsplan 2012 der Einschlag der Pappelreihe an der Clörather Mühle nicht vorgesehen. Und: "Ein Rückgriff auf einen Uraltplan ist nicht zulässig."
Genau darauf hatte sich die Stadt bisher berufen. Denn bereits 2007 war das Fällen der Pappeln vom damaligen Umweltschutzausschuss einstimmig beschlossen worden. Auf Wunsch der Anwohner wurde die Maßnahme zunächst so lange ausgesetzt, wie dies zu verantworten war. Kammann: "Nun ist jedoch der Zeitpunkt gekommen, an dem ein weiteres Verschieben nicht mehr möglich ist." Das sah die BUND-Vorsitzende bis zuletzt anders. Sie bat den Verwaltungschef, die geplante Fällung zu stoppen – zumindest so lange, bis im nächsten Forstwirtschaftsplan derartige Fällungen beantragt worden sind.
"Die Verwaltung muss endlich umfassend und korrekt alle nachprüfbaren Fakten dem Ausschuss vorlegen. Dies muss unbedingt auch der kritischen Öffentlichkeit mitgeteilt werden", so Grytzmann-Meister, die eine Kopie des Briefes an Thönnessen auch an die Kommunalaufsicht bei der Bezirksregierung Düsseldorf mit der Bitte geschickt hatte, diesen Vorgang zeitnah zu prüfen. Das hat sich – zumindest mit Blick auf den Erhalt der Bäume – erledigt. Für Dittrich und Grytzmann-Meister ist das Thema noch nicht abgeschlossen: Bereits in der Ausschusssitzung hatten sie angekündigt, rechtliche Schritte einzuleiten, sollte die Verwaltung kurzfristig Fakten schaffen.
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