Schwalmtal: Störenfried Jugendlicher
VON HELGA SEIFERT - zuletzt aktualisiert: 26.11.2007Schwalmtal (RPO). Kinderlärm ist Zukunftsmusik in den Ohren vorausschauender Politiker. Für Bürgeranträge, Bolzplätze und Schutzhütten zu schließen, zeigen die Ratsfraktionen in Schwalmtal wenig Verständnis.
„Wie kinderfreundlich ist eine Gesellschaft, die Spiel- und Bolzplätze jugendfrei halten und Schutzhütten lieber heute als morgen auf den grünen Acker verbannen will?“ Maria Beiten (Grüne) war nicht das einzige Schwalmtaler Ratsmitglied, dem im Jugend- und Sozialausschuss der Kragen platzte. Als „überaus frustrierend“ empfanden Politiker aller Parteien drei Bürgeranträge, die dem Lärm von Kindern und Jugendlichen Einhalt gebieten wollen.
Im Fall eines Ehepaares An der Schomm zeigte der Ausschuss noch ein Mindestmaß an Verständnis. Das Paar wohnt 20 Meter neben der dort aufgestellten Schutzhütte für Jugendliche. Sie ist in den Sommermonaten nicht selten bis zwei Uhr nachts frequentiert – laute Musik inklusive. „Der Mann muss früh zur Arbeit. Da ist der Wunsch nach Nachtruhe verständlich“, meinte Lothar Höckendorf (CDU). Er mahnte an, dass auch Erwachsene Rechte hätten. Mit einem neuen Bauwagen-Projekt hofft die Gemeinde Schwalmtal schon in Kürze derartige „Brennpunkte“ entzerren zu können. Die Schutzhütte anderenorts aufzustellen, ist kein Thema. Maria Beiten kopfschüttelnd: „Wir wollen eine familienfreundliche Gemeinde sein, machen uns für ein Bündnis für Familie stark, und wie gehen wir mit jungen Leuten um? Wir schicken sie weg.“ Die Politik sieht in der Jugend- und Familienpolitik noch eine Menge Handlungsbedarf.
Gerichtsurteile
Fußballspielen kann man Kindern nicht verbieten. Auch nicht, wenn der Ball ab und zu auf dem Nachbargrundstück landet. LG München II, Az.: 5 O 5454/03
Spielplätze sind zum Spielen da. Damit müssen sich Anlieger abfinden. Sie dürfen die Kinder nicht verjagen. Allerdings sind in Wohnungsnähe die Benutzerzeiten einzuhalten.
Der von Kindern auf einem Kinderspielplatz ausgehende Lärm muss hingenommen werden. VG Münster WM 83, 176
Bolzplatz schließen
Anwohner des Lüttelforster Weges in Waldniel verlangen die Schließung des Bolzplatzes Bethanien für die Öffentlichkeit, „weil dort nicht nur Kinder, sondern vermehrt auch Jugendliche Fußball spielen“. Sie berufen sich auf Gerichtsurteile in ähnlich gelagerten Fällen. Lärm und überfliegende Bälle, die in ihren Gärten landeten, sind aus Sicht der Antragsteller nicht länger hinzunehmen. Einen Ballfangzaun, den die Leitung des Kinder- und Jugenddorfes Bethanien aufstellen wollte, lehnen die Betroffenen ab: Er führe zu noch größerer Lärmbelästigung. Dorfleiter Klaus Esser ist inzwischen zu der Erkenntnis gekommen, es sei schon genug gesagt und geschrieben worden: „Sport und Spiel gehören zum Jungsein. Wenn eine Gesellschaft das nicht akzeptiert, kann sie einpacken.“ Der Bolzplatz bleibt offen für alle Schwalmtaler Kinder und Jugendliche.
Ein Paradebeispiel für eine kinderfeindliche Gesellschaft liefert ein Grundstückskäufer im Neubaugebiet „Haversloer Hof“. Obwohl der Mann dort noch keinen Stein auf den anderen gesetzt hat, äußert er bereits Bedenken wegen des Lärms vom nahen Spielplatz. Eine Tischtennisplatte und ein Volleyballnetz hält er für besonders übel: Der Häuslebauer befürchtet eine „nicht unwesentliche Wertbeeinträchtigung seines Grundstücks“ und ließ die Gemeinde wissen, dass er zumindest eine Kaufpreisminderung erwartet. Durchkommen wird er damit nicht. „Er hat gekauft, wohlwissend, dass dort ein Spielplatz entsteht“, so der Fachausschuss. Kommentar
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