Viersen: Stärken frühzeitig erkennen
VON FRANK SCHLIFFKE - zuletzt aktualisiert: 25.04.2009Viersen (RPO). Stefan Krings von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung war das Vergnügen über den gelungenen Scherz deutlich anzumerken: "Viele Jungs haben sich fürs Betten bauen gemeldet, weil sie geglaubt haben, da sind Fähigkeiten als Tischler oder Schreiner gefragt." Tatsächlich ging es aber darum, in einer "sturmfreien Bude" die Betten zu beziehen und anschließend ansprechend zu dekorieren. "Einen Punkt für handwerkliches Interesse haben die Jungs aber trotzdem bekommen."
450 Schüler mit von der Partie
Um Punkte ging es an drei Tagen in der Festhalle für rund 450 Schüler aus den siebten und achten Klassen der Viersener Hauptschulen, der Diergardt- und der Overberg- sowie der Anne-Frank-Gesamtschule. Vergeben wurden die Punkte in verschiedenen Kategorien, neben handwerklichem Interesse solche wie musikalische Orientierung, Kreatitivät und mehr. Verteilt wurden die Punkte in Form von Aufklebern für die Kleidung. Verteiler waren pädagogisch geschulte Kräfte.
Die begleiteten die Schüler auf den vier Stationen, die sie bei der Aktion "Komm auf Tour" durchlaufen mussten: sturmfreie Bude, Zeittunnel, Labyrinth und Bühne. Als "ausgesprochen elegante Methode" bezeichnete Viersens Schuldezernent Dr. Paul Schrömbges dabei den Ansatz, nicht die Schwächen zu zeigen, sondern die Stärken der Schüler zu loben.
Die Bundeszentrale möchte mit der Aktion "Komm auf Tour" vorrangig Jugendliche "mit schlechteren Startchancen" ansprechen. Einer der Gründe für die Auseinandersetzung mit "Lebensplanung" ist die hohe Zahl von Teenagerschwangerschaften bei Schülerinnen von Haupt- und Förderschulen. Zugleich, sagte Krings, gehe es darum, Lebensplanung und Berufsplanung miteinander zu verbinden.
Idee für Praktikumsplatz
Für diesen Teil sorgt die Agentur für Arbeit als Partner. Sebastian Stengel von der Arbeitsagentur sagte, gewöhnlich begännen Angebote zur Berufsorientierung in der neunten Klasse. Bei "Komm auf Tour" wrden spielerisch Stärken ermittelt. Im Idealfall verließen die Jugendlichen die Festhalle "mit einer Idee für den ersten Praktikumsplatz".
Bürgermeister Günter Thönnessen lobte das "sehr gute Material", das die Bundeszentrale zur Verfügung stelle. Bei der Aktion in Viersen seien die Kinder begeistert und blieben mit Aufmerksamkeit dabei. Als ehemaliger Lehrer wisse er, dass Schüler "bei einem schlechten didaktischen Konzept" dagegen nach wenigen Minuten abschalteten. Zu "Komm auf Tour" gehören neben den Aktionstagen in der Festhalle eine Schulung der Lehrer und ein Elternabend. Außer der Bundeszentrale, der Arbeitsagentur und der Stadt waren zahlreiche weitere Träger von Jugendbildung und -beratung aus dem Kreis beteiligt.
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